Bei dem dringend Tatverdächtigen, den die Polizei in der vergangenen Woche dingfest gemacht hat, handelt es sich um einen 22-jährigen Mann aus Klosterfelde. Ihm werden bislang 21 Brandstiftungen im Gemeindegebiet von Wandlitz zugeordnet, die er in Vernehmungen auch eingeräumt hat. Das erklärten der Leiter der Polizeiinspektion Barnim, Jens Starigk, und der Leiter der vierköpfigen Ermittlungsgruppe, Hajo Wenzke, am Montag in einer Pressekonferenz in Bernau.

U-Haft angeordnet – und außer Vollzug gesetzt

Am vergangenen Donnerstag hatte die Barnimer Polizei die Wohnung des Verdächtigen durchsucht und Beweismittel gesichert, darunter Datenträger. Am Freitag war der 22-Jährige dem Haftrichter vorgeführt worden. Dieser ordnete Untersuchungshaft an, setzte diese aber unter strengen Auflagen außer Vollzug. Unter anderem hat der Verdächtige eine enge Meldepflicht zu erfüllen und darf zu bestimmten Zeiten die Wohnung nicht mehr verlassen. Außerdem hat er sich ärztlichen Untersuchungen zu unterziehen.
Aus Sicht von Jens Starigk kam dem Mann zugute, dass er bisher polizeilich nicht in Erscheinung trat, geständig ist und „wohl immer gehofft hat, dass die Feuer schnell entdeckt werden“. Wenn das nicht der Fall war, habe er die von ihm gelegten Brände selbst telefonisch gemeldet. Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Klosterfelde sei er „zum Großteil bei den Löscharbeiten dabei gewesen“, so Starigk.

Hinweise von Feuerwehrleuten an die Polizei

Durch umfangreiche Maßnahmen, auch verdeckte Ermittlungen, und durch Hinweise von Feuerwehrleuten sei man dem 22-Jährigen, der beruflich als Kraftfahrer tätig ist, auf die Spur gekommen, berichtet Kriminalhauptkommissar Hajo Wenzke, der Leiter der Ermittlungsgruppe. Aus welchen Motiven heraus der Klosterfelder zum vermeintlichen Täter wurde, dazu wollten weder Wenzker noch Starigk Angaben machen.
Die Brandserie im Gemeindegebiet von Wandlitz hatte bereits im Dezember 2018 mit einem Strohballen-Brand in Stolzenhagen begonnen. „Damals sind wir noch von einer einzelnen Tat ausgegangen“, sagt Jens Starigk, der Chef der Barnimer Polizeiinspektion. Im April 2019 ging es dann mit einem Feuer in einem Waldstück an der Landesstraße L 315 weiter, Es folgten im Juli Brandstiftungen an einem abgeernteten Feld und an einer Strohmiete in Stolzenhagen sowie im August im Wald bei Klosterfelde.

Seit März ging es im Raum Wandlitz Schlag auf Schlag

„Die Schlagzahl der Delikte hat sich dann in diesem Jahr stark erhöht“, sagt Inspektionsleiter Starigk. Allein im Januar soll der Tatverdächtige fünfmal zugeschlagen und unter anderem Strohballen sowie Container der Schorfheider Agrar GmbH im Raum Stolzenhagen angezündet haben. Ab März folgten dann vor allem Holzpolter- und Waldbrände, unter anderem am Lotschesee, zwischen Basdorf und Schönwalde, am Bogensee, in Ützdorf und zuletzt Ende August in Basdorf. Kriminalhauptkommissar Wenzke geht von einer Schadenssumme aus, „die fast an die 100 000 Euro heranreicht“. Darin noch nicht enthalten seien die Kosten für die Feuerwehr- und Polizeieinsätze, betont er.

Entsetzen bei der Gemeindewehrführung

Mit Entsetzen haben die Wandlitzer Gemeindewehrführung und die Gemeindeverwaltung als Trägerin des Brandschutzes auf die Ermittlungen der Polizei reagiert, dass ein Kamerad aus den eigenen Reihen für die Brandserie im Gemeindegebiet verantwortlich ist. „Ich bin froh, dass die Brandserie aufgeklärt zu sein scheint. Aber die Enttäuschung und das Unverständnis darüber, dass der Brandstifter aus den eigenen Reihen kommt, sind bei allen Mitgliedern unserer Ortswehren groß“, erklärt Bürgermeister Oliver Borchert.
Damit werde die sonst so hervorragende Arbeit der Feuerwehr in der Gemeinde in ein schlechtes Licht gerückt. „Das ist absolut nicht gerechtfertigt“, betont er. Die 205 Frauen und Männer aus den Ortswehren stünden 365 Tage im Jahr rund um die Uhr für die Bürger zur Verfügung. „Das Ansehen unserer Freiwilligen Feuerwehr darf durch die Verfehlung eines Einzelnen nicht beschädigt werden“, meint Borchert fast beschwörend.

Feuerwehrmann vom Dienst suspendiert

Gemeindewehrführerin Anke Müller ist geschockt und macht sich ebenfalls Sorgen um den Ruf der Wehr. „Der Feuerwehrmann wurde sofort vom Dienst suspendiert“, sagt sie. Zugleich bestätigt sie indirekt, dass es Hinweise auf den Tatverdächtigen aus dem Kreise der Wehrmitglieder gegeben habe. „Wir waren intern sensibilisiert durch die Brandserie der letzten Monate, haben die Einsatzberichte genau unter die Lupe genommen und darüber auch mit der Polizei gesprochen“, sagt die Gemeindewehrführerin. Wir tun jetzt alles, um die Vorkommnisse aufzuarbeiten und schnell zum gewohnten Alltag zurückzukehren: nämlich Gutes tun und unseren Bürgern Sicherheit und Hilfe in Notlagen bieten.“

Auch die zweite Brandserie scheint aufgeklärt

Auch die Suche nach dem Verursacher der zweiten Waldbrandserie im Niederbarnim, der die Feuerwehren im Raum Ladeburg–Lobetal–Rüdnitz seit Monaten in Atem hielt, scheint aufgeklärt. Auch hier hat die Barnimer Kriminalpolizei einen dringend Tatverdächtigen ermittelt. Bei diesem soll es sich um einen 20-Jährigen aus Lobetal handeln, der ebenfalls Mitglied der freiwilligen Feuerwehr ist. Er bestreitet bislang die Vorwürfe. „Allerdings haben die Waldbrände mit dem Tag vor drei Wochen, an dem wir ihn erstmals vernommen haben, schlagartig aufgehört“, bemerkt Jens Starigk vielsagend.