Cheerleading: Ein amerikanischer Traum
Nicht nachvollziehbar
Eine Begründung, die man im Barnim nicht so ganz nachvollziehen kann. „Wenn man der Meinung ist, dass es sexistisch ist, Frauen in knappen Kostümen bei einer Sportveranstaltung tanzen zu lassen, hätte man ihnen ja auch einfach andere Kostüme geben können“, findet Anja Krüger, Mitglied der Abteilungsleitung Cheerdance bei den „Blue White Swans“ aus Schwanebeck und Trainerin.
Dass es kontrovers betrachtet wird, wenn Frauen viel Haut zeigen, ist für sie nachvollziehbar. „Aber die Tänzerinnen machen das ja aus freien Stücken. Und es gehört einfach zum Cheerleading dazu. Wenn die Kleidung nicht so figurbetont wäre, wäre es nicht so schön anzusehen. Unter einem Schlabber-T-Shirt kommen die Bewegungen gar nicht so zur Geltung.“ Außerdem habe sich schon etwas geändert. „Früher hatten die Kinder viel freizügigere Kostüme an. Inzwischen ist es viel mehr Stoff geworden.“ Das sei aber auch dem Umstand geschuldet, dass es immer mehr kräftigere Mädchen gebe, denen man den Sport ebenfalls ermöglichen wolle.
Zu freizügig soll es nicht sein
Auch Michaela Stephan, Trainerin und Teamkoordinatorin bei den "Passion of Dance“ aus Zepernick findet, dass knappe Kostüme zum Cheerleading gehören – und das Cheerleading zum Basketball. „In den USA wäre ein Basketballspiel ohne Cheerdancer nicht denkbar.“ Allzu freizügige Kleidung müsse es aber auch nicht sein. „Bei uns wird in den Teams abgesprochen, was die Mädchen tragen wollen. Ganz knappe Outfits wollen viele nicht mehr und danach richten wir uns.“
Was sie besonders ärgert: „Viele Leute sehen einfach nicht, was dahinter steckt. Das ist ja nicht einfach ein bisschen rumhüpfen. Unsere Gruppen trainieren zweimal pro Woche, treten bei vielen Wettbewerben und Meisterschaften auf. Es müssen für die Basketballspiele ständig neue Choreographien einstudiert werden, da gehört so viel dazu. Cheerleading ist ein harter Sport.“
An dem will man bei Lok auch in Zukunft festhalten. „Die Themen, die Alba angeführt hat, sind bei uns nicht relevant. Wir nutzen die Cheerleader gerne, um unsere Pausen zu überbrücken. Bei uns wechseln sich die Teams aus Schwanebeck, Zepernick und von Alba ab. Alle nehmen die Möglichkeit gerne an, vor großem Publikum zu tanzen. Dass Frauen unangemessen präsentiert werden, das trifft bei uns überhaupt nicht zu“, findet der Vereinsvorsitzende Sebastian Weege.
Proteste der Fangemeinde
Dass die Cheerleaderinnen auch einen großen Fankreis haben, weiß man bei Lok nur zu gut. Denn als man sich in der vorigen Saison von den Blue White Swans getrennt hatte, um künftig mit den Tänzerinnen des Kooperationspartners Alba Berlin zu arbeiten, gab es viele wütende Proteste der Zuschauer. Der Bernauer Verein ruderte daraufhin zurück, greift heute auf die drei oben genannten Teams zurück. Dass es für sie bei Lok weiter geht, darüber freut sich auch Michaela Stephan. Sie weiß: „Für viele Cheerleader ist Tanzen das Leben.“ Und Anja Krüger ergänzt: „Cheerleading ist einfach ein amerikanischer Traum.“
Das sind Loks Barnimer Cheerleader-Teams
Die "Blue White Swans" aus Schwanebeck haben rund 160 Mitglieder, von denen rund 40 Erwachsene sind, der Rest sind Kinder und Jugendliche. Insgesamt gibt es bei den Swans elf Teams, die von 16 Übungsleitern trainiert werden. Seit 2010 nehmen die Swans erfolgreich an Meisterschaften teil.
Die Gruppe "Passion of Dance" aus Zepernick gründete sich 2015. Inzwischen hat die Tanzformation rund 75 Mitglieder. Die drei Nachwuchsteams Impact, Interstellas und die Sisters sind ausgebuchte Showteams und werden von Mitgliedern des Seniorteams trainiert.


