Mit dem 54-jährigen Niels-Olaf Lüders startet die Linke im Waldkreis 59 (Märkisch-Oderland, Bernau, Panketal, Ahrensfelde und Werneuchen) als Direktkandidat in den Bundestagswahlkampf im kommenden Jahr. Der Rechtsanwalt aus Strausberg wurde am Sonnabend in einer Versammlung der Mitglieder in der Erich-Wünsch-Halle in Bernau gewählt. Er erhielt 50,46 Prozent der abgegebenen Stimmen. Für die Direktkandidatur hatten sich außerdem Hildegard Bossmann (65) sowie Reimar Pflanz (49) beworben. Die Bernauerin erhielt 33,03 Prozent der Stimmen, der Waldsieversdorfer 16,51 Prozent. An der Wahl beteiligten sich 112 Mitglieder der Linken mit 109 gültigen Stimmen aus dem Wahlkreis.

Kandidaten aus Bernau und Strausberg stellen sich der sozialen Frage

„Der Wahlkreis ist zu reißen“, sagte Niels-Olaf Lüders kurz nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses und fügte unter dem Beifall der versammelten Linken hinzu: „Wir müssen alle zusammenhalten, lasst es uns machen.“ Nach Gesprächen mit seinen Mitbewerbern schon im Vorfeld der Abstimmung wird daran nicht gezweifelt. Wenn sich auch die drei Bewerber um das Direktmandat mit unterschiedlichen Positionen vorstellten, einig waren sie sich darin, dass die Linke in Brandenburg bei den Wählern wieder als die politische Kraft wahrgenommen wird, die für die Lösung der sozialen Fragen der Zeit steht.
Niels-Olaf Lüders war der erste der drei Bewerber, der seinen Hut in den Ring warf. Als Vorsitzender der Linken in der Stadt Strausberg und als Kreisvorsitzender von Märkisch- Oderland hatte er selbst nach Kandidaten für das Direktmandat Ausschau gehalten, als er plötzlich selbst auf eine Kandidatur angesprochen wurde. Er will im Bundestag ein „linker Kämpfer sein“, damit „die Folgen der Wirtschaftskrise nicht auf die Armen der Gesellschaft abgewälzt werden“. Es müssten, so sein Credo, Gesetze gemacht werden, die einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Eigentum herbeiführen. Konkrete Beispiele sind für ihn der Berliner Mietendeckel („auch wenn die Idee nicht von uns ist“), die Beteiligung zum Beispiel von Tesla an der Entwicklung der Infrastruktur und die Verhinderung des Verkaufs von Ackerflächen an „Landwirtschaftshaie“.

Ein anderes Wirtschaften im Visier

Da sich die Kandidaten in alphabetischer Reihenfolge vorstellten, eröffnete Hildegard Bossmann die Runde. „Mit der Gesundheit und der Daseinsvorsorge darf kein Profit gemacht werden“, sagte sie und stellte damit ebenfalls die „immer weiter auseinanderklaffende soziale Schere“ in den Mittelpunkt ihrer Rede. „Jeder und jede müssen in die sozialen Sicherungssysteme einzahlen. Die großen Einkommen werden dabei zu wenig belastet“, hielt sie fest.
Dass ein „Umbau des Wirtschaftssystem“ erforderlich sei, dafür tritt auch Reimar Pflanz ein. Die Aufgaben für die Linke gingen jedoch weit darüber hinaus. Die Linke müsse sagen, „wie sie etwas ändern will“. Und „Warum kommen wir nicht vorwärts?“, fragte Reimar Pflanz und hat dabei die Menschen im Blick, „die wir vertreten, die aber die AfD wählen“. Die Sorgen der Menschen in dem ausgesprochen differenzierten Wahlkreis 59 müssten ernst genommen werden. Die Bandbreite der Region reiche von einem kleiner werdenden Oderbruch bis hin zu einer aufstrebenden Stadt wie Bernau.

Gretchenfrage nach einer eventuellen Regierungsbeteiligung

Die Änderungmöglichkeiten der Linken spielte dann auch in der anschließenden Fragerunde der Mitglieder eine wichtige Rolle. So wurde die Gretchenfrage gestellt: Ob die Kandidaten für oder gegen eine Regierungbeteiligung in einer Koalition seien. Wenn sich in den entsprechenden Verhandlungen eine Option ergibt, mit der linke Ziele umgesetzt werden, so sei sie dafür, führte Hildegard Bossmann aus. Von einer Regierungsbeteiligung, so Niels-Olaf Lüders, sei die Linke „weit entfernt“, die Diskussion sei daher zurzeit nicht zielführend und steure sogar in die falsche Richtung, dass sich die Partei nur mit sich selbst beschäftige. Ein „klares Nein“ kommt in dieser Frage von Reimar Pflanz. Wer sich die Grünen oder die SPD als Koalitionspartner ansehe, werde realistischerweise zu dem Schluss kommen, dass mit ihnen eine Regierungsbeteiligung nicht funktioniere. Beide würden nur Anpassungen der Linken an ihre eigenen Positionen erwarten.
Zu Gast war auch die Co-Landesvorsitzende der Linken, Katharina Slanina. Sie nannte als Ziel in Brandenburg, die Linke als Oppositionsführerin zu etablieren.