Weltkrebstag 2025: Brustkrebs gibt es auch beim Mann – so erging es 70-Jährigen

Medizinisches Personal untersucht mit einer Mammografie die Brust einer Frau auf Brustkrebs. Die Untersuchung soll bei der frühen Erkennung von Krebs helfen. Früherkennungsprogramme für Männer gibt es nicht.
Hannibal Hanschke/dpa- Ein 70-jähriger Mann entdeckte zufällig Brustkrebs, der frühzeitig behandelt wurde.
- Männer haben keine Brustkrebs-Früherkennungsprogramme, was oft zu später Diagnosen führt.
- Jährlich erkranken in Deutschland etwa 700 Männer an Brustkrebs.
- Männer haben eine niedrigere Überlebensrate (77%) als Frauen (87%).
- Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen, Früherkennung verbessert Heilungschancen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im März 2023 liest Dieter Dräger in der Apotheken-Umschau einen Artikel über Brustkrebs bei Männern. Es ist nur ein Impuls, aber nach der Lektüre streicht er sich über seine linke Brust. Kurz neben der Brustwarze fühlt er einen kleinen Knoten. Der damals 70-Jährige ist sich unsicher. Ist da wirklich etwas oder bildet er sich das nur ein?
Zwei Tage behält der Rentner die Entdeckung für sich. Dann hält er die Ungewissheit nicht mehr aus. Er erzählt seiner Frau von dem Knoten in der Brust. Nachdem auch sie ihn ertastet hat, fackelt sie nicht lange. Noch am selben Tag besorgt sie bei ihrer Gynäkologin einen Termin für ihren Mann.
Dann geht alles ganz schnell. Im Ultraschall ist der Knoten in der linken Brust von Dieter Dräger gut zu erkennen. Er hat eine Größe von 1,7 Zentimetern. Der Patient wird ins Brustzentrum am Helios-Klinikum Berlin-Buch überwiesen. Nach Mammografie und Biopsie steht fest: Es ist ein Mammakarzinom, schnell wachsend. Die Operation, ursprünglich für den 8. Mai anberaumt, wird um eine Woche vorgezogen.
Brustkrebs beim Mann – Medikamente nach der OP
Mit dem Tumor werden zwei Lymphdrüsen unter der Achsel operativ entfernt. Sie sind nicht von Krebs befallen. Auch Metastasen haben sich nicht gebildet. Und so bleiben dem Patienten Chemotherapie und Bestrahlung erspart. Stattdessen wird er medikamentös weiterbehandelt – fünf Jahre lang.
Seit der Krebsdiagnose sind jetzt knapp zwei Jahre vergangen. Von Anfang an sei er mit dem Befund offen umgegangen, sagt Dieter Dräger. Klar gebe es manchmal ungläubige Blicke oder den einen oder anderen Kommentar, wenn er sagt, dass er Brustkrebs hatte.
Viele wüssten gar nicht, dass auch Männer daran erkranken können. „Selbst in der Rehaklinik in Plau am See war ich der einzige Mann unter nur weiblichen Patienten. Als ich das erste Mal zum Reha-Sport kam, sagten mir die Frauen, ich sei bestimmt falsch“, erzählt der Rentner. Er habe geantwortet: „Im Gegenteil – ich bin hier genau richtig“.
Daran, dass er den Krebs möglicherweise nicht überleben würde, habe er nie gedacht. „Wenn ich Angst hatte, dann vor dem, was an Behandlungen kommen könnte. Vor einer Chemotherapie, beispielsweise.“ Und auch jetzt, wenn er im Abstand von drei Monaten zur Kontrolle müsse, habe er keine Angst: „Was soll da schon kommen. Es gibt's ja nur ‚Ente oder Trente‘. Sich vorher schon verrückt zu machen, hilft ja nichts“, sagt der gebürtige Berliner.
Ein Prozent aller Brustkrebsfälle entfallen auf Männer
Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft erkranken in Deutschland jährlich etwa 700 Männer am eigentlich als Frauenkrankheit geltenden Brustkrebs. Das macht rund ein Prozent aller Brustkrebsfälle aus.
Wegen der geringen Anzahl an Betroffenen wurde der Forschung auf diesem Gebiet bisher keine hohe Priorität eingeräumt. Die meisten Erfahrungen in der Diagnostik und Therapie werden bei Frauen gesammelt und auf die Situation der Männer übertragen. Auch Hilfsangebote, die speziell auf Männer mit Brustkrebs zugeschnitten sind, existieren bisher kaum.
Brustkrebs – Frauen haben höhere Überlebensrate
Da es für Männer keine Brustkrebs-Früherkennungsprogramme gibt, wird die Erkrankung beim Mann zumeist erst in späteren Stadien diagnostiziert als bei Frauen. Zudem liegt Männern mit Problemen im Brustbereich der Gedanke an Brustkrebs zunächst fern. Dadurch verstreicht zusätzlich Zeit, die den Start der Therapie verzögert.
Denn auch hier gilt: Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser stehen die Chancen auf Heilung. Als Folge all dieser Faktoren liegt die Überlebensrate von Männern mit Brustkrebs unter der von Frauen: 77 Prozent der erkrankten Männer leben noch nach fünf Jahren, bei Frauen sind es dagegen 87 Prozent.
Brustkrebs bei Frauen
Nach einer Analyse der BARMER erkrankten im Jahr 2022 von 1000 Brandenburgerinnen 23,3 an Brustkrebs. In der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen waren es 56,7. „Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen und je früher er erkannt wird, desto besser die Behandlungschancen. Deshalb wird jede Frau zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre zum Mammografie-Screening eingeladen“, sagt Gabriela Leyh, Landesgeschäftsführerin der BARMER Berlin/Brandenburg.
Bei der Mammografie erfolgt eine Röntgenaufnahme, mit der bereits kleinste, nicht tastbare Tumore in einem frühen Stadium entdeckt werden können. Das Untersuchungsergebnis erhalten Frauen in der Regel innerhalb von sieben Werktagen.
Doch nur etwa jede zweite Frau in Brandenburg geht zum Mammografie-Screening. Lediglich 54 Prozent der anspruchsberechtigten Frauen in Brandenburg folgten im vergangenen Jahr der Einladung zu dieser Früherkennungsuntersuchung, obwohl sie kostenfrei und die Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist.



