Basketball: Für Lok-Korbjäger ist Saison beendet

Hat mehr Zeit für die Familie: René Schilling, Head-Coach der Bernauer Basketballer
Ricardo SteinickeNachdem Mitte letzter Woche entschieden wurde, den Spielbetrieb für den 30. Spieltag der ProA sowie die Play-offs und Play-downs in der ProB auszusetzen, hatte die 2. Basketball Bundesliga GmbH nach Beratung mit den 41 Bundesligisten den Entschluss zum Saisonende getroffen.
„Die Gesundheit ist unser höchstes Gut und wir müssen dazu beitragen, die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus so gut es geht zu verlangsamen. Wir wollen keine Fans, Spieler und Mitarbeiter in Gefahr bringen. Zudem erlauben die Gegebenheiten bei den Vereinen vor Ort keinen fairen Wettkampf mehr. Deswegen sehen wir keine andere Möglichkeit, als den Spielbetrieb vorzeitig zu beenden. Wir sehen in absehbarer Zeit keine Möglichkeit, den Spielbetrieb unter Berücksichtigung der Gesundheit, Wirtschaftlichkeit und gleichen Wettkampfbedingungen wieder aufzunehmen. Diese Entscheidung ist nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich eine sehr schwierige Situation für alle Beteiligten“ so Geschäftsführer der 2. Basketball Bundesliga, Christian Krings.
Hauptrunde ist zum Glück durch
Besonders traurig sei er über das vorzeitige Ende der Saison nicht, gibt Lok-Coach René Schilling zu. „Es hätte uns viel schlimmer treffen können. Wenn wir uns zum Beispiel den Aufstieg als Ziel gesetzt hätten, Zweiter oder Dritter der Tabelle wären, so wie Schwelm oder Münster und den Aufstieg noch hätten schaffen können, das wäre natürlich bitter. Aber für uns passiert ja weiter nichts. Die Hauptrunde ist durch.“ Und in den Play-downs wäre Lok sogar eher Gefahr gelaufen, abzusteigen, was jetzt nicht mehr passieren kann. „Uns brechen jetzt dadurch drei Heimspiele weg, was natürlich schon ein großer finanzieller Verlust ist, aber ich hoffe mal, dass das den Verein jetzt nicht kaputt macht.“
Neue Strategie gefragt
Wie es jetzt genau weiter gehe, wisse er noch nicht, sagt Schilling. „Die Meldung ist ja gerade erst gekommen. Wir werden uns jetzt zusammen setzen und eine Strategie entwickeln, wie wir vorgehen.“ Mit der Saisonplanung werde man in diesem Jahr sicher früher beginnen. „Aber da sind wir ja abhängig von den Planungen bei unserem Kooperationspartner Alba Berlin. Die 1. Basketball Bundesliga ist ja zunächst nur ausgesetzt, danach wird neu entschieden.“
Alba-Kooperation geht weiter
Die Kooperation mit Alba wird Lok auch im kommenden Jahr weiterführen, erklärt Lok-Vereinsvorsitzender Sebastian Weege. "Die Kooperation funktioniert ja auch für alle Seiten gut, wie man an den Talenten sieht, die über uns den Weg in die 1. Bundesliga gefunden haben wie in diesem Jahr Kresimir Nikic und Lorenz Brenneke“, findet auch Schilling, der mit der Saison, die Lok nun als Neunter beendet hat, im Grunde zufrieden ist. „Wir haben von 22 Spielen elf gewonnen, also 50 Prozent. Wenn man betrachtet, dass wir mitten in der Saison mit Alexander Blessig einen ganz wichtigen Spieler verloren haben, der aus beruflichen Gründen überraschend aufhören musste und dass Alba in der Saison mit großen Personalsorgen zu kämpfen hatte und wir daher sehr oft auf Doppellizenz-Spieler verzichten mussten, ist das ganz ordentlich.“
Am positivsten überrascht habe ihn in dieser Saison Malte Delow. Der 18-jährige Pointguard habe einen sehr großen Schritt nach vorne gemacht, lobt Schilling. „Er hat sich sehr gesteigert und dabei eine absolut konstante Leistung abgeliefert, was immens wichtig ist, viel wichtiger, als immer viele Punkte zu machen. Er konnte uns in jedem Spiel weiter helfen“, so die Einschätzung des Trainers.
Auch mit dem US-Amerikaner Dan Oppland ist Schilling zufrieden. „Er hat das gebracht, was wir von ihm erwartet haben. Er kommuniziert gut, ist gut für die Jungs und bringt die nötige Konstanz und Ruhe ins Spiel.“ Man werde, sagt Schilling, sich auf jeden Fall mit ihm an einen Tisch setzen wegen einer Verpflichtung für die kommende Saison. „Wenn etwas gut funktioniert hat, warum sollte man es ändern? Aber wir müssen ihn fragen, ob er sich das körperlich weiter zutraut.“ Mit 36 Jahren ist Oppland, der als Lehrer in Berlin arbeitet, der Oldie im Bernauer Team.
Neue Saison mit 14 Teams?
Wie es in der kommenden Saison mit der Liga weitergehe, sei noch nicht abzusehen, sagt Schilling. „Man wird sehen, ob Itzehoe überhaupt aufsteigen will. Vielleicht vergrößern sie am Ende die Staffel auf 13 oder 14 Teams, mal sehen.“ So brisant die Lage durch Corona aber sei, auf eins freut sich der Coach: "Ich hab endlich mal mehr Zeit für meine Familie.“
Wer aufsteigen darf
Aufstiegsregelung: die derzeitigen Tabellenstände der ProA und ProB werden nach der Vereinbarung am Dienstag zu Abschlusstabellen erklärt. Das sportliche Aufstiegsrecht in die ProA steht damit den Erstplatzierten der ProB Nord (Itzehoe Eagles) und ProB Süd (scanplus baskets Elchingen) zu. Das festgelegte Nachrückverfahren für einen Aufstieg zwischen der ProA und ProB bleibt bestehen.
Abstiegregelung: Aufgrund der vorzeitigen Beendigung der Saison wurde zudem beschlossen, dass kein Bundesligist aus der ProA in die ProB und kein Bundesligist aus der ProB in die Regionalliga absteigen wird.
Ligastärken: Die genauen Ligenstärken und Ligenzusammensetzungen für die ProA und ProB in der 2. Basketball Bundesliga können erst nach dem Lizenzierungsverfahren festgelegt werden.
