Der Winter soll vertrieben werden – so will es der Brauch des Zamperns. Mit lauter Blasmusik zog man am Samstag deshalb in Neuendorf bei Beeskow, Stremmen, Philadelphia, Mittweide und Ahrensdorf durch die Straßen, um den Geistern der kalten Jahreszeit den Garaus zu machen. Diese jedoch scherten sich nicht drum und schickten ab dem frühen Nachmittag kalten Wind und Schnee auf die Erde.
„Hoch auf dem gelben Wagen…“ klang es durch Neuendorf bei Beeskow. Zwar war der Wagen nicht gelb und wurde auch nicht wie im Lied von Rossen gezogen, sondern von einem Traktor. Aber für die Neuendorfer Fastnachtsgesellschaft war es auf alle Fälle eine spaßige Angelegenheit, mit dem Gefährt im Schritttempo nach Beeskow in den Vorheider Weg und den Wachholderring zu fahren, um dort ebenfalls die Gehöfte unsicher zu machen. Die Stimmung war ausgelassen.

Zampern in Neuendorf: abends mit lustigem Programm

„Die Leute sind nach zweijähriger Pause ausgehungert und wollen Party machen“, sagte Bernd Burgstaller, der seit über 20 Jahren die Zügel des Neuendorfer Fastnachtsvereins in den Händen hält. Nach dem Zampern ging die Party mit „Dani & die Männer“ in Willys Schankwirtschaft weiter. Wie gewohnt, gab es im Laufe des Abends auch wieder ein lustiges Programm zu sehen, das Einblicke ins Neuendorfer Dorfleben bot, welches von schnarchenden Dorfbewohnern, klappernden Mülltonnen, schwarzen Witwen, dem Leben auf dem Bauernhof und einer sündigen Meile erzählte. Und trotzdem ist der Zusammenhalt nirgends so groß wie auf dem Dorf, wenn am Ende nur alle gemeinsam feiern können.

Zampern in Stremmen: Dorfjugend übernimmt das Zepter

Ähnlich sehen es auch die Stremmener, denn beim abendlichen Programm ging es ebenfalls um das Leben auf dem Dorf, wobei das Melken der Kühe eine zentrale Rolle spielte. Das Abendprogramm ist immer Sache der Dorfjugend. Normalerweise wächst diese da rein, aber durch die lange Zwangspause ist es nahezu eine ganz neue Truppe, die sich hier einbringen musste. Doch sie hat die Feuertaufe bestanden und ihre Aufgabe gemeistert. Natürlich wurde auch in Stremmen gezampert, vorneweg die „Zeisigberger Musikanten“. Etwa 80 Kostümierte, darunter sehr viel junges Volk nicht nur aus Stremmen, zogen durch den 230-Seelen-Ort und ließen es dort so richtig krachen.
Mittagspause bei Gerickes in Stremmen: Finn Sohnrey, Melissa Daehnert, Hanna Gutschmidt, Manja Ziller und Konstantin Splittgerber stärken sich mit Nudeln und Tomaten-Wurst-Sauce.
Mittagspause bei Gerickes in Stremmen: Finn Sohnrey, Melissa Daehnert, Hanna Gutschmidt, Manja Ziller und Konstantin Splittgerber stärken sich mit Nudeln und Tomaten-Wurst-Sauce.
© Foto: Cindy Teichert

Zampern in Mittweide: gemütlicher Ausklang im Feuerwehrhaus

Etwas gemütlicher, aber ebenso lustig ging es in Mittweide zu. Zirka 40 Narren waren mit den „Lieberoser Musikanten“ unterwegs. Und auch in Mittweide steht die Fastnacht seit diesem Jahr unter neuer Führung. Stefanie Paulenz, Cathlin Schulze und Frederike Engler haben hier neuerdings den Hut auf. „Wir freuen uns, dass wir es schaffen, unsere Fastnacht in Mittweide am Leben zu halten“, so die jungen Frauen.
Kostümvielfalt in Mittweide: Nach zweijähriger Fastnachtspause wurden auch in Mittweide wieder die Kostüme aus der Mottenkiste geholt und durch das Dorf geführt.
Kostümvielfalt in Mittweide: Nach zweijähriger Fastnachtspause wurden auch in Mittweide wieder die Kostüme aus der Mottenkiste geholt und durch das Dorf geführt.
© Foto: Cindy Teichert
Dies ist mitunter gar nicht so einfach. Die Gaststätte, in der man hier früher Fastnacht feierte, ist inzwischen geschlossen und für die Miete eines Zeltes fehlt das Geld, sodass für einen Tanzabend keine Räumlichkeiten zur Verfügung stehen. Aber das vermiest den Leuten in Mittweide noch lange nicht die Feierlaune. Nach dem Zampern kehrte man ins Feuerwehrhaus ein, wo die beim Heischegang eingesammelten Eier sogleich zu leckeren Eierkuchen verarbeitet wurden und man den Tag in kleiner, aber feiner Runde ausklingen ließ.

Zampern in Ahrensdorf: frei erfundene Tänze

Im kleinen Ahrensdorf ist man froh, dass es die Gaststätte Fünfhausen noch gibt, in deren kleinem Saal man nach dem Zampern mit den „Oder-Spree-Musikanten“ den Fastnachtstanz mit „Peats Partyband“ feiern konnte. Im Jahr 2021 hätte man in Ahrensdorf 20-jähriges Fastnachtsjubiläum gefeiert und das wollte man nun in diesem Jahr nachholen.
Tanzen im Schneegestöber: Anja und Alexandra Noack trotzten in Ahrensdorf dem Wetter und tanzten zur Musik der Oder-Spree-Musikanten.
Tanzen im Schneegestöber: Anja und Alexandra Noack trotzten in Ahrensdorf dem Wetter und tanzten zur Musik der Oder-Spree-Musikanten.
© Foto: Cindy Teichert
Alexandra Noack und Katrin Zureck studierten anlässlich des Jubiläums mit den Ahrensdorfern „frei erfundene abgeguckte“ Tänze ein, welche am Abend aufgeführt wurden. Angelehnt an alte Fastnachtsprogramme ließ man einen griechischen Tanz, der damals großen Anklang fand, aufleben. Dieser konnte nur noch durch den neu erfundenen großen Piratentanz getoppt werden, bei dem wohl das halbe Dorf mitmachte. Der (Muskel-)Kater am Sonntag war programmiert.

Zampern in Philadelphia: Eisbein gegen den Kater

Gut 100 Bewohner von Philadelphia zog es ebenfalls am Sonnabend auf die Straße. Angeführt wurde der Tross der Kostümierten von Frank Ebert, der es sonst als Stadtwehrführer von Storkow versteht, das Kommando zu übernehmen. Dieses Mal schlüpfte er in die Rolle als „Der weise Ben“ mit langer, blonder Mähne und einem knorrigen Wanderknüppel. Mit Traktor im Schlepptau ging es bei eisigen Temperaturen von Tür zu Tür. Unter den Zamperern waren dieses Mal die Füchse eindeutig in der Mehrzahl.
Empfohlener Inhalt der Redaktion

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Instagram, der den Artikel ergänzt. Sie können sich diesen mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Externer Inhalt

Sie erklären sich damit einverstanden, dass Ihnen externe Inhalte von Instagram angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden.

Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Um ein Haar hätte es Musik nur vom Band gegeben, denn die ursprünglich geplante Kapelle musste krankheitsbedingt absagen. Und so sprangen drei Musiker aus der Nachbarschaft kurzfristig ein – mit Trommeln, E-Gitarre und Elektrogeige. Erstmals seit Jahren konnte abends dann im Dorfgemeinschaftshaus ausgelassen getanzt werden. Der ein oder andere Kater wurde am Sonntagmorgen vertrieben. Es gab Eisbein satt.
Im Storkower Ortsteil Philadelphia war am Sonnabend gefühlt das halbe Dorf unterwegs, um zu zampern.
Im Storkower Ortsteil Philadelphia war am Sonnabend gefühlt das halbe Dorf unterwegs, um zu zampern.
© Foto: Marcel Gäding