Bahnverkehr: Fahrgastverbände mobilisiert

Enger Verkehrsknoten: Am Bahnhof Zepernick treffen Busse, Radfahrer, Fußgänger und motorisierter Verkehr auf wenig Raum zusammen. Ab März beginnen Bauarbeiten, die Umgestaltung führt zu Diskussionen.
Sergej ScheibeWie soll der Verkehrsknoten am S-Bahnhof Zepernick aussehen, wenn die neue Brücke ab März über die Schönower Straße errichtet wird? Die Meinungen darüber sind sehr unterschiedlich.
Der Unabhängige-Grüne-Gemeindevertreter Jochen Bona, der auch Vorstandsmitglied im Berlin-Brandenburgischen Bahnkundenverband ist, fordert Verbesserungen für Fußgänger und Radfahrer. Noch im Hauptausschuss am Donnerstag kündigte Bona daraufhin weitreichende Änderungsanträge für die Gemeindevertretersitzung am Montagabend an. Entschieden wurde nach Redaktionsschluss.
Es könne keine Verschlechterung des aktuellen Zustands geben, so Bona. Vier Varianten, die klare Verbesserungen herbeiführen könnten, lägen seitens der Fahrgastverbände zur Diskussion vor. Längere Wege zu den Bushaltestellen, die teils Richtung Schönow rücken würden, kritisierte der Gemeindevertreter. Radwege würden hinter dem Bahnhof auf Fahrbahnen geführt. „Es besteht aus unserer Sicht großer Redebedarf“, so Bona.
Auch sei dringend eine neue Verkehrszählung erforderlich. So sei unklar, wie viele Umsteiger es gebe, auch der Schülerverkehr spiele eine große Rolle. In den Busbuchten werde oft von Privatfahrzeugen geparkt, um Fahrgäste abzusetzen. Bona schlug vor, sich am S-Bahnhof Nordbahnhof in Berlin umzuschauen, wo eine intelligente Lösung für alle Verkehrsteilnehmer gefunden werden konnte. „Für Fahrgäste sehe ich momentan eine klare Verschlechterung“, so der Gemeindevertreter. Der schlug daher vor, der Vorlage der Verwaltung nicht zuzustimmen.
Das sah Burkhard Thomaschewski (SPD) anders. Es handele sich um eine Vorplanung aus der Gemeindeverwaltung. Weitere differenzierte Betrachtungen sollen noch folgen. Auch Uwe Voß (SPD) bat, die Änderungsvorschläge schriftlich zu fixieren und zur Diskussion zu stellen. Die Interessen der Fahrgäste mit denen der Gemeinde abzustimmen, sei sinnvoll. Denn der Umsteigepunkt wird von sehr vielen Nutzern im Öffentlichen Personennahverkehr genutzt. Ob zur Schule oder Arbeitsstelle nach Berlin, in die Orte entlang der S-Bahn-Strecke der Linie 2, mit Umsteigen auf Busse nach Schönow oder Schwanebeck – am Zepernicker Bahnhof dreht sich einiges.
Die Attraktivität dürfte nach 2030, wenn im Landesnahverkehrsplan auf eine Taktverdichtung der S2 abgehoben wird, noch verstärken. Der Zehn-Minuten-Takt der S-Bahn ist eine bekannte Forderung vieler Gemeinden von Panketal über Bernau, Kunden und Fahrgastverbände. Nur so, hatte Bona für den Berlin-Brandenburgischen Bahnkundenverband begründet, werde auch der Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern sein. „Problematisch sind die unterschiedlichen Zeiträume und regionalen Abgrenzungen der Nahverkehrspläne in Berlin und Brandenburg. Die Differenzen könnten durch ein „Gemeisames Ländernahverkehrskonzept Berlin Brandenburg für den ABC-Bereich Plus überbrückt werden“, so die Stellungnahme ans Land.
Panketal wird an den Kosten zur Umgestaltung des Knotenpunktes mit mehr als 420 000 Euro beteiligt. Dafür ist eine Vereinbarung mit der Bahn AG nötig. Fachbereichsleiter Stefan Kadatz hatte für den Fall der Nichteinigung gewarnt, die Wünsche könnten sonst wie Seifenblasen platzen.
Wohl auch deshalb kam der Hauptausschuss – ähnlich wie zuvor der Ortsentwicklungsausschuss – zu dem Schluss, der Verwaltungsvorlage zunächst mit einigen Nachbesserungen zuzustimmen. Bona war klar dagegen, zwei weitere Mitglieder des Gremiums enthielten sich der Stimme.
Voraussichtlich am 4. März sollen die Bauarbeiten beginnen. Dann kommt es auch zu Sperrungen für die Nutzer und Ausfällen bei den S-Bahnen. Die nächsten Sperrpausen für den Abschnitt Zepernick-Bernau sind für 7. Februar, 22 Uhr, bis 11. Februar, 4 Uhr, sowie 16. Februar, 8 bis 16 Uhr, vorgesehen. Dann geht es nur mit Ersatzbussen oder Regionalbahnen in Richtung Bernau.
Kommentar: Kluger Ansatz
Die Werneuchener Vereinslandschaft ist um ein Gewächs reicher. Der Verein Kinder-, Jugend- und Seniorensport (KJS) bietet Gelegenheit, zu Sport, Spiel und Spannung zusammenzukommen.
Um als auf Leichtathletik spezialisierter Verein zu florieren, spricht der KJS nicht nur Sportler aus Werneuchen, sondern ausdrücklich auch aus den Nachbarorten an, setzt auf Kooperationen und Angebote für Eltern während des Kindertrainings.
Im Barnim entstehen derzeit mehr Vereine als abgemeldet werden, womit der Landkreis dem Brandenburger Trend widerspricht. Der neue KJS trägt dazu bei. ⇥Kerstin Ewald