Tierheim Märkisch Buchholz
: Hund Jero feige und herzlos ausgesetzt

Ein Verrat an der Treue: Doggen-Bulldog-Mix Jero wurde wie Abfall behandelt, klammheimlich abgeschoben. Lässt sich sein Vertrauen in die Menschen wieder aufbauen?
Von
Jens Olbrich
Märkisch Buchholz
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Unbekannte studiert Doggen-Bulldog-Mix Jero zuerst misstrauisch. Was in seinem Leben schief lief, wissen nur die ehemaligen Besitzer, die ihn ausgesetzt haben.

Unbekannte studiert Doggen-Bulldog-Mix Jero zuerst misstrauisch. Was in seinem Leben schief lief, wissen nur die ehemaligen Besitzer, die ihn ausgesetzt haben.

Jens Olbrich

Sieht man in Jeros schwarz-weiß geflecktes Gesicht, wirkt sein Blick irgendwie fragend, signalisieren seine halb hängenden Ohren Misstrauen und Ungewissheit. Es scheint zumindest so, ein Gefühl. Als sei er gespannt darauf zu erfahren, was der unbekannte Mensch, der ihn besucht, mit ihm anstellen würde und ob es zur Abwechslung vielleicht auch mal etwas Gutes sein würde. Vielleicht schwingt da auch ein leiser Vorwurf mit, unterschwellig.

Ob es tatsächlich so ist oder der Eindruck trügt, werden wir von Doggen-Bulldog-Mix Jero wohl nie erfahren, denn er redet nicht. Es würde aber sowohl zu seiner traurigen Geschichte als auch zu seinem von Tierpflegerin Tina Nickel beschriebenen Misstrauen Fremden gegenüber passen: „Jero ist schon ein ganz netter“, meint sie. „Er braucht halt bei fremden Leuten ein bisschen Anlaufzeit, bis er sie kennenlernt. Er ist am Anfang immer ein bisschen skeptisch, braucht bei Männern manchmal sogar etwas länger, um mit ihnen warmzuwerden.“

Ist das Eis gebrochen, kann Jero sich stürmisch freuen

Seit Mai 2023 würden sich Jero und Tina Nickel nun kennen, seit gut einem Jahr sei er bereits Gast im Tierheim Märkisch Buchholz. Zu ihr und ihren Kolleginnen hätte er inzwischen Vertrauen aufgebaut, freue sich ungestüm, wenn sie mit der Leine kommen würden, die etwas Abwechslung zum Alltag im Heim verspricht.

Ungestüm sei dabei ein Stichwort. „Er ist sehr stürmisch und springt auch gerne mal einen an und so“, erklärt die Tierpflegerin. Kleine Kinder sollten nicht unbedingt zum Haushalt gehören, „die würde er wahrscheinlich sehr oft umrennen.“

Jero – 50 Kilogramm geballte Kraft, Erziehung fehlt leider

Dass, wer sich für Jero interessiert, schon eine gewisse Kraft mit sich bringen sollte, beweist der Doggen-Bulldog-Mix, als Tina Nickel ihn aus seinem Freilauf holt. „Wenn 50 Kilogramm in die Leine gehen, ist das nicht so leicht zu halten“, meint sie und stemmt sich gegen Jero, der natürlich überall hinwill, nur eben nicht gerade dahin, wo die Tierpflegerin ihn hinführen will. Die Gehorsamkeit müsse noch geübt werden, auf alle Fälle seien ein Hundetrainer oder eine Hundeschule angeraten.

Wem Jero einmal vertraut, dem zeigt er seine Zuneigung gern auch einmal auf die stürmische Art und Weise.

Wem Jero einmal vertraut, dem zeigt er seine Zuneigung gern auch einmal auf die stürmische Art und Weise.

Jens Olbrich

Jeros Alter ist geschätzt, den Impfpass hatten die Besitzer, die ihn  abschoben, nicht mitgegeben. Auf das Jahr 2020 datiert die das Tierheim Märkisch Buchholz betreuende Tierärztin sein Geburtsdatum nach Begutachtung seines Gebisses, Jero ist demzufolge gerade mal vier Jahre alt. Bis auf eine Futtermittelallergie bescheinigt die Medizinerin ihm eine gute Gesundheit. Die Allergie, die sich mittels offenen, roten Stellen an den Pfoten äußerte, bekommt man im Tierheim mit Spezialfutter, Pferd als einzige Proteinquelle und sensitives Trockenfutter, in den Griff.

Mit einem Kastrationschip sei Jero bei der Gelegenheit auch gleich „versorgt“ worden, berichtet Tierpflegerin Nickel. Beweggrund dafür seien stressbedingte Gewichtsprobleme Jeros im Tierheim, umgeben von vielen Artgenossen und deren Nähe, gewesen. „Und das, obwohl er sehr viel fressen kann.“ Die Maßnahme hätte gut gewirkt, das Futter würde nun anschlagen, Jero endlich wieder zunehmen. „Er ist jetzt auf einem guten Gewicht, auf dem er bleiben kann“, erklärt die Tina Nickel.

Bis auf eine Futtermittelallergie kerngesund, ist Jero gern ausgelastet und tobt auch gern einmal.

Hund Jero ist, bis auf eine Futtermittelallergie, kerngesund, tobt auch gern und möchte ausgelastet sein.

Jens Olbrich

Hundekekse vergräbt er, eine Gartenumgestaltung ist nicht zu befürchten

Eine Gartenumgestaltung durch Jero sei nicht zu befürchten, versichert die Tierpflegerin zuversichtlich, ergänzt jedoch einschränkend: „Wenn er gut ausgelastet ist. Also, in der Regel nicht.“ Ein bis zwei Buddelstellen traut sie Jero jedoch zu, da er „wenn er irgendwelche tollen Hundekekse gekriegt hat, ein Schweineohr oder irgendwie sowas, dann verbuddelt er das schon manchmal, hebt sich das quasi für später auf“.

Interessenten Jeros sollten Haus und Garten haben, meint Tina Nickel. „Wir sehen ihn nicht so in der Wohnungshaltung.“ Auch Katzen oder andere Hunde neben Jero seien nicht zu empfehlen, eine Tendenz zum Einzelprinz sähe sie in ihm schon eher, Artgenossen möge er nicht so sehr. Wichtig wäre auf jeden Fall ein gut gesichertes Grundstück, da Jero einen sehr gut ausgebildeten Jagdtrieb hätte.

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