Gesundheit: Das lange Warten für Patienten

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pixabayEine gewisse Skepsis hält Dieter Bergmann (Name geändert) durchaus für angebracht, zu schlimm sind seine bisherigen Erfahrungen. "Auf einen Termin beim Augenarzt habe ich fast ein Jahr gewartet“, berichtet der Mittfünfziger. Auch in anderen Fachdisziplinen sehe es nicht anders aus. Es sei schon vorgekommen, dass er drei Stunden im Wartezimmer saß und dann mit einem neuen Termin weggeschickt wurde. "Wenn sich durch das neue Gesetz etwas ändert, wäre das ja schön“, so der Bernauer.
Wer in diesen Tagen von Ärzten im Niederbarnim erfahren möchte, wie sich das „Terminservice- und Versorgungsgesetz“ auf ihre Praxis auswirkt, hat es schwer. In vielen Fällen scheitert man bereits am Telefon – es nimmt einfach niemand ab. Andere Mediziner wiederum wollen sich lieber nicht in der Öffentlichkeit zu dem Thema äußern. Alles, was man sage, könne nur falsch sein, heißt es dann hinter vorgehaltener Hand.
Für Hartmut Kuske, Geschäftsführer der MVZ Schönow Stadt Bernau GmbH, ist dagegen wichtig, dass im Spahn-Gesetz die hausärztliche Versorgung gestärkt wird. "Der Patient erhält eine Überweisung und geht dann zum Facharzt“, erläutert der Allgemeinmediziner, Sportarzt und Chirotherapeut. Darüber hinaus seien auch die Medizinischen Versorgungszentren, kurz MVZ genannt, durch die neuen Regelungen geschützt. Er könne Arztstellen beispielsweise sofort wieder besetzen, so der Diplom-Mediziner.
Kuske und seine beiden Kollegen bieten, wenn nichts anderes auf der Web-Seite angegeben ist, Kernsprechstunden ohne Termin an. Darüber hinaus können Patienten aber auch telefonisch einen Termin vereinbaren. „Da wir zeitversetzt arbeiten, ist ein Arzt eigentlich immer da“, so der MVZ-Geschäftsführer.
Größere Auswirkungen auf seine Tätigkeit durch das „Terminservice- und Versorgungsgesetz“ sieht Norbert Behnke nicht. „Es wird einen höheren Verwaltungsaufwand auf Kosten der Patientenversorgung geben“, befürchtet der Facharzt für Dermatologie, Venerologie und Allergologie aus Panketal. Auch die Erweiterung des wöchentlichen Mindestsprechstundenangebots von 20 auf 25 Stunden kann Behnke gelassen sehen. „Das erreiche ich jetzt schon“. Grotesk findet es der promovierte Mediziner jedoch, dass sich die Budgetierung nicht ändert. „Der Gesetzgeber gibt weiterhin die maximale Zahl an Patienten vor, die man behandeln darf, fordert aber gleichzeitig, dass mehr Patienten durch ein Fünftel mehr Arbeitszeit behandelt werden“, betont Behnke. Ob die Servicestellen, die ab dem 1. Januar 2020 eingeführt werden sollen, schnellere Termine für die Patienten bringen, weiß der Arzt nicht. „Es bleibt abzuwarten, wie die theoretischen Vorgaben in der Praxis umsetzbar sind und wie die Stellen in Anspruch genommen werden“.
Der Panketaler Hautarzt, der sich über Patienten ärgert, die ihren Termin nicht wahrnehmen, bietet übrigens einmal im Monat ein sogenanntes „Speed-Dating“ an. Der Termin wird in umliegenden Praxen und über die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung bekannt gegeben. „In der Sprechstunde werden die Patienten kurz angeschaut, eine Diagnose gestellt, bei Bedarf ein Rezept ausgestellt sowie ein Wiederholungstermin vereinbart“, so der Panketaler. Der Patient komme so relativ kurzfristig dran, habe ein Ergebnis und den "Fuß schon mal in der Tür“.
Die Poliklinik am Helios-Klinikum Berlin-Buch hat bereits vor einigen Wochen ihren Service verbessert. Ambulante Termine können dort nun online vereinbart werden.