Die Heidekrautbahn war am Mittwoch, 21. September, ein großes Thema bei der InnoTrans, der internationalen Fachmesse für Verkehrstechnik in Berlin. Die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) stellte eine technologisch und ökologisch neu gedachte Heidekrautbahn vor.
Ein Verkehrsvertrag, der die Reaktivierung der Stammstrecke zum Inhalt hat, wurde unterschrieben. Auch das neue Wasserstofffahrzeug wurde präsentiert.
Ab 2024 würden die Pendler von einer deutlichen Angebotsausweitung profitieren, freut sich Guido Beermann, Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg. Das i2030-Leuchtturmprojekt Heidekrautbahn stehe für einen nachhaltigen und innovativen Schienenverkehr, wird der CDU-Politiker in einer Mitteilung der Niederbarnimer Eisenbahn zitiert.
Diese wolle zeigen, dass der Ausbau des Regionalverkehrs „auf klimafreundliche, umweltverträgliche Weise geschehen“ kann, wie es Geschäftsführer Detlef Bröcker formuliert. Die Reaktivierung der Stammstrecke der Heidekrautbahn ist Teil des Korridors Nord des Infrastrukturprojekts i2030 der Länder Berlin und Brandenburg, das vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) koordiniert wird.
Die Länder Berlin und Brandenburg sowie die NEB (die beiden Letztgenannten hatten den Vertrag bereits im Januar unterzeichnet) vereinbarten einen Verkehrsvertrag für die Heidekrautbahn. Berlin zog nun nach Schaffung der haushaltsrechtlichen Voraussetzungen nach.
Der Verkehrsvertrag hat eine Laufzeit von zehn Jahren (bis 2034) und beinhaltet Leistungen im Umfang von rund einer Million Zugkilometer jährlich, darunter den 30-Minuten-Takt nach Berlin-Karow. Die zusätzlichen Züge in den Spitzenzeiten nach Berlin Gesundbrunnen bleiben bestehen.
Mit der Unterzeichnung des Vertrages bestellen die Länder auch verkehrliche Leistungen auf der historischen Stammstrecke zwischen Berlin-Wilhelmsruh und Basdorf, die bis 2024 reaktiviert und in das bestehende Streckennetz der Heidekrautbahn integriert werden soll. Hier wird es einen Stundentakt geben.
NEB-Geschäftsführer Detlef Broecker, Minister Guido Beermann, Senatorin Bettina Jarasch und VBB-Bereichsleiter Thomas Dill während der Unterzeichnung_des Verkehrsvertrages.
NEB-Geschäftsführer Detlef Broecker, Minister Guido Beermann, Senatorin Bettina Jarasch und VBB-Bereichsleiter Thomas Dill während der Unterzeichnung_des Verkehrsvertrages.
© Foto: NEB
Neben der verkehrlichen Wiederinbetriebnahme der Stammstrecke beinhaltet der Verkehrsvertrag auch den Einsatz wasserstoffbetriebener Brennstoffzellen-Fahrzeuge anstelle der bisherigen Dieseltriebwagen im Rahmen eines Forschungsprojektes. „Unser Ziel auf der RB27 ist eine ökologische Verkehrswende“, betont NEB-Chef Bröcker. Die Umstellung von Diesel auf Wasserstoff auf der Heidekrautbahn reduziere jährlich den CO2-Ausstoß um rund drei Millionen Kilogramm und spare 1,1 Millionen Liter Diesel ein.
Der Einsatz der Wasserstofffahrzeuge auf der Heidekrautbahn ist Teil eines vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg geförderten, wissenschaftlich begleiteten Pilot-Verbundprojektes zum Aufbau einer regionalen, nachhaltigen Wasserstoffinfrastruktur. „Dies ermöglicht einen emissionsfreien Nahverkehr auf der RB27 auf Basis heimischer erneuerbarer Energien“, heißt es in der Mitteilung.

Wasserstoff aus Wensickendorf

Um den benötigten grünen Wasserstoff vor Ort in der Region zu produzieren, plant der Energieerzeuger Enertrag ein Wasserstoffwerk in der Nähe der Heidekrautbahn – in Wensickendorf. Das geplante Werk entzweit die Oranienburger Ortsteile Wensickendorf, Schmachtenhagen und Zehlendorf. Es gibt erhebliche Bedenken. Der notwendige Strom soll zu 100 Prozent aus Wind- und Sonnenenergie gewonnen werden. Dazu heißt es: „Die Kreiswerke Barnim werden mit einer Wasserstofftankstelle auf dem Betriebsgelände der NEB in Basdorf die infrastrukturellen Voraussetzungen schaffen, um den Wasserstoff am Ort des Energiebedarfs zur Verfügung zu stellen.“ Die Niederbarnimer Eisenbahn beschaffe die Wasserstofffahrzeuge und setzte diese im SPNV auf der RB27 ein.
Premiere für den Mireo Plus H: Roland Busch (links), Vorstandsvorsitzender von Siemens, und Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, stehen am 9. September vor einem neuartigen Wasserstoffzug. Die Bahn unternahm an diesem Tag eine erste Testfahrt mit dem Siemens Wasserstoffzug mit samt der Betankung. Ein richtiger Probebetrieb soll erst ab 2024 aufgenommen werden – auf der Strecke der Heidekrautbahn.
Premiere für den Mireo Plus H: Roland Busch (links), Vorstandsvorsitzender von Siemens, und Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, stehen am 9. September vor einem neuartigen Wasserstoffzug. Die Bahn unternahm an diesem Tag eine erste Testfahrt mit dem Siemens Wasserstoffzug mit samt der Betankung. Ein richtiger Probebetrieb soll erst ab 2024 aufgenommen werden – auf der Strecke der Heidekrautbahn.
© Foto: Roberto Pfeil/dpa
Die Fahrzeuge liefert der Hersteller Siemens Mobility. Sieben zweiteilige Züge vom Typ Mireo Plus H, ausgestattet mit Brennstoffzellen-Antrieb und Lithium-Ionen-Batterie, sorgen ab 2024 für eine CO2-emissionsfreie Mobilität auf der Heidekrautbahn sorgen. Der Zug werde dank großer Reichweite, schneller Beschleunigung (Höchstgeschwindigkeit von 140) und modernsten Technologien neue Maßstäbe setzen, ist Albrecht Neumann, CEO Rolling Stock bei Siemens Mobility, überzeugt. Die Mireo Plus H werden in der NEB-Werkstatt in Basdorf gewartet.