Bildung und bunte Bilder: Illustrator erfreut Kinder in Schönow
Er sieht lustig aus, dieser Elefant, den Wolfgang Utz da mit einem Projektor an die Wand wirft. Aus dem Rüssel des Dickhäuters strömen kleine bunte Bälle, so als wolle das Tier jonglieren. Die Erstklässler aus der Grundschule in Schönow haben sicht– und hörbar Freude an der Zeichnung — und auch an dem Vers, den Wolfgang Utzt dazu verfasst hat. „Der Elefant, das ist bekannt, hat graue Haut und schmeißt mit Sand. Dazu benutzt er seinen Rüssel und manchmal niest er auch ein bisserl“, zitiert der Autor und Illustrator. Er erntet glucksendes Lachen bei den sechs– und siebenjährigen Kindern.
„Das Gürteltier kam nachts um vier …“, heißt das Bilderbuch für Kinder und Erwachsene, das Wolfgang Utzt am Dienstag in der Schönower Grundschule vorstellt. Den selben Titel trägt auch die Ausstellung, die anschließend eröffnet wird. Sie zeigt seine Zeichnungen, die zwei Jahre zuvor erstmals in einer Ausstellung der Stiftung Schloss Neuhardenberg (Märkisch–Oderland) zu sehen waren: Frösche, die Trompete spielen, und Wölfe, die Schäfchen zählen, Krokodile auf Stelzen und Bären beim Ball.
Ein Geschenk für die Enkelin
Noch nie habe er eine solch große und schöne Einladung zu einer Lesung erhalten, freut sich Wolfgang Utzt in Schönow. Die Grundschüler haben ihm Bilder gemalt, die an einer großen Tafel gezeigt werden. Er kommt mit den Mädchen und Jungen schnell ins Gespräch — über den Fuchs beispielsweise, der ein fettes Huhn im Kinderwagen vor sich herschiebt. „Reinicke Fuchs, der Meisterdieb, sagt zum Huhn: „Ich hab’ dich lieb“, hebt der Autor an. Und als die Kinder jubeln, weil sie ja wissen, dass der Fuchs das Huhn verspeisen will, erklärt er: „Ihr seht, der Fuchs trägt eine Hahnenmaske vor sich, damit das Huhn denkt, da ist ja noch ein Hahn dabei.“
Das fantasiereiche Kinderbuch ist entstanden, weil seine Frau ihn animierte, es für die gemeinsame kleine Enkeltochter zu zeichnen, erzählt Wolfgang Utzt. Dabei kommt der heute 78–Jährige aus einer ganz anderen Branche. Er war einer der großen Maskenbildner im deutschsprachigen Theater. Als Chefmaskenbildner am Deutschen Theater Berlin arbeitete er mit Regisseuren wie Heiner Müller, Thomas Langhoff, Frank Castorf, Hans Neuenfels, Robert Wilson, Friedo Solter und Alexander Lang zusammen.
Es geht um Gefühle
Doch auch in seinem heiteren Bilderbuch geht es letzten Endes um Masken und um große Gefühle wie Eitelkeit und Größenwahn, Ehrgeiz und Wut, Glück und Zuversicht, die man lieber zeigen soll, als sie hinter einer Maske zu verstecken.
Das ist die Botschaft, die auch bei den Sechs– und Siebenjährigen in Schönow sehr wohl ankommt. Und Schulleiter Jörg Stutzke ist stolz, dass seine Schule, deutschlandweit wohl bislang als einzige, die Ausstellung mit den Zeichnungen von Wolfgang Utzt zeigen darf.


