Leichtathletik: Blanka Dörfel schockt mal wieder die Konkurrenz

Die Kleinste war die Schnellste: Blanka Dörfel mit dem Zweiten, Sven Graupe (links), und Denis Gehde
Britta Gallrein/MOZSie sieht ein bisschen aus wie Ronja Räubertochter mit ihren wuscheligen Haaren und den großen braunen Knopfaugen. Und eines hat Blanka Dörfel mit der Figur aus dem Astrid–Lindgren–Roman definitiv gemeinsam: den eisernen Willen. „Andere Läufer hören oft auf, wenn sie nicht mehr können. Ich nicht. Ich habe noch nie einen Lauf abgebrochen“, berichtet die 17–Jährige, die beim 5. Lauf des Barnimer Wintercups die Konkurrenz in Erstaunen versetzte.
Denn am Barnim–Gymnasium sind sie alle am Start, die schnellen Männer, die normalerweise den Sieg unter sich ausmachen. Doch diesmal haben sie das Nachsehen. Sie alle müssen dem nur 1,56 Meter großen Lauftalent aus Bernau den Vortritt lassen. „Wahnsinn“, staunte auch Mark Rathmann, der Gesamtfünfte des Feldes, im Anschluss. "Keine Ahnung, wie die das macht“, sagt er lachend.
Mit dem Turnen hat die Bernauerin einst angefangen, Bewegung liegt ihr schon immer im Blut. Als sie 13 ist, pilgert sie mit ihrer Mutter den 800 Kilometer langen Jakobsweg. Dann entdeckt sie den Spaß am Laufen, fängt bei den Bernauer Lauffreunden an. Runden laufen, das macht ihr Spaß. Ihre Paradedisziplin sind die 3000 Meter — die Kurzstrecke unter den Ausdauerläufen. Auf dieser Strecke holt sich die Barnimerin im Februar bei der Deutschen Meisterschaft in Sindelfingen den Titel in der U 20. Denn in ihrer Altersklasse, der U 18, gibt es keine DM über diese Strecke. Mit einer Zeit von 9:56 Minuten wird sie dort Deutsche Meisterin. Zum Vergleich: Um bei den Bundesjugendspielen volle 15 Punkte, also eine 1+ für den 3000–Meter–Lauf zu bekommen, müssen Schülerinnen der 12. Klasse die Strecke in 13 Minuten absolvieren.
Zufrieden ist Blanka mit ihrer Zeit aus Sindelfingen aber nicht. „Ich bin da zu taktisch gelaufen. Meine Bestzeit sind eigentlich 9:46 Minuten.“
Dass sie ein Ausnahme–Lauftalent ist, war schnell klar. Schon in jungen Jahren lässt sie auch die erwachsene Konkurrenz hinter sich. Mit 12 Jahren wechselt sie daher auf die Sportschule nach Cottbus. „Ich möchte in Kienbaum Sportpolizistin werden“, erklärt sie. „Dann wird man exklusiv gefördert.“
Einen großen Anteil an ihrem sportlichen Erfolg hat sicherlich ihr Willen. Wenn Blanka läuft, scheint sie förmlich über den Asphalt zu fliegen. Man sieht ihr die Anstrengung kaum an, auch nicht auf den letzten Metern. Entschlossen hält sie ihren Takt, sorgfältig wie ein Metronom, die Arme schwingen mit wie aus einem Guss. Ihre Rundenzeiten sind fast gleich. „Zum Schluss hat mich ein anderer Läufer gezogen, dann habe ich gesehen, dass ich dem Ersten immer näher komme“, berichtet die 17–Jährige. Und da, wo andere dann aufhören, weil es auf den letzten Kilometer geht, weil die Beine immer schwerer werden, das Herz bis zum Hals schlägt und die Lunge brennt wie Feuer, da kann sie noch einmal Reserven mobilisieren. „Wenn ich merke, dass ich meine Grenze erreiche, dann versuche ich, kurz meine Augen zu schließen und dann blende ich alles aus, laufe wie in einem Tunnel. Ich denke dann nur: Gleich kannst du dich ausruhen“
Ihre Ziele steckt Blanka sich hoch. Crossläufe möchte sie auch mal wieder absolvieren. „Das macht mir auch unheimlich viel Spaß, aber dafür brauche ich noch mehr Kraft und muss Gewicht zulegen.“
Und auch an die längeren Kanten will sie sich wagen. „Bei den Deutschen Meisterschaften über zehn Kilometer Straße möchte ich gerne an Alina Reh herankommen.“ Die junge deutsche Lauf–Hoffnung war wie Blanka auch lange auf die 3000 Meter spezialisiert, jetzt geht die 21–Jährige vor allem bei Zehn–Kilometer und Halbmarathon–Strecken an den Start. Rehs Bestleistung über zehn Kilometer, mit der sie im vergangenen Jahr Deutsche Meisterin wurde: 32:23 Minuten. Blanka hat also ein neues Ziel.
