Der 1991 geborene Sudanese hatte im Herbst 2018 Asyl beantragt, allerdings erst nach Ablauf seines Visums. Mit dem deshalb ergangenen Strafbefehl drohte ihm eine Zahlung von 600 Euro. Nach Anhörung der Staatsanwaltschaft entschied Richterin Annette Tosberg, das Verfahren aufgrund der Geringfügigkeit der Schuld einzustellen.
Heute wohnt Mustafa H. in Eberswalde, nachdem er viele Monate im Wohnheim in Ützdorf untergebracht war. Als er im Herbst 2018 in Deutschland ankam, konnte er noch kein Wort Deutsch. Heute ist er für die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal ehrenamtlich als Übersetzer tätig. Wie er berichtet, hat er im Sudan ein Studium als Bauingenieur absolviert. "Mein Traum ist ein Masterstudium", sagt er. Er berichtet, dass er aus politischen Gründen aus dem Sudan geflohen sei. Drei Mal habe er deswegen im Gefängnis gesessen.
Dass sein Visum für Deutschland bereits seit mehreren Wochen abgelaufen war, als er den Asylantrag stellte, bestreitet er nicht. "Ich wusste nicht, wie man Asyl beantragt und musste mich erst beraten lassen", erklärt er.
Die Einstellung des Strafbefehls ist aus Sicht von Philipp Grunewald von "Barnim für alle" für Mustafa H. eine große Erleichterung. Ein Freispruch, so sagt er, wäre aber für ähnliche Fälle ein positives Signal gewesen. Nach der Genfer Kommission dürfe niemand, der Asyl sucht, in diesem Zusammenhang strafverfolgt werden.
Eva Maria Rebs von der Bernauer Willkommensinitiative sind fünf ähnlich gelagerte Fälle bekannt. "Bei vielen Ländern ist es naiv anzunehmen, dass man auf regulärem Weg ein Visum bekommt", sagt sie. Und bei einer Grundsicherung von 400 Euro seien 600 Euro nicht zu bezahlen. "Niemand ist illegal", unterstreicht Fatuma Musa Afrah für den eingetragenen Potsdamer Verein United Action. Vor dem Amtsgericht hatten sich rund 30 Unterstützer mit Transparenten und Musik versammelt. Thomas Janoschka kündigte an, dass sie bei einer Verurteilung für die 600 Euro aufkommen werden. Das ist nicht nötig. Als Mustafa H. ihnen freudig die Einstellung mitteilt, jubeln sie.