Wald in Rietz-Neuendorf
: Natur stärkt Körper und Geist – so modern ist der Boom wirklich

Einst bot der Wald eine Lebensgrundlage, jetzt hinterfragen Wissenschaftler die gesundheitlichen Effekte von Waldtherapie auf der Tagung der Stiftung August Bier.
Von
Jens Olbrich
Rietz-Neuendorf
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Margarete Stoffel, Vorstandvorsitzende der Stiftung und Urenkelin von August Bier, am Eingang zum Sauener Wald, wie ihn ihr Urgroßvater schuf.

Margarete Stoffel, Vorstandvorsitzende der Stiftung und Urenkelin von August Bier, am „Eingang“ zum Sauener Wald, wie ihn ihr Urgroßvater schuf.

Jens Olbrich
  • Tagung in Rietz-Neuendorf: Stiftung August Bier beleuchtet Waldtherapie und Gesundheit.
  • Wissenschaftler erforschen Effekte des Waldes: Beruhigung, Heilung oder auch Gefahren wie Borreliose.
  • Praktische Exkursionen geplant: Forstliche und medizinische „Wild-Sessions“ mit Naturtherapeuten.
  • Ziel: Bewusstsein für die Erholung und Risiken des Waldes schaffen, Natur wieder erleben.
  • Veranstaltung am 12. September, Anmeldung erforderlich, Gebühr 50 Euro inkl. Verpflegung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Lebensweise unserer Vorfahren war eng mit dem Wald verflochten. Neben dem Schutz bot das Leben unter dem Blätterdach sämtliche Ressourcen für das naturnahe Überleben. Über zu wenig Bewegung musste sich niemand Gedanken machen, Fitnessstudios waren überflüssig. Im Lauf der Zeit änderte sich diese Lebensweise, vergessen wurde sie nie gänzlich. „Ich ging im Walde so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn“, soll Johann Wolfgang von Goethe 1780 auf einer Wanderung mit einem Bleistift an der Wand einer Jagdhütte geschrieben haben.

Bewegung und Entspannung im Wald suchte einst Goethe, mit dem Thema „Wald und Gesundheit“ greift die Stiftung August Bier in ihrer diesjährigen Tagung das Motiv naturverbundener Bewegung auf. Beinahe zeitgleich mit Goethe beschäftigte es in ähnlicher Weise bereits Sebastian Kneipp und Turnvater Friedrich Ludwig Jahn, und nicht zuletzt einige Jahrzehnte nach ihnen den Arzt, Philosophen und Forstmann August Bier, den Urgroßvater der Vorstandvorsitzenden Margarete Stoffel.

Ganzheitlicher Ansatz in Medizin ist nicht gerade erst entstanden

„Mein Urgroßvater war nicht nur Schulmediziner, sondern auch ein ganzheitlicher Denker“, erzählt Margarete Stoffel. Trotz Professur in Medizin und als bedeutsamer Chirurg sei seiner Meinung nach die Chirurgie eigentlich immer das Anerkennen des Versagens der Medizin gewesen. „Wenn es erst einmal nötig ist zu operieren, hat man vorher viel falsch gemacht“, zitiert August Biers Urenkelin ihren Ahnen. Den Körper als Ganzes zu sehen sei ihm wichtig gewesen, Bewegung in der Natur sah er als heilsam an, er gründete sogar eine Sportschule in Berlin.

Mit dem Wald als Gesundheitsressource beschäftige sich heutzutage, gut 100 Jahre später, die Wissenschaft und es gebe fundierte Therapeuten, die Waldtherapie anbieten, weiß Margarete Stoffel. Fragen wie „Werden wir im Wald nur ruhiger, oder auch gesünder“ werden gestellt und erforscht. „Es gibt ganze Lehrstühle, die sich mittlerweile damit beschäftigen, wie wichtig oder wie gut die Auswirkungen von Wald auf die Gesundheit sind.“ Daneben gebe es Trends für Entspannung, Yoga-Geschichten, Waldbaden und ähnliche Angebote.

Naturtherapie und klinische Wild-Sessions in Sauen

Den modernen Menschen wieder an die Natur heranzuführen, aus der er lange herausgewachsen ist, sei eines der Ziele der am 12. September in Rietz-Neuendorf, Ortsteil Sauen stattfindenden Jahrestagung der Stiftung August Bier. „Wir beleuchten bei der Tagung, woher das alles kommt und wie der Stand der Forschung ist, was man eigentlich praktisch macht“, fasst Margarete Stoffel zusammen. Die Referenten sind unter anderem Wissenschaftler von der Ludwig-Maximilians-Universität München und von der Charité sowie Forstfachleute wie der Forstamtsleiter des Forstamtes Tegel.

Ein Teil der Tagung befasse sich damit, ob der Wald nur gesund für uns sei, nicht auch gefährlich sein könne. „Es gibt ja auch Krankheiten, die man sich da einfangen kann, allen voran Borreliose“, erinnert die Vorstandvorsitzende der Stiftung August Bier. Nach dem wissenschaftlich theoretischen Teil, nach der Mittagspause, gebe es auch einen praktischen Teil. „Das machen wir seit ein paar Jahren bei unseren Tagungen so, dass wir sie so zweiteilen“, erklärt Margarete Stoffel. Im Teil mit den Exkursionen werde man sich teilen. Es gebe forstliche Exkursionen sowie zwei medizinische Exkursionen. Letztere „mit zwei klinischen Naturtherapeuten von der Uni, die klinische Wild-Sessions, so nennt man das, anbieten“.

Wald bietet Erholung, birgt jedoch auch Gefahren

Der Mensch soll nicht nur sensibilisiert, überhaupt erstmal wieder in den Wald zu gehen, er soll auch die Gefahren kennen. Letztlich ginge es jedoch darum, „den Wald zu genießen, nicht einfach durch ihn zu hasten und dabei ständig am Telefon hängend etwa seine E-Mails zu checken“, bestätigt Margarete Stoffel. Die Ruhe des Waldes genießen, im Sommer die Kühle und das Licht, vielleicht auch einmal ein wildes Tier sehen, „Reh- oder Schwarzwild, bei dem sich wirklich viele Leute vorstellen, es nur noch im Tiergehege zu anzutreffen.“ Was in diesem Zusammenhang alles wichtig sei, würde man bei der Tagung im September herausarbeiten.

Jahrestagung Wald und Gesundheit der Stiftung August Bier am 12. September

Zum Anger 9, 15848 Rietz-Neuendorf, OT Sauen, Tagungsgebühr 50,- Euro (inkl. Mahlzeiten und Getränke), Beginn 9 Uhr, Registrierung ab 8.15 Uhr, Anmeldung aufgrund limitierter Plätze unter info@stiftung-august-bier.de