Es ist wieder soweit: Die jungen Demonstrierenden von Fridays for Future sind am Freitag wieder auf den Straßen gewesen. In mehr als 500 Städten in Deutschland waren sie unterwegs. In Berlin versammelten sich Zehntausende am Brandenburger Tor. Anlass war dieses Mal die bevorstehende Weltklimakonferenz in Madrid.
600 Teilnehmer auf 4.Fridays-for-Future Demo

Bildergalerie 600 Teilnehmer auf 4.Fridays-for-Future Demo

Klimawandel fehlt im Unterricht
Auch die Ortsgruppe Barnim war wieder mit einer Zubringer-Demo dabei, die auf dem Marktplatz in Bernau losging, um dann mit der Bahn nach Eberswalde weiterzuziehen. Um 12.15 Uhr trafen etwa 50 Demonstranten auf dem Marktplatz vor dem Rathaus ein. Darunter waren nicht nur Jugendliche: Von kleinen Kindern bis Senioren waren alle Altersgruppen vertreten. "Ich bin diesmal zum ersten Mal dabei. Ich wollte auch schon früher kommen, war aber immer verhindert," sagt Matthias Pätsch, der mit seinen zwei Kindern vor Ort ist. "Wir reden natürlich in der Familie viel über das Thema. Oft diskutieren wir: Sollen wir heute mit dem Fahrrad zur Schule fahren oder mit dem Auto?", berichtet der Vater. In den Schulen seiner Kinder werde zu wenig über den Klimawandel gesprochen. "Als ich meine Tochter, die in der ersten Klasse ist, heute etwas früher für die Demo abgeholt habe, hatte von ihren Schulkameraden nur eine mal von Klimawandel gehört. Das ist schon schade", so Pätsch.
Die 12-jährige Alexandra Weinhübler hat an ihrer Schule in Schwanebeck ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie würde sich mehr Schulunterricht zu dem Thema wünschen. Sie ist jetzt zum zweiten Mal beim Klimastreik dabei. "Meine Mutter findet das gut, dass ich dabei bin, solange ich meine Lehrer um Erlaubnis frage. Aber meine Omi findet das nicht so gut. Sie versteht nicht, warum das unbedingt an einem Freitag passieren muss."
Organisieren und Nudeln essen
Zwei Tage vor der Demo trifft sich die Ortsgruppe im Jugendtreff Offene Hütte in Bernau. Es ist ein Grüppchen von sieben Jugendlichen zwischen 12 und 18 Jahre alt, die zusammen Nudeln mit Tomatensoße essen – und die Freitagsdemonstrationen planen. Im Barnim finden sie einmal im Monat statt, häufiger schaffen sie es nicht. Die 18-jährige Stefanie Scharnitzki übernimmt beim Plenum eine Führungsrolle, Miriam Lenz schreibt das Protokoll. Scharnitzki ist Studentin und investiert viel Zeit in Fridays for Future. In dieser Woche war sie bei einem Vernetzungstreffen in Potsdam mit der Brandenburger Landesgruppe von Fridays for Future. Dann war sie bei einem runden Tisch der Gruppe Bildung für Nachhaltige Entwicklung und in Bernau für das Projekt Pro Klima. "Vieles war schon sinnvoll, denn viele Gruppen wissen nicht, wie sie mit Schülern über den Klimawandel reden sollen. Und dass das Thema im Unterricht zu wenig behandelt wird", sagt sie.
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Dann besprechen die Jugendlichen den Ablauf für Freitag. "Wir haben sechs Reden geplant. Darunter von einer Kinderärztin und einer Professorin," erzählt Scharnitzki. "Schon ziemlich cool, oder?", fragt die 18-jährige Lenz. Sie besprechen das "kreative Programm" und die "Energizer" – also Programmpunkte, die aufheitern sollen. Außerdem werden Rollen verteilt: Wer ist Ansprechpartner für die Polizei, wer für die Presse, wer gibt die allgemeinen Richtlinien an? Zum Schluss wird das Wichtigste geklärt: "Was kochen wir diesmal nach der Demo?", fragt Lorens Waldschmidt in die Runde. Demonstrieren macht scheinbar ganz schön hungrig.