Herr Hundt, Sie sind jetzt ein halbes Jahr bei der BG Göttingen. Macht es noch Spaß oder haben Sie Sehnsucht nach Bernau?
(lacht) Bernau war eine super Zeit, aber ich fühle mich sehr wohl in Göttingen. Es ist ein sehr professionell geführter Club. Es gibt ein gutes Trainingszentrum, in dem es auch Eisbad, Kraftraum und Sauna gibt. Auch die Geschäftsstelle ist direkt in den Komplex integriert. Alles auf einem Fleck. Das ist super. Dadurch läuft auch die Kommunikation sehr entspannt. Und das Coole ist: Ich habe einen eigenen Hallenschlüssel: Ich kann jederzeit rein.
Schieben Sie gern Sonderschichten?
Sehr gern. Wir haben zwei von diesen automatischen Wurfmaschinen. Die fangen die Bälle ein und passen dir auch den Ball zu. Da kannst du in 30 Minuten 300 Würfe nehmen, das ist ein super Training.
Wie viele von den 300 Würfen treffen Sie dann?
Ich versuche immer mehr als 200 zu schaffen. Und das klappt auch.
Honoriert Trainer Johan Roijakkers diese Extra-Schichten?
Ja, so etwas sieht der Trainer gern.
Göttingen ist Ihre erste echte Sta­tion als Profi in der Basketball-Bundesliga (BBL), nachdem Sie das Nachwuchsprogramm von Alba Berlin mit dem Engagement bei Lok erfolgreich durchlaufen haben. Welche Rolle spielen Sie im Team der BG?
Es ist eine viel größere Rolle als zuvor bei Alba. Dort hatte ich in der BBL nur dann gespielt, wenn zum Beispiel Peyton Siva oder Stefan Peno (die etatmäßigen Spielmacher, Anm. d. Red) nicht dabei waren. Sonst eher nicht. Bei Lok war es dagegen viel Spielzeit. Jetzt habe ich aber keine Doppellizenz mehr, sondern spiele nur BBL. Und ich habe eine feste Rolle im Team. Das freut mich.
Im Schnitt spielen Sie bislang 20 Minuten pro Partie, kommen dabei auf 8,4 Punkte und 3,5 Assists. Ist diese Saison so eine Art Durchbruch in der BBL für Sie?
Ein bisschen schon. Es ist in jedem Fall ein Schritt nach vorn. Ich bin konstant dabei und bekomme regelmäßig Spielzeit. Und ich habe mir die Leistungen auch zugetraut. Ich bin ja auch keine 17 mehr, wo man noch Luft schnuppert. Ich bin jetzt 21 und will auch Akzente setzen.
Läuft es für Göttingen als Team auch so gut wie für Sie persönlich?
Inzwischen schon. Der Saisonstart war schlecht. Sechs Niederlagen haben wir da kassiert. Aber wir haben an uns geglaubt, hart gearbeitet und konnten den schlechten Start so wettmachen. Von den letzten sechs Spielen haben wir fünf gewonnen, der Rhythmus passt. Es ist eine super Truppe, alle ziehen an einem Strang. Und in der Tabelle sind wir jetzt auf Platz 10, also im gesicherten Mittelfeld.
Welches Saisonziel habt Ihr euch gesetzt?
Das erste Ziel ist für uns der Klassenerhalt. Umso besser ist es, dass wir mit dem Abstiegskampf aktuell nichts zu tun haben.
Geht vielleicht sogar etwas in Richtung Play-offs, dazu müsste Göttingen mindestens Achter werden?
Wenn wir bis zum Schluss an den Play-offs kratzen können, wäre das ein Traum. Aber das liegt noch in weiter Ferne.
Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu Lok?
Ich schreibe mir regelmäßig SMS mit René (Trainer René Schilling) und verfolge auch, was Bernau macht.
Wie blicken Sie auf die Zeit bei Lok zurück?
Ich habe nur positive Erinnerungen. In meinen Augen bringt die Kooperation von Alba und Lok junge Spieler wie mich extrem weiter. Das liegt auch an der Spielzeit, die wir bei René und Lok bekommen haben. So kannst du extrem viel lernen. Auch die Fans waren toll. Deshalb gucke ich immer gern zurück, es waren drei tolle Jahre.
Ist Göttingen jetzt ein Langzeitprojekt oder eher ein weiteres Sprungbrett? Wie sehen ihre Karrierepläne aus?
In Göttingen haben sich schon viele Spieler entwickelt und den Sprung zu größeren Clubs geschafft. Aber im Moment mache ich mir darüber keine Gedanken. Die volle Konzentration gilt dieser Saison. Dann sehen wir weiter.
Aber als gebürtiger Berliner hätten Sie doch sicher nichts dagegen, wenn Sie eines Tages wieder einen Anruf von Alba bekommst?
Wenn es so kommt, würde ich mich freuen. Es wäre schon cool, mal wieder für seinen Heimatverein zu spielen. Aber ich lasse mich überraschen, was die Zukunft bringt.