Krisenbewältigung: Wie Kindern in Corona-Zeiten geholfen werden kann

Gibt regelmäßig Elternseminare in Bernau: der Berliner Birger Holz
privatWie erleben Kinder die aktuelle Corona-Krise?
Die Corona-Krise ist in aller Munde. Wir alle sind von den Informationsfluten überwältigt. Auch unsere Kinder sehen oder hören die Nachrichten. Außerdem haben sie fein eingestellte Gefühls-Antennen. Sie spüren die Gefühle der Erwachsenen. Kinder bekommen alles mit, sie bekommen auch unsere Ängste mit.
Was passiert, wenn bei Kindern die Gefühls-Antennen anspringen. Machen sie sich in dann ebenfalls Sorgen, so wie die Erwachsenen?
Gerade kleine Kinder benötigen das Sicherheitsgefühl, das ihre Eltern ausstrahlen, bis sich ihr eigenes Selbstbewusstsein entwickelt und gestärkt hat. Kinder zwischen anderthalb und fünf Jahren befinden sich in der Autonomiephase, besser bekannt als Trotzphase. In der Phase ist ihre Unsicherheit am Größten. Gerade hier können Kinder mit Veränderungen sehr schlecht umgehen. Und wenn die Eltern als Beziehungsmensch nun Angst haben und das sichtbar tun, dann prasseln auf unsere Kinder ganz andere Gefühle ein, die sie so noch nicht von ihren Beziehungsmenschen kennengelernt haben.
Wie gehen Kinder damit um?
Ich bin fest davon überzeugt, dass jedes Kind auf der Welt grundsätzlich kooperativ ist. Wenn Mama oder Papa unsicher ist, verändert sich das Kind aber auch. Nicht selten kommt es zu plötzlichen Gefühlsausbrüchen, was viele als Theater oder Wutanfall bezeichnen würden.
Und wie geht man als Eltern mit solchen Wutanfällen am Besten um?
Fragen wie „Was ist denn los?“ oder „Was hast Du denn schon wieder?“ sind in diesen Situationen eher kontraproduktiv. Sie lösen meist mehr Wut aus. Wenn Erwachsene überfordert mit dem Verhalten der Kinder sind, reagieren sie oftmals laut oder werden körperlich sogar grob.
Wie regiert man richtig?
Verstellen sie sich nicht, machen sie sich bewusst, warum ihr Kind jetzt so reagiert. Atmen sie tief durch. Manche Kinder sind plötzlich wütend, ohne Grund. Gerade in dieser schweren Zeit – ihr Kind fühlt sich auch belastet durch das Corona-Thema. Seien sie dankbar dafür, dass ihr Kind Gefühle zeigen will und es auch tut. Gefühle dürfen und müssen raus. Bleiben sie in der Nähe und signalisieren sie, dass sie da sind. Spiegeln sie ruhig das Gefühl ihres Kindes: „Ich merke, Du bis jetzt sehr wütend – ich bin da“. Nur so lernt ihr Kind unter anderem, seine eigenen Gefühle zu sortieren.
Wenn vom Coronavirus die Rede ist, ist auch viel von Tod die Rede. Sollte man mit Kindern über den Tod sprechen?
Ja, unbedingt. Jedoch immer kindgerecht. Vor allem, wenn Kinder Fragen zum Tod haben, sollten wir ehrlich antworten. Kinder entwickeln ohnehin in ihren Entwicklungsphasen einen Bezug zum Tod – gerne aber mit Unterstützung. Das Thema zu verschweigen, ist aktuell ohnehin nicht möglich.
Was haben Kinder für einen Bezug zum Tod?
Gerade wenn Kinder sich in der magischen Phase befinden – also zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr – beschäftigen sie sich viel mit Themen wie Angst, Sterben, Verlust und Ähnlichem. Das Licht muss plötzlich an bleiben, Monster befinden sich unter dem Bett oder im Schrank. Mein Rat: Tun sie diese Phase nicht als lächerlich ab, nehmen sie ihr Kind immer ernst.
Was hilft Kindern dann am Besten?
Ihr Kind liebt in dieser magischen Phase vor allem Märchen und Geschichten. Kinder hören Märchen nicht nur, sie erleben sie. Und lernen, auf diese Weise Ängste zu überwinden. Lesen oder erzählen sie Märchen über Mut, Überwindung, Besiegen, Starksein, Trauer, Wut und Angst. Das ist gut.
Was noch?
Bleiben sie mit ihrem Kind im Gespräch. Hören sie zu, wenn ihr Kind eigene Ideen zur aktuellen Lage hat. Vielleicht beim Malen. Wie könnte ein Coronavirus aussehen, wie könnte man es besiegen? Das Sicherheitsgefühl wird außerdem bestärkt, wenn Kinder ihre gewohnten Rituale Tag für Tag erleben dürfen. Wiederholte Abläufe bieten den Kindern Vorhersehbarkeit – also Sicherheit.
Birger Holz vom Berliner „BilderKraft“-Team bietet Erziehungsberatung sowie systemische Familienberatung auch am Telefon oder „face to face“ per Videotelefonie an. Kontakt online unter: www.bilderkraft-berlin.de
Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.
