„Dass ich weinen musste beim Laufen – das ist mir bislang noch nie passiert.“ Jörn Seelig hat sich einen Tag nach seinem großen Triumph schon wieder gut erholt. Aber diesen Wettbewerb, den wird der Bernauer wohl für immer in Erinnerung behalten. Die 24-Stunden-Challenge der Deutschen Ultramarathon Vereinigung (DUV) am Wochenende in Bernau Waldfrieden hat Jörn Seelig nicht nur geschafft. Mit 160,9 Kilometer hat er 100 Meilen geknackt. „Ich bin jetzt ein 100-Meilen-Mann“, grinst er. Bis dahin war es aber ein schwerer Kampf.

Bernauer Lauffreunde luden auf Gelände des Bauhaus-Denkmals

Die ersten Stunden seien wie im Flug vergangen, berichtet der 48-Jährige, doch dann wurde es hart. Nach 13 Stunden hatte er 100 Kilometer auf dem Gelände des Bauhaus-Denkmals geschafft, auf das die Ausrichter, die Bernauer Lauffreunde, eingeladen hatten. „Aber das Kopfkino ging weiter und ich konnte nicht aufhören, hin und her zu rechnen, wann ich die 100 Meilen erreichen würde“, berichtet Jörn Seelig von seiner Verfassung während des Laufs.
In der Nacht schmerzte der ganze Körper. „Ich fing an zu heulen und konnte nicht mehr aufhören.“ Erschöpfung, Schmerzen, mentale Belastung – für den Bernauer kam alles zusammen. Ans Aufgeben, sagt er, habe er dennoch keine Sekunde gedacht. „Das würde ich nur machen, wenn ich mir ein Bein brechen würde.“

Die Schmerzen kommen nach dem Läufer-Hoch zurück

Das Weinen half. „Plötzlich verschwanden alle Schmerzen und ich rannte los wie der Teufel“, schildert es der Ultraläufer, der pro Woche zwischen 80 und 100 Kilometer zurück legt. „Vielleicht war das dieses Läufer-Hoch, von dem immer alle reden“, munkelt Seelig. Doch nach 2,5 Kilometern war es damit vorbei, die Schmerzen kamen zurück.
Die Sportler, die ihre die 6-Stunden- oder 12-Stunden-Distanzen absolviert hatten und schon fertig waren, feuerten den Bernauer jetzt an und so schaffte er sie dann, die magische Grenze von 160,9 Kilometern. „Der Moment danach ist einfach unbeschreiblich“, berichtet Seelig, der sich am Montag schon wieder fit fühlte. „Nur die Füße tun ein bisschen weh.“
Die weiteste Strecke über die 24 Stunden legte eine Frau zurück. Die Lettin Diana Dzaviza (W 30) stellten lettischen Landesrekord auf: 228,962 Kilometer. Damit lief sie rund 750 Meter mehr als der Gesamt-Erste bei den Männern, Stu Thoms.

Umkämpftes Rennen unter deutschen Top-Athleten

Bei den Männern war es ein heiß umkämpftes Rennen. Der ehemalige Deutsche Meister Marcel Leuze (M 30) hatte das Feld lange angeführt, musste dann aber abreißen lassen. Leuze konnte das schnelle Anfangstempo nicht mehr halten. Es übernahm mit Stu Thoms (M 50) einer der besten Ultraläufer Deutschlands.
Thoms sah lange wie der ungefährdete Sieger aus, doch eine Stunde vor Schluss nahm Martin Armenat Fahrt auf und verkürzte den Abstand auf Thoms kontinuierlich. Am Ende war er nur 300 Meter hinter Thoms.
Der Klosterfelder Jörg Stutzke (M 55), der gleichzeitig als Veranstalter und Teilnehmer dabei war, schaffte 137,880 Kilometer und war damit zweitbester Barnimer. Ehefrau Silke Stutzke war mit ihren 133,528 Kilometern am Ende rundum zufrieden. Sie wurde Erste in ihrer Altersklasse W 50.

Nationalkader-Läuferin saß weinend am Rand

Silke Stutzke freute sich besonders, dass sie Jennifer Honek unterstützen konnte. Die Nationalkader-Läuferin startete über die 100 Kilometer, wollte aber auf den letzten 10 Kilometern aufgeben, weil sie sich komplett verausgabt hatte. Weinend saß sie an der Strecke. „Ich hab ihr gesagt, dass, wenn man einmal aufgibt, man das dann viel schneller beim nächsten Mal wieder macht. Und wie sehr sie sich morgen ärgern wird, wenn sie nicht weiter macht. Dann bin ich zusammen mit ihr gelaufen, habe ihr währenddessen Geschichten über Gott und die Welt erzählt, um sie abzulenken. So hat sie es dann doch bis ins Ziel geschafft. Das war schön zu sehen.“
Alle Ergebnisse unter: www.ziel-zeit.de