Krebs in Wandlitz
: Krebsberatung kämpft um finanzielle Hilfe – reichen die Mittel?

In Wandlitz bekommen an Krebs erkrankte Menschen und ihre Angehörigen Hilfe vom Verein Krebsberatung. Reicht die finanzielle Unterstützung für die steigende Zahl an Neuerkrankungen aus?
Von
Kai-Uwe Krakau
Wandlitz
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Ministerin Britta Müller, Mandy Engler und Manuel Teterra vom Verein Krebsberatung Berlin-Brandenburg

Gesundheits- und Sozialministerin Britta Müller (parteilos, r.) informierte sich bei Mandy Engler und Manuel Teterra über die Arbeit des Vereins Krebsberatung Berlin-Brandenburg. Kann er die Patienten ausreichend unterstützen?

Kai-Uwe Krakau
  • Krebsberatung Wandlitz hilft Betroffenen und Angehörigen, benötigt selbst Unterstützung.
  • Jährlich rund 500.000 Krebsdiagnosen in Deutschland; zweite Todesursache.
  • Finanzierung durch Krankenkassen und Land Brandenburg, Spenden nötig.
  • 2022: 17.500 Neuerkrankungen in Brandenburg, 2023: 8.435 Todesfälle.
  • Weitere Beratungsstelle in Neuruppin geplant, Video-Unterstützung angeboten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Krebs ist weiterhin die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Jedes Jahr werden rund eine halbe Million Menschen mit dieser furchtbaren Diagnose konfrontiert. Die Behandlung hat in den vergangenen Jahren zwar Fortschritte gemacht, aber die Patientenzahlen steigen und die Therapien werden komplexer. Die Künstliche Intelligenz könnte helfen. Aber auch die ambulante psychoonkologische Betreuung der erkranken Menschen und ihrer Angehörigen wird wichtiger. Wie kann die Beratungsstelle in Wandlitz helfen?

In den vergangenen Jahren mussten die Mitarbeiter des Vereins Krebsberatung Berlin-Brandenburg, aber auch die Patienten immer wieder befürchten, dass die Arbeit nicht mehr fortgesetzt werden kann. Das Land Brandenburg hatte die vorgesehene Beteiligung an der Regelfinanzierung der Beratungsstellen lange ignoriert.

Der Verein mit seinem Hauptstandort in Wandlitz musste deshalb jedes Jahr um die Sicherung des Angebots kämpfen. „Nun stehen wir auf relativ sicheren Füßen“, sagt Manuel Teterra, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Krebsberatung Berlin-Brandenburg. Eine finanzielle Unterstützung wird aber auch weiterhin benötigt.

Krebsberatung: Kassen zahlen Großteil der Personalkosten

Im Jahr 2020 hatte der Gesetzgeber die bundeseinheitliche Förderung von Krebsberatungsstellen beschlossen. Danach können Beratungsstellen eine Förderung von 80 Prozent der Personalkosten zuzüglich einer Sachkostenpauschale bei den gesetzlichen sowie privaten Krankenkassen beantragen. 7,5 Prozent der Kosten werden über das Land Brandenburg gedeckt, wobei der Anteil auf 15 Prozent erhöht werden soll. Weitere fünf Prozent müssen durch Eigenmittel der Beratungsstellen, etwa durch Spenden, getragen werden.

Da es in Brandenburg noch keinen beschlossenen Haushalt gibt – erst im März ist mit der Verabschiedung zu rechnen – fließen die Fördermittel für dieses Jahr noch nicht. Es können aber Abschläge beantragt werden, versicherte Gesundheits- und Sozialministerin Britta Müller (parteilos) bei einem Besuch der Krebsberatungsstelle. Nach ihren Angaben stehen für die fünf psychoonkologischen Beratungsstellen in Brandenburg insgesamt 120.000 Euro zur Verfügung.

Krebsberatung: Beratungsstelle in Neuruppin denkbar

Nach Einschätzung von Teterra gibt es in Brandenburg weiterhin einer Unterversorgung bei der ambulanten Krebsberatung. „Wir würden gerne weitere Möglichkeiten schaffen“, so das geschäftsführende Vorstandsmitglied. Im Blick hat er dabei vor allem Neuruppin, wo man in Zusammenarbeit mit der dortigen Klinik eine Vor-Ort-Beratungsstelle aufbauen könnte. Darüber hinaus setze man aber auch auf die Unterstützung von betroffenen Menschen und ihren Angehörigen per Video. Insgesamt habe man in den vergangenen Jahren rund 5000 Gespräche mit mehr als 800 Patienten durchgeführt.

Trotz der Regelfinanzierung ist die Krebsberatung Berlin-Brandenburg aber weiterhin auf finanzielle Unterstützung angewiesen. „Wir brauchen auch die Spenden“, betont Teterra. Er verweist darauf, dass vor allem Gruppenangebote bisher nicht abgedeckt sind. Dies betreffe beispielsweise die Traumaverarbeitung sowie Entspannungs- und kunsttherapeutische Kurse. „Die sind auch ganz wichtig, werden aber bisher nicht finanziert“, so Teterra.

Gemeinde Wandlitz fördert die Krebsberatung

Der Verein will sich auch bemühen, den Landkreis Barnim ins Boot zu holen. Man werde daher auf den zuständigen Ausschuss des Kreistages zugegen, heißt es. Nach Angaben von Teterra geht es dabei um „unter 10.000 Euro“ jährlich. Die Gemeinde Wandlitz fördert die Beratungsstelle bereits mit 3,75 Prozent der Personalkosten.

Im Gespräch mit Ministerin Müller betonte Teterra auch die Bedeutung der Finanzierungssicherheit. Man könne immer nur von Jahr zu Jahr planen, finanzielle Zusagen kämen kurzfristig. Dies sei vor allem für die Gewinnung von Fachkräften schwierig. „Hier würden wir uns eine Drei-Jahres-Finanzierung wünschen“, so das Vorstandsmitglied. Britta Müller konnte da wenig Hoffnung machen. Die Finanzierung der Krebsberatungsstellen sei eine freiwillige Aufgabe. Zudem gebe die Haushaltsgesetzgebung das nicht her, so die Politikerin. Vom Verein wurde auch eine überbordende Bürokratie beklagt. So müsse man beispielsweise die finanziellen Mittel für das Jahr insgesamt viermal beantragen.

Die Krebsberatung Berlin-Brandenburg ist ein gemeinnütziger Verein und wurde 2007 gegründet. Er bietet Beratung und Begleitung bei der psychischen Bewältigung der Krankheit in Einzel-, Paar- und Familiengesprächen an. Darüber hinaus wird auch zu Prävention und Früherkennung informiert und es gibt Unterstützung bei Fragen der Sozialversicherung. Beratungsstellen befinden sich außer in Wandlitz auch in Eberswalde, Frankfurt (Oder), Bad Saarow, Neuenhagen, Lübben und Königs Wusterhausen.

Fast 8500 Brandenburger starben 2023 an Krebs

Im Jahr 2022 sind nach Angaben des Krebsregisters Berlin-Brandenburg fast 17.500 Menschen in Brandenburg an Krebs erkrankt. Im Jahr darauf starben laut Landesamt für Statistik 8.435 Brandenburgerinnen und Brandenburger an der Krankheit. Krebserkrankungen sind demzufolge mit einem Anteil von 23 Prozent nach Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems die zweithäufigste Todesursache.