4000 Kilometer fahren einige Menschen nicht einmal mit dem Auto pro Jahr. Die Klosterfelderin Silke Stutzke hat diese Kilometerleistung in den Beinen. Pro Woche legt die 52-jährige Klosterfelderin zwischen 70 und 120 Kilometer laufend zurück. Am Wochenende steht für sie, ihren Mann Jörg und viele weitere Langstreckenläufer das nächste Event an – diesmal im Barnim.
Am Bauhaus-Denkmal Bundesschule findet eine Challenge der Deutschen Ultramarathon Vereinigung (DUV) statt. Da die Deutschen Meisterschaften über die Langstrecken in diesem Jahr ausfallen, haben die Bernauer Lauffreunde als Ausrichter mit immensem Aufwand die Challenge organisiert. Gestartet werden Wettbewerbe über 24 Stunden, zwölf Stunden, sechs Stunden sowie ein 100-Kilometer-Lauf.
„Unsere Idee war es, Sport und Kultur zusammen zu bringen und die Stadt Bernau bekannter zu machen. Deshalb haben wir uns für den Start am Bauhaus-Denkmal entschieden“, berichtet Organisator und Teilnehmer Jörg Stutzke. Auf allen Strecke werden einige der besten Ultraläufer Deutschlands unterwegs sein. „Da erwarten wir sogar neue deutsche Jahresbestleistungen.“ Über die 24 Stunden starten zum Beispiel mit Marcel Leuze und Stu Thomas gleich zwei Athleten, die schon Deutsche Meister in dieser Disziplin waren.

Athleten aus dem Nationalkader am Start

„Über die kürzeren Strecken wie 6-Stunden oder die 100 Kilometer sind auch einige Nationalkader-Athleten unterwegs wie Anette Müller und oder Jennifer Honek“, berichtet Jörg Stutzke. Auch international habe der Lauf Interesse geweckt. „Allerdings war aufgrund der Corona-Bestimmungen keine freie Startplatzvergabe möglich, sondern nur nach Vorabfrage und unter Vorlage eines Corona-Negativbescheides. Wer das vorlegte, darf aber starten. So können wir uns auf Läufer aus Israel, der Schweiz, Österreich, Spanien, Belgien und den Niederlanden freuen.“
Aber auch heimische Läufer werden sich an die „langen Kanten“ wagen. Neben Jörg und Silke Stutzke, die beide beim 24-Stunden-Lauf an den Start gehen, werden Kathrin Wegner und Philipp Sogl aus Bernau sowie Franziska und Matthias Waldschmidt aus Lobetal, Ralf Benecke aus Panketal und Susan Röper von Motor Eberswalde die 6-Stunden-Distanz in Angriff nehmen – die am zweitstärksten nachgefragte Strecke.
Die größte Nachfrage des Rennens gab es für den 24-Stunden-Wettbewerb. Hier könne es Spitzenleistungen geben, ist der Veranstalter überzeugt. „Es sind zwei Frauen dabei, denen ich zutraue, über die magische Grenze von 200 Kilometer zu laufen. Die Namen will ich noch nicht nennen, um sie nicht unter Druck zu setzen, aber das könnte klappen“, denkt Jörg Stutzke.

Bernauer Lauffreunde haben guten Ruf in der Szene

Aber auch für den Nachtlauf über die 12 Stunden gibt es viele Anmeldungen. „Da starten wir Nachts um 22 Uhr. Manche nutzen das als Vorbereitung für Wettkämpfe, in denen sie nachts laufen müssen.“
Die große Nachfrage erklärt sich Jörg Stutzke zum einen damit, dass die Sportler durch Corona in diesem Jahr nur wenige Möglichkeiten hatten, zu starten. „Aber wir haben als Bernauer Lauffreunde inzwischen auch einen guten Ruf in der Ultralauf-Szene, deshalb kommen die Leute gerne zu uns.“ Durch Veranstaltungen wie den 24 Stunden Lauf, den früheren Baltic Run oder andere Etappenläufe sei man in der Szene für gute Organisation bekannt.
Woran die meisten Athleten auf einer Ultra-Distanz scheitern, weiß Jörg Stutzke übrigens genau. „An der zu hohen Erwartungshaltung.“ Viele Läufer glaubten, dass sie die Zeiten, die sie für 100 Kilometer brauchen, auf einen 24-Stunden-Lauf übertragen können. „Aber das darf man nicht unterschätzen, dass das doch nochmal was ganz anderes ist.“

Den Kopf auf der Langstrecke lieber ausschalten

Und dann – der Kopf. „Das viele Denken kann zum Problem werden“, weiß Ultraläufer Jörg Stutzke. „Man hat in der Regel so zwei bis drei Krisen während so eines Laufes. Was er dagegen macht? „Den Kopf ausschalten. Nicht denken, einfach weiterlaufen.“ Ihm selber helfe dann auf der Strecke auch ein Gespräch mit anderen Teilnehmern, die dasselbe Tempo laufen. „Damit lenkt man sich ab und dann irgendwann geht es wieder.“

Fakten rund um die 24-Stunden-Challenge


Der Start erfolgt am Samstag um 10 Uhr. Am Sonntag um die gleiche Uhrzeit ist der Wettkampf dann auch für die letzten Läufer über die 24 Stunden beendet.

Der Rundkurs vom Bauhaus Denkmal aus ist 1844 Meter lang. Es geht vom Sportplatz des Barnim Gymnasiums (Hans-Wittwer-Straße 20, 16321 Bernau), der zugleich die Versorgungsstation für die Läufer ist, los, um das Gebäude herum und wieder zurück.

Die Wettbewerbe umfassen den 24-Stunden-Lauf, 12-Stunden-Lauf, 6-Stunden Lauf und 100 Kilometer.

Das Rennen ist ein offizieller Wettkampf. Die Strecke wurde vermessen und ist bestenlisten-tauglich.

170 Läufer werden auf die Strecken gehen, die meisten starten über 24 Stunden.

50 bis 60 Helfer helfen, die umfangreichen Hygienevorschriften einzuhalten.