Initiative: Wriezener Bahn bei Werneuchen soll reaktiviert werden

Etwas Bewegung tut gut: Zum Treffen von Christian Görke (l.) mit den Bürgermeistern und Vertretern von Initiativen und Verbänden zur Reaktivierung der "Wriezener Bahn" gehörte auch eine Draisinenfahrt zwischen Leuenberg und Tiefensee.
Kai-Uwe KrakauVom Nahverkehr abgehängt
„Wir beobachten zunehmend, dass die Menschen auf die Schiene umsteigen wollen, um beispielsweise zur Arbeit zu kommen“, sagte Görke. Darüber hinaus verfolge Brandenburg auch eine Strategie zur Reduzierung des Kohlendioxid–Ausstoßes. „Das muss uns Anlass sein, nicht nur die Haupt–, sondern auch die Nebenstrecken stärker in den Mittelpunkt zu rücken“, so der frühere brandenburgische Finanzminister.
Der Bürgermeister von Wriezen, Karsten Ilm (CDU), verwies darauf, dass immer mehr Menschen in die Region ziehen. Dies sei durchaus positiv, könne aber auch zur Last werden. "Hier muss die Bahn eine Entlastung sein“, so der Verwaltungschef. Die Bundesstraße 158 und auch die Landesstraße 33 stießen wegen der zunehmenden Zahl der Pendler immer mehr an ihre Grenzen. Auch die Einwohner in den Dörfern litten unter dem starken Verkehr. „Wir haben beispielsweise ein gutes Krankenhaus. Dort höre ich immer wieder, dass es für die Fachkräftegewinnung hilfreich wäre, wenn es eine Bahnverbindung nach Berlin geben würde“, betonte das Wriezener Stadtoberhaupt.
„Unsere vier Gemeinden brauchen die Bahnstrecke“, sagte auch der Amtsdirektor von Falkenberg–Höhe, Holger Horneffer. In den ländlichen Gebieten seien viele Menschen vom öffentlichen Nahverkehr abgehängt. „Aber auch sie müssen irgendwie zu ihrer Arbeitsstelle gelangen“, so Horneffer.
Görke sieht unterdessen gute Chancen, dass die Strecke in den Landesnahverkehrsplan 2023, der dann bis zum Jahr 2030 gültig ist, aufgenommen wird. „Es liegt nicht am Geld, eher an der Umsetzung“, so der Linke. Denn der Bund gewähre für die Reaktivierung früherer Bahnstrecken eine neunzigprozentige Förderung. "Jetzt ist es an der Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen“. Die „Wriezener Bahn“ sei realistisch, so der Abgeordnete.
Landkreise ins Boot holen
Die Aufgabe der Kommunen ist es nun, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. In das gesamte Projekt sollen auch die beiden Landkreise einbezogen werden. Märkisch–Oderland sei bereits im Boot, so Wriezens Bürgermeister Ilm. Sein Werneuchener Amtskollege Frank Kulicke will das Thema bei seinem nächsten Treffen mit Barnim–Landrat Daniel Kurth (SPD) ebenfalls ansprechen. Und auch der Verein „Initiative Wriezener Bahn“ will sich nach den Worten seines Vorsitzenden einbringen. „Wir könnten als eine Plattform bei der Erarbeitung einer Reaktivierungsstrategie fungieren“, erklärte Steffen Blunk.
Ein dickes Lob gab es schon mal vom Deutschen Bahnkunden–Verband (DBV). „Es ist beeindruckend, wie hier alle an einem Strang ziehen“, so Bundesvorstand Wilfried Ruppert.