Ein Tag ohne Laufen ist für sie kein guter Tag. Die 18-jährige Wandlitzerin Blanka Dörfel ist ein echter Wirbelwind. Stillsitzen? Geht gar nicht. „Wenn ich nicht laufen kann, bekomme ich schlechte Laune“, verrät sie. Beim Regionalparklauf in Blumberg schockte sie einmal mehr die Konkurrenz und kam mit einem Vorsprung von über zwei Minuten als Erste vor dem gesamten Feld ins Ziel. 47:23 Minuten brauchte sie für den anspruchsvollen Kurs über 13 Kilometer.

Grandiose Athletik

Man könnte schon auf den Gedanken kommen, dass für diese kleine Leichtathletin die physischen Grenzen des menschlichen Körpers schlicht nicht gelten. Scheinbar mühelos fliegt sie über die Strecke, die Beine berühren den Boden in stakkatoartigem Gleichmaß, die angewinkelten Arme scheinen den Takt vorzugeben, im Gesicht keine Spur von Anstrengung. So auch in Blumberg. Obwohl sie sich da eigentlich vorgenommen hatte, es eher langsam angehen zu lassen. „Ich hatte eine ziemlich anstrengende Trainingswoche hinter mir und mein Trainer hatte mir aufgetragen, ich soll nicht so durchknallen.“
Aber Blanka Dörfel so etwas aufzutragen ist ungefähr so, als würde man einem Jagdhund ein Kaninchen vor die Nase setzen. Sie kann es einfach nicht lassen. „Auf den ersten drei Kilometern waren Michael Tschendel und Alexander Kieß eigentlich recht weit vor mir, aber nach vier Kilometern habe ich sie dann eingeholt und bin vorbei.“ Gesagt hätten die beiden beim Überholvorgang übrigens nichts zu ihr, berichtet Blanka. „Die sahen ganz schön fertig aus und haben schwer geatmet“, berichtet sie grinsend. Das bestätigt der spätere Zweite Michael Tschendel. „Man läuft da ja schon ganz schön an der der Grenze.“

„Dreh dich nicht um. Lauf einfach weiter.“

Zunächst blieben die beiden Männer noch dicht hinter Blanka Dörfel. „Ich hatte immer Sorge, dass die mich wieder überholen, deshalb habe ich mir gesagt: Dreh dich nicht um, lauf einfach weiter.“ Doch wie so oft bog sie als Erste auf die Zielgerade ein. „Meine Mutter hatte gar nicht so früh mit mir gerechnet und konnte deshalb kein Zielfoto machen.“
Dann habe sie sich gewundert, wo ihre Verfolger bleiben. „Ich dachte schon, die hätten sich vielleicht verlaufen.“ Bei fast jedem anderen Menschen würde man diese Bemerkung wohl arrogant finden. Bei Blanka weiß man: Sie wundert sich wirklich.
Und tatsächlich musste sie rund 2:30 Minuten warten, bis ihre ersten Verfolger ins Ziel kamen. Die hatten sich im Ziel-Einlauf einen engen Endspurt um Platz zwei geliefert, den Michael Tschendel für sich entscheiden konnte. „Naja“, sagt er schulterzuckend. „Wenigstens bin ich Erster bei den Männern geworden.“ Frustrierend findet er es nicht, von der jungen Wandlitzerin überholt zu werden. „Ihre Leistung ist einfach sehr beeindruckend. Ich denke, hier aus der Region kann sie auch kaum einer einholen.“

Starts bei Cross-Läufen und der U21-EM geplant

Die wegen Corona wettbewerbsfreie Zeit hat die 18-jährige Sportschülerin gut genutzt. „Ich war vorher leicht verletzt, weil ich zu viel trainiert hatte. Das konnte ich auskurieren.“
Demnächst will sie bei einigen Cross-Läufen starten, dann stehen im Frühjahr die Europameisterschaften an. Und auch bei der U21-EM der Leichtathleten würde sie gerne in ihrer Parade-Disziplin, dem Hindernislauf starten.
Sport, gibt sie zu, sei für sie schon ein wenig wie eine Sucht. „Wenn ich nicht laufen kann, dann muss ich drei Stunden Rad fahren, sonst fühle ich mich nicht wohl.“ Zwei Wochen Urlaub am Strand wären für sie eher der Horror. „Das ginge gar nicht“, gibt sie lachend zu. „Man muss jeden Tag genießen, den man hat und ich mag das Gefühl beim Laufen eben, auch dieses Sich-Quälen.“

Traum-Mann? Ein sportlicher Nicht-Raucher

Die Barnimerin will eine Ausbildung bei der Bundespolizei absolvieren, so kann sie sich weiter auf Sport konzentrieren. Ihr Traum: Bei ihren Läufen die Welt erkunden. Später dann, das weiß sie schon, als Ultraläuferin.
Auch über eine eigene Familie denkt sie nach. „Aber da muss man den richtigen Partner finden“, weiß die Nachwuchs-Athletin. Der müsste vor allem zwei Eigenschaft mitbringen: Nichtraucher sein und unbedingt sportlich. Dann, räumt Blanka ein, wäre es auch nicht schlimm, wenn er beim Laufen nicht mit ihr mithalten kann. Dann würde sie ausnahmsweise auch mal langsamer laufen.