Eiszeitland am Oderrand: Geopark bei Joachimsthal – was Besucher erwartet

Viel Stein und ein grimmiger Wächter: Ein Säbelzahntiger bewacht das Besucherzentrum (Klinkerbau) des Geoparks in Groß Ziethen von einem vereisten Felsblock aus.
Marco Marschall- Geopark Eiszeitland am Oderrand: Einzigartige Landschaftsformen durch die letzte Eiszeit.
- Besucherzentrum in Groß Ziethen mit Ausstellung „Erfahrung Eiszeit“ und interaktiven Elementen.
- Geomorphologische Wanderungen mit Experten zeigen Moränen, Sander und Findlinge.
- Unberührte Buchenwälder seit 2011 unter Schutz – ideale Naturerlebnisse.
- Geheimtipp für Natur- und Geschichtsinteressierte, jährlich 3500–4000 Besucher.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Brandenburg hat im Sommer viel zu bieten. Dazu gehören nicht nur die ausgedehnten Wälder und die wunderschönen Seen. Auch Bildungsurlaub ist hier möglich. Die Region ist geologisch gesehen sehr jung. Vor etwa 15.000 Jahren, zur sogenannten Weichselkaltzeit, formten die Kräfte des Gletschereises und des Schmelzwassers die Landschaft nördlich von Berlin.
Der Nordosten Brandenburgs ist sogar einzigartig. „Unsere Region hat ein Alleinstellungsmerkmal in der glazialen Serie, das findet man deutschlandweit nirgendwo“, bemerkt Yvonne Ouart, Leiterin der Geschäftsstelle des „Geopark Eiszeitland am Oderrand“. Die Landschaft zwischen Angermünde, Joachimsthal und Chorin im Biosphärenreservat Schorfheide–Chorin trägt sichtbare Spuren der letzten Eiszeit, die Hügel und Senken formte und viele Seen und Sölle hinterließ. Der Geopark „Oderland am Eiszeitrand“ ist ein Schaufenster in diese Zeit und bietet neben dem Infozentrum in Groß Ziethen auch viele interessante Wanderwege und Lehrpfade.
Skandinavien in Brandenburg
Seit 2013 betreibt die Einrichtung Umweltbildungsarbeit, die die Steinzeit und die Eiszeit miteinander verknüpft. In vielen Regionen gibt es vielleicht zwei oder drei verschiedene Gesteinssorten. Im nördlichen Barnim lassen sich Gesteine in allen Farben und Formen entdecken. „Das hat mit der Geschichte zu tun, die wir vermitteln wollen. In unseren Gefilden befindet sich nämlich ein kleines Stück Skandinavien“, so Ouart.
Das alles ist eine Folge der glazialen Serie. Darunter versteht man die Oberflächenformen in Mitteleuropa, die jeweils in einer bestimmten Abfolge ausgebildet sind: Grundmoräne, Endmoräne, Sander und Urstromtal. Sie sind durch Gletschereis und Schmelzwasser entstanden – und zwar im Randbereich und im Vorland des Gletschers. Im Barnim kann man diese Abfolge auf nur wenigen Kilometern erleben. Die beispielhafte Ausprägung der vier Hauptelemente in diesem Gebiet war eine wesentliche Voraussetzung für das Erkennen der gesetzmäßigen Zusammenhänge zwischen den Prozessen während und nach der Eiszeit und der Entstehung der Landschaftsformen.
Altersgerechte Geschichtsvermittlung
Durch die eiszeitlich bedingten und bis heute gut erhaltenen Besonderheiten der Region und die damit verbundene Flora und Fauna entwickelte sich das Gebiet des Geoparks Eiszeitland am Oderrand zu einer klassischen Forschungslandschaft. „Sie bietet die Basis für exzellente, nationale und internationale Forschungsarbeiten auf den Gebieten der Wald- und Forstwirtschaft, der Boden- und Standortkunde, der Geobotanik sowie der Natur- und Landschaftsforschung“, erzählt Ouart.

Auch Steine erzählen eine Geschichte: „Unsere Region ist wunderbar“, sagt Yvonne Ouart. „Bei uns lassen sich Gesteine in allen Farben und Formen entdecken. Das hat mit der Geschichte zu tun, die wir vermitteln wollen.“
Markus PettelkauDer gesamte Prozess wird vor Ort altersgerecht vermittelt – im Eiszeitmuseum, dem Herzstück des Geoparks. „Wir können den Prozess in unserem Haus in drei Etagen bildlich, mit viel Anschauungsmaterial erklären und schauen natürlich auch in die Natur. Es liegt ja direkt vor uns“, so Ouart. Die Ausstellung „Erfahrung Eiszeit“ bietet dabei tiefe Einblicke in die spannende Geschichte der Region. Mit Modellen, interaktiver Technik und anschaulichen Erklärungen bietet die Ausstellung die Möglichkeit, Eiszeit zu erfahren.
Die Ausstellung untergliedert sich in verschiedene Themenbereiche. Den Auftakt für die Reise in die Vergangenheit, als Brandenburg noch unter dickem Inlandeis lag, bildet der Nachbau eines Gletschertunnels mit den Geräuschen von knackendem Eis, aufgenommen in einem noch heute aktiven Gletscher. Man erfährt beispielsweise auch etwas zu den Findlingen. Manch einer dieser Steine birgt ein kleines Geheimnis in sich: eingeschlossene Tiere- und Pflanzen.
Wanderungen durch die Landschaft
Die Natur kann beim Besuch aktiv genutzt werden. Denn der Geopark beschränkt sich nicht nur auf das Museum in der alten Dampfmühle. Es gibt von einem Geologen durchgeführte geomorphologische Exkursionen ins Kerngebiet des Geoparks. Diese führen unter anderem zur Sperlingsherberge und zur Kiesgrube Althüttendorf. Während der Wanderung werden die verschiedenen Landschaftselemente, die Bestandteil der glazialen Serie sind, erläutert. Dazu gehören die Blockpackungen in der Endmoräne und der Althüttendorfe Sander, an denen die moderne Landnutzung durch den Menschen wie Kies- und Steinabbau veranschaulicht werden.
Und auch Waldfreunde kommen auf ihre Kosten. Die Buchenwälder Groß-Ziethen, seit 20 Jahren ein nicht mehr bewirtschafteter Wald, stehen seit 2011 neben vier weiteren Buchenwäldern Deutschlands unter Schutz. Die Besonderheiten liegen in der engen Vernetzung von Wasser und Wald, eingebettet in teils tiefe Senken und markanten Höhenzügen. Die geführten Wanderungen mit Mitarbeitern des Nabu-Naturerlebniszentrums Blumberger Mühle thematisieren die Kulturhistorie, die Landschaftsnutzung, Wald- und Offenlandschaften sowie die Geologie. Führungen sind zusätzlich buchbar.
Geheimtipp für Naturliebhaber
Knapp 3500 bis 4000 Besucher zählt die Einrichtung in der alten historischen Dampfmühle in Groß Ziethen jährlich. Die meisten davon sind Schulklassen oder Hortgruppen. Für Touristen bleibt es weiter ein Geheimtipp. „Wir sind also nicht überlaufen“, sagt Yvonne Ouart.
Geopark Eiszeitland am Oderrand in Groß Ziethen
Das Besucher- und Informationszentrum im Geopark Groß Ziethen hat Dienstag bis Sonntag, jeweils von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Über die jeweiligen Touren, Veranstaltungen und sonstiges können sich Interessierte per E-Mail an projektbuero@geopark-eiszeitland.de, unter Telefon 033361 64638 oder Internet auf www.geopark-eiszeitland.de informieren.


