Lange hat Balu auf diese Chance gewartet. Der kaukasische Schäferhund war einer der „Langzeitinsassen“ im Tierheim Ladeburg. Zweimal war der vierjährige Rüde abgegeben worden, weil er als Wachhund nicht geeignet war. Jetzt gibt es für Balu endlich ein Happy End – er hat „seinen“ Menschen gefunden.
Große Hunde sind im Tierschutz immer schwer zu vermitteln. Die Nachfrage nach kleinen, handlichen Hunden, die man auch gut in einer Wohnung halten kann, ist bedeutend größer. Balu hatte also von Beginn an nicht so gute Karten. Dazu kommt, dass kaukasische Schäferhunde Herdenschutzhunde sind und nicht den besten Ruf haben. Die Tiere, die über 50 Kilo auf die Waage bringen, gelten nicht gerade als Anfänger-Hunde.

Die erste Gassi-Runde verlief nicht sehr harmonisch

Balu sei für einen Kaukasen ein absolutes Lamm, schwärmten die Mitarbeiter im Tierheim Ladeburg bei Bernau von dem Hund, der über Jahre im Zwinger des Tierheims lebte. Doch egal, wie nett er guckte, Balu wurde einfach immer übersehen. Dann aber kam seine große Stunde.
Weil sie einen neuen Hund für ihre Oma suchten, kamen Renée Knop und ihre Großmutter ins Tierheim Ladeburg. Dort schauten sie gezielt nach einem älteren Hund. Und es fiel ihnen direkt der inzwischen vierjährige Balu ins Auge. Um ihn zu testen, gingen sie mit ihm spazieren. Die erste gemeinsame Gassi-Runde verlief jedoch nicht sehr harmonisch. „Balu war nicht wirklich leinenführig. Der ist mehr mit uns spazieren gegangen als wir mit ihm“, erinnert sich Renée Knop lachend. Daher kam er für ihre Oma nicht infrage.

Der sanfte Rüde ging Renée Knop nicht aus dem Kopf

Eigentlich war das Thema damit abgehakt. Doch irgendwie ging der große, sanfte Hund der 21-Jährigen nicht mehr aus dem Kopf. Und als sie Monate später gemeinsam mit ihrer Mutter über die Anschaffung eines Hundes nachdachte, kam ihr Balu wieder in den Sinn.
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Ein Hund vom Züchter kam für sie nicht infrage. „Wir haben so viele Hunde auf der Welt, die in Tierheimen leben. Ich finde, wir sollten uns erstmal um die kümmern. Die haben es doch auch verdient, ein schönes Leben zu haben“, findet die junge Frau. „Tierheimhunde sollte man nicht aufgeben, nur weil sie schon eine Geschichte haben oder nicht so schöne Dinge erlebt haben.“
Sie und ihre Mutter fuhren erneut nach Ladeburg. Und Balu war immer noch da. So ging es zum zweiten Spaziergang – und da war es schnell um die junge Frau geschehen. „Er ist da einfach so brav neben mir hergetrottet. Ich habe ihn gar nicht interessiert, aber er hat es mir trotzdem angetan und ich wollte diesem großen Bären einfach ein Zuhause geben.“

Hund Balu blieb im neuen Zuhause zunächst skeptisch

Ein paarmal gingen die beiden noch zusammen spazieren, damit sie sich besser kennenlernen konnten, dann kam der große Tag: Balu durfte endlich den Zwinger verlassen, der so lange sein Zuhause gewesen war.
So richtig freuen konnte sich der große Rüde zunächst nicht über sein neues Heim. „Am Anfang hat er gar nicht auf uns reagiert“, erinnert sich Reneé Knop. „Er ist nicht zu mir gekommen, hat sich erschrocken, wenn man sich ihm von hinten genähert hat. Auch war er im Garten noch sehr unsicher und skeptisch.“ Balu traute seinem Glück noch nicht – kein Wunder nach den Enttäuschungen, die er erlebt hatte. Wer zweimal wieder abgegeben wird, dem fällt es schwer, sich wieder Menschen anzuschließen.
Weil sie zuvor noch nie einen eigenen Hund hatte, hatte seine neue Besitzerin sich viele Bücher zum Thema Hundeerziehung gekauft. „Aber ich habe schnell gemerkt, dass ich damit nicht viel anfangen kann, weil das alles bei Balu nicht richtig funktionierte“, berichtet Renée Knop. Balu erwies sich als sehr stur. „Er kennt zwar die Kommandos wie Sitz, Platz und Komm, aber er sah offenbar keinen Sinn darin, sie für uns zu befolgen“, so die 21-Jährige. Inzwischen hat sie sich bei einem Hundetrainer angemeldet, der zu ihr nach Hause kommt und vor Ort mit beiden individuell arbeitet.

Am Gehorsam werden die beiden jetzt gemeinsam arbeiten

Viele Dinge muss Renée Knop mit Balu noch trainieren. So zum Beispiel, dass man beim Spazierengehen keine Katzen jagen darf. „Da muss ich schon aufpassen und die Katze möglichst vor ihm sehen“, grinst die 21-Jährige. Oder Autofahren. „Das mag er überhaupt nicht. Und einen 50 Kilo schweren Hund in ein Auto zu bekommen, der das nicht will, ist ziemlich schwierig“, sagt sie lachend.
Aber auch sie selbst lerne viel durch den Hund. „Am Anfang war ich schon manchmal sauer, wenn er nicht das gemacht hat, was ich wollte. Aber ich habe gemerkt: Das bringt gar nichts. Jetzt denke ich eher darüber nach, warum er bestimmte Dinge eben nicht macht und suche dann eine andere Lösung. Ich gebe ihm die Zeit, die er braucht, lerne dabei selber, geduldiger zu sein.“

„Balu bleibt für immer bei mir“

Was sie besonders an ihrem neuen Hund liebt? „Er ist einfach immer total freundlich und so wahnsinnig relaxt. Er strahlt diese Ruhe so aus – damit schafft er es auch immer, mich runter zu bringen, wenn ich selber mal hibbelig bin“, sagt sie. „Ich kenne sonst nur so aufgeregte, wilde Hunde. Das mag ich nicht so. Balu ist für mich der perfekte Weggefährte.“
Und beide machen tolle Fortschritte. Als der bis dahin so desinteressierte Rüde sie zum ersten Mal morgens freundlich mit der Rute wedelnd begrüßte, sei das ein wahnsinnig toller Moment gewesen, sagt Renée Knop. „Inzwischen kommt er morgens immer zu mir und will erstmal gekuschelt werden. Nach der kurzen Zeit merkt man schon, dass er sich an uns gewöhnt hat und jetzt auch angekommen ist.“
Eins ist der jungen Frau jetzt schon klar. „Es ist schon auch anstrengend und eine Herausforderung, aber ich würde ihn niemals wieder abgeben. Balu bleibt jetzt sein ganzes Leben bei uns“, verspricht sie.
Der Artikel stammt von Dezember 2022. Er ist weiterhin sehr beliebt. Daher hat die Redaktion den Text noch einmal veröffentlicht.
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