Im Zuge des Infrastrukturprojektes um den Bau der neuen Tesla-Gigafabrik in Grünheide wurden im Laufe des Jahres 2020 in der Region große Flächen Wald gerodet und Flächen versiegelt. Laut Landeswaldgesetz sollten diese Maßnahmen 1:1 im selben Naturraum kompensiert werden. Das heißt: Für jede gefällte Kiefer muss beispielsweise eine neue Kiefer gepflanzt werden; für jeden gerodeten Quadratmeter Wald die gleiche Fläche als Erstaufforstung neu angelegt werden.

Mehr als reine Kompensation

Die Flächenagentur Brandenburg GmbH bietet einen Teil dieser Kompensationsmaßnahmen gemeinsam mit einem neuen Projekt an: dem Naturraum für Generationen (NfG), einem Projekt der Oegelner Fließ Dienstleistungs GmbH & Co. KG in Beeskow, die sich aus mehreren Flächeneigentümern zusammensetzt.
In Kooperation mit weiteren Partnern wird in den nächsten Jahren der Wald nicht nur entsprechend der Verluste aufgeforstet, sondern auch durch Offenlandprojekte ergänzt, die einen wichtigen Beitrag zu Klimaschutz- und Forschung leisten können.
Auf der Beeskower Platte sollen ökologisch wertvolle Laubmischwälder mit bis zu 70 Prozent Laubholzanteil erwachsen. Durch zahlreiche weitere Maßnahmen sollen naturschutzfachlich wertvolle Biotopkomplexe entstehen – „um möglichst artenreichen Naturraum zu schaffen, der gegen zukünftige Klimaereignisse besser gewappnet ist“, erklärt der Geschäftsführer der NfG, Axel Behmann. „Die intensive Landschaftsnutzung und die sich immer klarer abzeichnende Klimaveränderung hat die Natur stark beansprucht“. Dies habe die Eigentümer dazu bewogen, ihre Flächen für das Projekt zur Verfügung zu stellen.

Biotope, Blüh- und Obstwiesen

Zu dem breiten Portfolio an Maßnahmen zählen Offenlandbereiche wie Magerwiesen, Feldgehölze- und Hecken, Blühstreifen und Streuobstwiesen. Weiterhin wird auf den Bürgerwiesen zwischen Merz und Ragow eine Moorlandschaft geschaffen, wie sie vor Jahrhunderten bereits bestanden haben könnte. Zusammen mit einem möglichen angrenzenden Auenwald können diese Feuchtbiotope große Mengen an Kohlenstoff speichern. Die zunächst für die Wasserversorgung der umliegenden Flächen angelegten Lagunen werden schließlich ebenfalls in Feuchtbiotope umgewandelt.
Die Umsetzung wird innerhalb von fünf Jahren erfolgen und wird in regelmäßigen Abständen von den zuständigen Behörden kontrolliert.
Dieses umfangreiche Projekt ist natürlich auch für die Forschung interessant. Der Kooperationsvertrag mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNE) und dem Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) steht kurz vor dem Abschluss. Geplant ist ein Forschungsprojekt, das auf den von NfG bereitgestellten Versuchsflächen wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema klimaangepasste Laubwälder betreiben soll. Das Vorhaben wird von allen beteiligten Behörden unterstützt.

Gestartet mit Klee

Anfang September hat das Team von NfG mit den ersten Arbeiten begonnen: Auf insgesamt rund 50 Hektar großen Aufforstungsflächen bei Oegeln (Ortsteil von Beeskow), Merz und Ragow wird Klee angesät. Dieser könnte nützlich sein, um Temperatur und Wassergehalt des Bodens zu regulieren und so die Anpflanzung der Stecklinge im Herbst und Frühjahr zu vereinfachen.
Auf weiteren 100 Hektar bei Grunow erfolgt ab 2021 die Umwandlung von Kurzumtriebsplantagen (KUP), auf denen bisher Plantagenhölzer heranwachsen, in ökologisch höherwertige Mischwälder.

5 Jahre für 750 Hektar

Bis spätestens November dauert noch die vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für weitere 600 Hektar an. Diese setzen sich zusammen aus 200 Hektar geplanter Freilandfläche, auf denen Offenlandbereiche und Feuchtbiotope kultiviert werden sollen, und 400 Hektar Mischwald.
„Das Projekt ist in der Vielfalt seiner Maßnahmen bundesweit einzigartig. Wir haben hier die Möglichkeit, durch die Förderung von Flora, Fauna und Habitat echten ökologischen Mehrwert zu schaffen“, so Behmann.

Infos: www.nfg-brandenburg.de (ab 4. September)