Barnimer Gesichter: Musik und Reiten aus einer Hand
Rudolf Devrient ist in Rüdnitz eine Institution. Und nicht nur in Rüdnitz. Der 80–Jährige Landwirt ist vor allem durch sein Engagement im Reitsport und in der Musik über die Grenzen seines Heimatortes hinaus bekannt und beliebt.
Der Name legt es nahe: Rudi Devrient, wie er kurz genannt wird, wurde zwar 1939 in Rüdnitz geboren, seine Familie stammt aber von den Hugenotten ab, den französischen Protestanten, die von der katholischen Kirche und dem König unterdrückt und vertrieben wurden. Seine Vorfahren lassen sich bis 1685 in Frankreich zurückverfolgen, wie er während seiner 80–jährigen Geburtstagsfeier in dieser Woche berichtet. Dies war die Zeit, als viele Hugenotten aus Frankreich auch nach Deutschland flohen.
Rudi Devrient wuchs in Rüdnitz auf und wurde wie seine Vorfahren Landwirt. Doch die ersten Lebensjahre waren nicht leicht. „Ich habe als Sechsjähriger die Flucht aus Rüdnitz miterlebt“ berichtet er und erinnert sich daran, wie die Bauern Traktoren und Pferdefuhrwerke auf der Straße aufgestellt hatten, um vor den sowjetischen Soldaten aus dem Ort zu fliehen. „Rüdnitz war Kampfgebiet“, sagt er mahnend und berichtet von Einschüssen. Auch der Hof seiner Eltern sei zweimal schwer getroffen worden. Manche Rüdnitzer hätten sich in die Wälder zurückgezogen und versteckt. Wie der damals sechsjährige Junge diese Zeit erlebt hat, berichtet er in den „Rüdnitzer Historischen Heften“ (Heft 1, 2009), die der Ortschronist Rainer Staude herausgibt. Dieses Heft wird gerade um neue Beiträge von Zeitzeugen erweitert und soll im April vorgestellt werden.
Rudi Devrient ist zwar sechs Jahre älter als der Ortschronist, die beiden haben sich jedoch noch in der Rüdnitzer Schule kennen gelerrnt. Wenn beide zusammen sind, schwärmen sie von ihrem Rüdnitzer Lehrer Hans Schiebel., nach dem heute ein Platz im Ort benannt ist. „Rudi konnte sehr gut zeichnen“, sagt Rainer Staude. Das blieb nicht seine einzige künstlerische Begabung. Eine seiner großen Leidenschaften gilt der Musik und möglicherweise liegt auch das an Lehrer Schiebel, der die Schüler viel singen ließ und selbst Geige spielte. Rudi Devrient begeistert sich für das Saxophon und die Trompete: „Ich habe mir das Spielen selbst beigebracht“, berichtet er. Und das mit viel Erfolg. Als in Rüdnitz eine Kapelle aufgebaut wurde, war er mit dabei. Besetzt war sie mit Schlagzeug, Bass, Gitarre und natürlich Trompete und Saxophon. Regelmäßige Auftritte standen nicht nur am Herrentag nach den Wanderungen zum Hellsee an. Die Kapelle spielte auf vielen Dorffesten. Rudolf Devrient und seine 2016 verstorbene Frau Rosemarie veranstalteten außerdem zahlreiche Musikantentreffen auf ihrem Hof. Das erste fand 1964 statt.
Der Reitsport faszinierte den Diplom–Landwirt Rudolf Devrient ebenso. Er war in der LPG Ladeburg tätig, die später vom Volksgut übernommen wurde. Er selbst startete beim Erntedank–Rennen in Hoppegarten, holte viele Pokale zum Beispiel beim Geländeritt oder Bauernrennen in Rüdnitz oder beim Reitturnier in Zepernick. Als Vorsitzender der Grundeinheit Rüdnitz der Gesellschaft für Sport und Technik lag ihm die Nachwuchsarbeit besonders am Herzen. 1954 begann in Rüdnitz die Ausbildung. 1958 zählte die Grundorganisation 18 Mitglieder und versorgte fünf Pferde. „Die gesamte Fütterung und die Pflege wurden in eigener Regie durchgeführt“, sagt er. Das bedeutete viel Einsatz, denn von 18 Mitgliedern um Jahr 1958 wohnten nur vier im Ort. Beim Bezirksturnier in Gusow gelang schließlich der größte Sieg: Rüdnitz stellte die beste Sparte im Bezirk.

