Wettermuseum Lindenberg
: Tornado zum Anfassen - das wird Besuchern geboten

Das Wettermuseum in Lindenberg feiert seinen 20. Geburtstag. Mitmachen, Ausprobieren und Entdecken und ein Streichelzoo – so hat sich das Museum entwickelt.
Von
Diana Maltseva
Lindenberg
Jetzt in der App anhören
Wettermuseum

David Gornickel, der Geschäftsführer des Wettermuseums in Lindenberg bei Beeskow (Oder-Spree), erzählt über die Geschichte des Museums und darüber, was Besuchern geboten wird.

Diana Maltseva
  • Wettermuseum in Lindenberg feiert 20 Jahre und setzt auf Mitmachen und Entdecken.
  • Besucher erleben Messgeräte „zum Anfassen“, einen Mini-Tornado und eine Lernwerkstatt.
  • Tag der offenen Tür: Samstag, dem 19. September, von 10 bis 14 Uhr für Familien.
  • Klimazaun zeigt langfristige Temperaturtrends und Prognosen bis 2100 – grün 10,2°, orange 12,8°.
  • 2024 war sehr warm mit 11,7° im Durchschnitt, auch milde Winter verlängern die Zaunlatte.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein Streichelzoo in einem Wettermuseum? In Lindenberg gibt es auch so etwas. „Wir nennen das den Messgeräte-Streichelzoo“, sagt Geschäftsführer David Gornickel und lächelt, während er im Garten des Museums auf eine Reihe von Apparaten zeigt. An einem davon lässt sich die Windgeschwindigkeit ablesen. „Man kann hineinpusten, dann sieht man gleich, dass es schneller geht.“ Gleich daneben zeigt er auf das nächste Gerät.

„Hier sieht man die Temperatur.“ Es misst die Sonneneinstrahlung. „Im Moment haben wir null Sonne“, stellt Gornickel trocken fest. Schließlich greift er zu einer winzigen Gießkanne, schöpft Wasser aus einem Eimer unter dem Regensammler und gießt es vorsichtig hinein. Sofort wird sichtbar, was das bedeutet: „Und dann merkt man, dass gerade 1,2 Millimeter Regen gefallen sind.“

Wer heute das Wettermuseum besucht, erlebt keine einfache Sammlung alter Geräte in Vitrinen. Die Ausstellung legt großen Wert auf Mitmachen, Ausprobieren und Entdecken.

Es gibt Klappen zum Öffnen, Schubladen zum Herausziehen und Filme. Besucher können im Eingangsbereich des Wettermuseums einen kleinen künstlichen Tornado beobachten. Aus feinem Nebel wächst nach und nach eine schmale Wirbelsäule in die Höhe, die man sogar anfassen darf.

Wettermuseum Lindenberg (Oder-Spree), so hat es angefangen

Am Anfang stand nicht etwa ein großes Museumskonzept, sondern die Sorge, dass historische Wettermesstechnik verloren gehen könnte. Alte Messinstrumente aus dem Observatorium des Deutschen Wetterdienstes in Lindenberg sollten aussortiert und entsorgt werden. Für den Vereinsvorsitzenden, Diplom-Meteorologe Dr. Bernd Stiller, war das keine Option. Er arbeitete selbst dort und fand: „Man darf doch keine Geschichte wegschmeißen. Die muss man aufbewahren.“

Was einst klein begann, ist heute deutlich gewachsen. Zum Museum gehören inzwischen nicht nur die Ausstellungsräume und der Garten, sondern auch eine Lernwerkstatt. Dort können Kinder und Schulklassen experimentieren, Solarspielzeuge bauen oder ganze Projekttage rund um Wetter und Klima verbringen.

In den Ferien bietet das Museum regelmäßig Programme für Familien an. Das Museum ist am 15. September 20 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass lädt das Wettermuseum am Samstag, dem 19. September, von 10 bis 14 Uhr zu einem Tag der offenen Tür für Familien ein.

Tornado

Im Wettermuseum in Lindenberg (Oder-Spree) gibt es  einen kleinen künstlichen Tornado. Aus feinem Nebel wächst nach und nach eine schmale Wirbelsäule in die Höhe, die man sogar anfassen darf.

Diana Maltseva

Auch die Besucherzahlen spiegeln die positive Entwicklung wider. Während anfangs rund 3000 Menschen pro Jahr kamen, sind es inzwischen fast 8000. Viele Gäste stammen aus Brandenburg und Berlin, aber auch Besucher aus anderen Bundesländern und sogar aus dem Ausland finden den Weg nach Lindenberg.

Wettermuseum Lindenberg zeigt Zunahme des Klimawandels auf

Ein zentrales Thema des Museums ist auch der Klimawandel. Dabei will das Wettermuseum nicht belehren, sondern anhand von Messreihen, die sich über Jahrzehnte erstrecken, sichtbar machen, was sich verändert hat. Besonders eindrücklich gelingt das mit dem sogenannten Klimazaun im Garten. Die unterschiedlich langen Zaunlatten stehen für die jeweiligen Durchschnittstemperaturen einzelner Jahre. Schon auf den ersten Blick ist erkennbar: Die Latten werden im Verlauf der Jahre länger.

Inzwischen wurde der Zaun um Prognosen ergänzt, die zeigen, wie sich die Temperaturen bis zum Jahr 2100 entwickeln könnten – je nachdem, wie konsequent Klimaziele eingehalten werden. Der grüne Balken ist niedriger als die anderen Balken, die die vergangenen Jahre anzeigen. Er zeigt 10,2 Grad an. Der orangefarbene Balken ist deutlich höher als alle anderen und zeigt 12,8 Grad an.

Um den grünen Wert bis zum Jahr 2100 zu erreichen, müssten alle Länder der Erde sofort aufhören, CO₂ in die Atmosphäre zu blasen. „Das hieße, die komplette Industrie wäre dann für diese Länder tot“, gibt der Geschäftsführer zu. „Deshalb glaube ich, dass sich niemand daran halten wird. Irgendwo muss der Mittelweg die Lösung sein“, sagt Gornickel weiter.

„Das hieße, die komplette Industrie wäre dann für diese Länder tot.“
David Gornickel
Zum Ziel, den grünen Wert des Klimawandels bis zum Jahr 2100 zu erreichen.

Auf dem Zaun ist auch eine rote Zaunlatte zu sehen. Das Jahr 2024 sei sehr warm gewesen. Die Durchschnittstemperatur lag bei 11,7 Grad. „Das muss jedoch nicht heißen, dass der Sommer besonders heiß war. Die Zaunlatte wird auch länger, wenn der Winter sehr warm war. Dann gab es kaum Schnee. Wir hatten kaum Minusgrade. Wenn der Winter also sehr warm war und der Sommer ‚okay‘, dann ist es im Durchschnitt trotzdem ein sehr warmes Jahr“, erklärt Gornickel.