Jobs in Bernau und Eberswalde
: Krisen und weniger freie Stellen – wo Personal gesucht wird

Zwischen Eberswalde und Bernau sinken die freien Stellen. Inflation, Lieferengpässe und der Krieg in der Ukraine beeinflussen den Arbeitsmarkt. Die Arbeitsagentur zieht Bilanz für 2023.
Von
Hans Still
Bernau, Eberswalde
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Wer um Eberswalde oder Bernau ein Jobangebot von der Agentur für Arbeit bekommt, muss sich trotzdem bewerben.

Markus Scholz/dpa

In Eberswalde und Bernau hinterlassen die wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen im Land ihre Spuren im regionalen Arbeitsmarkt. Inflation und Energiekrise, Preissteigerungen in allen Lebensbereichen und damit einhergehende sinkende Kaufkraft wirken sich deutlich auf die Daten der Arbeitsagentur aus. Zu dieser Einschätzung kommt Constanze Hildebrandt, Chefin der Arbeitsagentur, am Ende des Jahres 2023. Dies sei „intensiv und von raschen Veränderungen geprägt“, so ein Teil ihrer Bilanz.

Ein wichtiger Gradmesser eines robusten Arbeitsmarktes, die Zahl der freien Stellen. Die Lage in Uckermark und Barnim: Konkret bekam die Arbeitsagentur seit Jahresbeginn insgesamt 5100 freie Stellen gemeldet, immerhin ein Minus von 500 im Vergleich zum Vorjahr. „Es ist augenscheinlich, dass die wirtschaftlich schwierigen Rahmendaten den Rückgang beeinflussen. Es wird weniger eingestellt“, bilanziert Chefin Hildebrandt. Gleichwohl seien aktuell über 2000 Stellen frei und unbesetzt.

Mit der Nähe zu Berlin sinkt die Arbeitslosenquote

Insgesamt verzeichnet die von der Arbeitsagentur verantwortete Region 91.780 Menschen in Arbeit. Die Arbeitslosenquote lag im November bei 7,3 Prozent, das sind 11.368 Personen. Der Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, ganz große Veränderungen gab es damit nicht.

Constanze Hildebrandt ist die Chefin der Arbeitsagentur Eberswalde.

Torsten Stapel

Im Corona-Jahr 2020 lag die Arbeitslosigkeit bei 7,4 Prozent, im Jahr darauf dann bei 6,6 Prozent. 2022 veränderte sich die Arbeitslosigkeit auf 6,7 Prozent. Traditionell schneidet der Barnim mit seiner Nähe zur Hauptstadt besser ab. Während in der Uckermark die Arbeitslosigkeit bei 10,8 Prozent rangiert, liegt diese im Barnim bei 5,3 Prozent.

Bei der Frage nach der Entwicklung einzelner Branchen gelangt zuerst die Gastronomie in den Fokus. Durch die Corona-Krise erlitten Gastronomen und Hoteliers diverse Einbußen bei Umsätzen und beim Personal. Mitarbeiter verließen während der Einschränkungen mit Kurzarbeit und Kontaktverboten die Branche, um in anderen Bereichen neu zu starten. Nunmehr fehlen zunehmend Arbeitnehmer mit der Bereitschaft, an Abenden und an Wochenenden zu arbeiten. Veränderungen auch beim Bau, der vor einigen Monaten noch stark nachgefragt wurde. „Nach der riesigen Nachfrage wird es deutlich ruhiger. Die Aufträge im Einfamilienhausbau brechen drastisch ein“, so Constanze Hildebrandt. Als „bislang stabil“ bewertet sie die aktuelle Lage bei den Automobilzulieferern.

Interessant zudem der Blick auf die Pendlerströme, die durch die Arbeit verursacht werden. Von den 76.976 Barnimern in sozialversicherungspflichtigen Jobs pendelt mit 55,6 Prozent mehr als jeder Zweite. Konkret nennt Constanze Hildebrandt die Zahl von 42.811 Beschäftigten. Von diesen Pendlern zieht es immerhin mehr als 30.000 Personen in die Hauptstadt. In der Uckermark pendelt jeder Vierte der insgesamt 41.644 Arbeitnehmer in Lohn und Brot. Die Zahl der Pendler nach Berlin liegt bei 1979 Personen, was einem Anteil von knapp 20 Prozent entspricht.

Diese Jobs sind um Eberswalde und Bernau begehrt

Deutlich wird beim Blick auf das Zahlenwerk der Arbeitsagentur, die Grünheider Tesla-Ansiedlung entfaltet weder in Barnim noch in der Uckermark großartige Effekte. Es gibt demnach einige Barnimer aus dem Bereich des Berliner Speckgürtels, die bei Tesla beschäftigt sind. Von einer „Sogwirkung“ könne aber keine Rede sein. Deutlich wird hingegen, wo die Firmen händeringend Nachwuchs suchen. Etwa in der Logistikbranche, die dringend Berufskraftfahrer sucht. Auch die Busunternehmen müssen Linien ausfallen lassen, weil Frauen und Männer hinter dem Lenkrad fehlen. Nicht anders ergeht es der Bahn, die ebenfalls um Lokführer wirbt. Und weiter: „Alle Gesundheitsberufe inklusive der Altenpflege suchen dringend Arbeitskräfte. Zudem freuen wir uns über jeden Handwerker, der an einer Stelle interessiert ist. Beispielsweise sind Elektriker heute begehrt wie Goldstaub.“

Die Liste der Branchen mit Nachwuchssorgen lässt sich fortsetzen. Lehrer und Sozialpädagogen fehlen, der Handel sucht Arbeitskräfte, viele Firmen mit Schichtarbeit im Angebot klagen über Besetzungsprobleme. Auch der Handel stöhnt über mangelndes Fachpersonal. Kurzum, Chancen auf dem Arbeitsmarkt gibt es durchaus. Klar wird im Gespräch mit der Agenturchefin auch, die Bezahlung spielt angesichts deutlich gestiegener Preise eine immer stärkere Rolle. „Natürlich ist eine Stelle in einem tollen Team ein Hauptgewinn. Aber wenn beispielsweise mit dem Auto gependelt werden muss, dann können schon einhundert Euro mehr im Netto entscheidend sein, um die Stelle zu wechseln. Verzicht kann sich kaum noch jemand leisten“, so die Einschätzung.

Fachgerechte Ausbildung mithilfe der Arbeitsagentur

Mit dem verfügbaren Einkommen aus eigener Arbeit hat eine weitere Erfahrung zu tun. Der Mindestlohn von aktuell zwölf Euro je Stunde garantiert auf keinen Fall ein problemloses Auskommen. „Selbst in einer Familie mit zwei Beschäftigten im Mindestlohn kann die Notwendigkeit zum Aufstocken entstehen. Das ist ein Ergebnis der Kostensteigerungen bei Mieten, Energie und allgemeinen Lebenshaltungskosten“, so Constanze Hildebrandt. Sie wirbt ausdrücklich dafür, Bildungsangebote der Arbeitsagentur in Anspruch zu nehmen, um sich fachgerecht ausbilden zu lassen. Bei Altenpflegern gebe es die beispielsweise Möglichkeit, neben der Arbeit die Qualifizierung zu absolvieren. Auch Berufskraftfahrern bietet sich die Gelegenheit, mit Gefahrgutberechtigungen das eigene Spektrum zu erweitern. „Reden Sie mit uns“, wirbt daher die Arbeitsagentur, um bei Qualifizierungen schnell vermitteln zu können.

Beim Ausblick auf 2024 hält sich Constanze Hildebrandt etwas zurück. „Wenn sich die wirtschaftlichen Rahmendaten nicht weiter verschlechtern, könnte 2024 ähnlich dem aktuellen Jahr verlaufen“, lautet ihre Prognose. Große Ansiedlungen seien derzeit nicht in Sicht. Gleichwohl gebe es mit Timpla, einem Hersteller von Wohnmodulen, die Aussicht auf 50 bis 60 zusätzliche Arbeitsplätze in Eberswalde. Am Industriestandort Schwedt seien die Prognosen ebenfalls gut. Diese Einschätzung gelte für die Papier- und die Chemieindustrie gleichermaßen.