Ausschreibung: Wandlitzer Bürgermeister zieht nach Kritik die Reißleine

Wandlitzer Filetgrundstück: Im Konzept schlägt die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal ein Wohnhaus mit 20 Wohnungen sowie eine Lagerhalle und ein Gewächshaus vor. Da die Breitscheidstraße 10 sich direkt neben dem Barnim-Panorama befindet, befürchten etliche Kommunalpolitiker, das preisgekrönte Museum könne durch die Dimension der nebenan geplanten Bebauung Schaden nehmen.
Hans StillNachdem SPD, Linke, UWG, Grüne und BVB/Freie Wähler in einer internen Krisensitzung im Rathaus Widerstand gegen die von Borchert vorgeschlagene Verfahrensweise ankündigten, kommt die Vorlage der Verwaltung weder am Mittwochabend im Hauptausschuss noch in der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung zur Sprache.
Ursprünglich hatte die Verwaltung den Gemeindevertretern vorgeschlagen, das 1400 Quadratmeter große Grundstück sowie weitere Flächen in Richtung Wandlitzsee der Hoffnungstaler Stiftung Lobetal auf Basis eines Erbbaurechtsvertrages mit 60–jähriger Laufzeit zu übertragen. Lobetal wollte auf dem neben dem Barnim–Panorama gelegenen Grundstück ein integratives Projekt mit dem Namen „Inklusives Wohnen und Arbeiten in Wandlitz“ umsetzen. Im Kern bewirbt sich Lobetal mit einem Wohnhaus mit 20 Wohnungen, in denen bis zu 40 Menschen mit und ohne Unterstützungsbedarf und Behinderungen leben können. Weiter stellt Lobetal in seinem Konzept einen Arbeitsbereich der Hoffnungsthaler Werkstätten vor, zu dem unter anderem eine Halle und ein Gewächshaus gehören. So könnten Arbeiten der Grün–und Landschaftspflege für das geplante Hospiz in Wandlitz, den zukünftigen Bürgergarten oder das benachbarte Barnim–Panorama erbracht werden,
Die Proteste entzünden sich allerdings gleich an mehreren Punkten. So lieferte Lobetal bei der Bewerbung um das Grundstück neben dem Konzept den Vorschlag einer möglichen Bebauung. Das Wohnhaus besitzt zwei Stockwerke sowie ein ausgebautes Dachgeschoss. Die vorgeschlagene Lagerhalle wäre demnach 60 Meter lang, vier Meter hoch und 18 Meter breit. Eine Dimension, die nach Meinung von SPD und Linken keineswegs neben das mit einem Architekturpreis ausgezeichneten Barnim–Panorama gehört und geeignet wäre, dem einer landwirtschaftlichen Hofstelle nachempfundenen Museum einen Teil seiner architektonischen Wirkung zu nehmen, zumal die zur Nutzung ausgeschriebene Fläche nur im vorderen Teil zum Innenbereich der Gemeinde zählt und nach Paragraf 34 (Baugesetzbuch) bebaut werden dürfte. Die in Richtung See gelegenen Flächen gehören zum Außenbereich und ins Landschaftsschutzgebiet. Daran knüpft auch Linken–Chefin Gabriele Bohnebuck an.
Sie fragt beispielsweise, warum per Ausschreibung 1400 Quadratmeter Land angeboten wurden, nun aber urplötzlich von 4900 Quadratmetern die Rede für Lobetal sei. Zumal ein Teil dieser Flächen bislang vom Barnim–Panorama als Festwiese genutzt werde. Wie Borchert am Montagmorgen gegenüber der MOZ erklärte, habe er sich bewusst dagegen entschieden, das Projekt in der Gemeindevertretung durchboxen zu wollen. „Man muss die Gegebenheiten zur Kenntnis nehmen, es wäre jetzt falsch, sich auf die Hinterbeine zu stellen. Meine Sorge ist, mit der Kritik an den baulichen Vorstellungen könnte der Vorhabenträger Schaden nehmen“, so der Bürgermeister. Ihm liege die Zusicherung der Hoffnungstaler Stiftung vor, sich einem B–Plan–Verfahren zu unterziehen. Dessen Ergebnis sei völlig ergebnisoffen.
