Charité in Berlin
: Neue OP-Technik – wie ein Patient den Prostatakrebs besiegte

Viele Prostata-Patienten reisen extra nach Berlin, um sich in der Charité operieren zu lassen. Eine neue Krebs-Behandlung schützt dank innovativer Technik die Potenz.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Ein Mitarbeiter betrachtet in einem Kontrollraum des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) auf einem Monitor das Querschnittsbild einer Prostata. Nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Krebs weiterhin in Deutschland die zweithäufigste Todesursache.

Ein Mann betrachtet auf einem Monitor das Querschnittsbild einer Prostata. Nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist Krebs weiterhin in Deutschland die zweithäufigste Todesursache.

dpa/Uwe Anspach
  • Charité in Berlin bietet innovative OP-Technik zur Potenzerhaltung bei Prostatakrebs.
  • Vincent Echenique, mit 35 Jahren an Prostatakrebs erkrankt, wurde erfolgreich operiert.
  • Veranstaltung „Hallo DOC!“ am 11. Nov 2024 in Berlin informiert über neue Behandlungsmethoden.
  • Experten betonen die Wichtigkeit von Vorsorgeuntersuchungen.
  • Krankenkassen übernehmen zahlreiche Vorsorgekosten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Impotenz! Inkontinenz! Diese Worte gehen Vincent Echenique sofort durch den Kopf, als er – zu diesem Zeitpunkt gerade mal 35 Jahre alt – geronnenes Blut in seinem Urin entdeckt. Denn sein Vater und seine Großväter litten an Prostatakrebs. Doch die Ärzte, die er daraufhin konsultiert, sehen zunächst keinen Handlungsbedarf. Für Prostatakrebs sei er „zu jung“, heißt es.

Vincent folgt seiner Intuition und lässt insgesamt vier Meinungen einholen. Erst in der Charité beim Team von Professor Thorsten Schlomm fühlt sich der junge Mann aus Frankfurt am Main ernstgenommen. Gemeinsam mit dem Direktor der Klinik für Urologie des Berliner Universitätsklinikums vereinbart er, dass der Tumor zunächst beobachtet wird. „Er war ja noch sehr klein!“, sagt Vincent Echenique.

Charité in Berlin: Experten diskutieren Krebs-Behandlungen

Doch binnen sechs Monaten schießt sein PSA-Wert (Prostataspezifisches Antigen) in die Höhe, was übersetzt heißt: aggressiver Prostatakrebs. Der junge Journalist entscheidet sich für eine OP an der Charité. In einem siebenstündigen, robotergestützten Eingriff entfernen Professor Schlomm und sein Team im Juli 2019 die vom Krebs befallene Prostata.

Welche neue Technik dabei angewendet wurde, um das für die Potenz wichtige Nervengewebe zu schonen, und wie es dem Patienten heute geht, werden Vincent Echenique sowie sein Arzt am Montag, dem 11. November 2024, berichten. Auf der „Hallo DOC!“-Podiumsdiskussion zum Thema Prostatakrebs, die von Deutschlands größter digitaler Selbsthilfegruppe yeswecan!cer in Berlin-Mitte organisiert wird, werden neben Betroffenen auch Krebs-Spezialisten auf dem Podium sitzen. Die Experten, die größtenteils an der Berliner Charité arbeiten, erörtern die unterschiedlichen Behandlungsmethoden mit ihren Vor- und Nachteilen.

Prostatakrebs in Berlin: Veranstaltung für Betroffene

„Was sind besonders nebenwirkungsarme und schonende Therapien?“, „Worauf sollten Patienten bei der Therapie bestehen?“, sind Fragen, die auf der dreistündigen Veranstaltung in der Bar Amélie (siehe Kasten) geklärt werden können.

Bei dem „Hallo DOC!“-Infoabend geben die Ärzte einen Überblick zum aktuellen Forschungsstand und beantworten Fragen. „Meine Patienten haben häufig Angst, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren“, berichtet Krebs-Chirurg Schlomm. „Zusätzlich fürchten sie oft die Nebenwirkungen der Therapie und die Möglichkeit, dass die Behandlung nicht erfolgreich sein könnte.“

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Vincent Echenique im Krankenbett nach der siebenstündigen Prostata-Krebs-OP in der Charité in Berlin.

Vincent Echenique

Schlomm, der inzwischen auch dem Beirat der Selbsthilfeorganisation yeswecan!cer angehört, will diese Ängste ernst nehmen und offen darüber sprechen. „So können wir gemeinsam Wege finden, den Patienten zumindest einen Teil dieser Sorgen zu nehmen. Die meisten Gespräche führe ich auch zusammen mit der Partnerin oder dem Partner. Die haben ja auch Ängste.“

Ziel der Podiumsdiskussion in Berlin sei aber auch, das Bewusstsein für Vorsorgeuntersuchungen zu schärfen. „Die meisten Männer behandeln ja ihr Auto weit sorgsamer als ihren eigenen Körper“, sagt Schlomm.

Tag der Männergesundheit: Vorsorgen und Kosten sparen

Deshalb wurde der 3. November sogar zum bundesweiten „Tag der Männergesundheit“ auserkoren. Mit zahlreichen Aktionen sollen Männer zu einem achtsamen Umgang mit ihrer Gesundheit bewegt werden. „Weil sie seltener Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und medizinische Probleme ansprechen, werden Erkrankungen wie Prostatakrebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder psychische Belastungen oft erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt“, erklärt der Charité-Arzt.

Dabei übernehmen die Krankenkassen mehr Kosten für Vorsorgemaßnahmen, als gesetzlich vorgeschrieben ist. „Ein Kassencheck lohnt sich“, sagt Thomas Adolph, Geschäftsführer des unabhängigen Vergleichsportals www.gesetzlichekrankenkassen.de.

So gebe es zum Beispiel verschiedene Zusatzleistungen beim Check-up, bei dem häufig auftretende Krankheiten oder deren Risikofaktoren frühzeitig erkannt werden sollen. Gesetzlich Versicherte haben einmalig zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr Anrecht darauf, und ab 35 Jahren alle drei Jahre.

Männer ab 50 Jahren haben in Deutschland zudem einen gesetzlichen Anspruch auf zwei Darmspiegelungen (Koloskopien). Denn frühzeitig entdeckt, können Darmkrebs und seine Vorstufen gut behandelt werden. Ist die erste Koloskopie unauffällig, wird die zweite frühestens nach zehn Jahren von den Krankenkassen bezahlt.

Prostatakrebs-Vorsorge: Stuhltest statt Darmspiegelung

„Wer keine Darmspiegelung vornehmen lassen möchte, kann stattdessen alle zwei Jahre einen immunologischen Stuhltest nutzen. Im Alter von 50 bis 54 Jahren können Männer diesen Test jährlich machen“, erklärt Adolph. Bei der Hautkrebsvorsorge würden ab dem Alter von 35 Jahren die Kosten für das Früherkennungsprogramm im Zwei-Jahres-Turnus von den Krankenkassen übernommen.

Vorsorgen gegen Prostatakrebs können hierzulande Männer ab 45 Jahren mit einer jährlichen Tastuntersuchung. Die Kostenübernahme wird von allen Krankenkassen gleich geregelt. Denn Prostatakrebs ist in Deutschland bei Männern die häufigste Krebserkrankung. Pro Jahr werden laut Robert Koch-Institut bundesweit etwa 65.000 Neuerkrankungen diagnostiziert.

„Für den Erfolg einer Prostata-OP sind mehrere Faktoren entscheidend“, betont Charité-Arzt Schlomm. An erster Stelle stünden die präzise Tumorentfernung, idealerweise unterstützt durch moderne OP-Techniken und der NeuroSAFE-Technik, die eine hohe Genauigkeit und Gewebeschonung ermögliche. „Die Schonung der für Potenz und Blasenfunktion wichtigen Nerven ist ebenfalls zentral für die Lebensqualität nach der OP“, so Schlomm.

Prostatakrebs in Berlin: Jährlich über 1000 OPs an der Charité

Zudem sei die Erfahrung des Operationsteams ein wesentlicher Faktor. An der Berliner Universitätsklinik werden jährlich über 1000 Prostatakrebs-Patienten behandelt. Etwa die Hälfte der Betroffenen kommt laut Schlomm extra nach Berlin gereist, um sich an der Charité operieren zu lassen.

Doch auch die Nachsorge und Rehabilitation spielten eine wichtige Rolle, um die Genesung zu fördern und die Lebensqualität zu erhalten.

Prof. Dr. Thorsten Schlomm isr Direktor der Klinik für Urologie der Charité in Berlin. Der Protata-Krebs-Experte berichtet beim "HALLO DOC! Kkrebsforum" über neueste Behandlungsmethoden.

Prof. Dr. Thorsten Schlomm ist Direktor der Klinik für Urologie der Charité in Berlin. Der Prostata-Krebs-Experte berichtet beim „HALLO DOC! Krebsforum" über neueste Behandlungsmethoden.

Eva Hecht

Vincent Echenique machte auch die anschließende Reha in Berlin. „Ich habe mir für diese Zeit extra eine Wohnung zur Zwischenmiete genommen. Jeden Tag kam ein Physiotherapeut zu mir in die Wohnung und hat mir die Übungen gezeigt.“

Mittlerweile ist Echenique seit fünf Jahren krebsfrei und hat keine Beschwerden oder Nebenwirkungen. Sein Appell an alle Männer: „Jeder sollte zur Vorsorge gehen, vor allem bei genetischer Vorbelastung.“

Freier Eintritt beim Krebsforum

Das „Hallo DOC!“-Krebsforum zum Thema Prostata findet am 11. November 2024 von 17 bis 20 Uhr in der Bar Amélie an der Auguststraße 2 in Berlin-Mitte statt. Der Eintritt ist frei. Karten können unter der Telefon-Hotline: 0152 126 89 355 reserviert oder unter: https://eventbrite.com gebucht werden.

Nur Besucher vor Ort müssen sich im Vorfeld anmelden. Der Online-Stream ist frei zugänglich unter dem Link: yescon.org/HD

Fragen per E-Mail an: hallodoc@yeswecan-cer.org

Wer sich im Dickicht aus freiwilligen Mehr- und Zusatzleistungen der Krankenkassen zu Vorsorgeuntersuchungen zurechtfinden will, kann sich über www.gesetzlichekrankenkassen.de einen Überblick verschaffen.