Lichterzauber in Wandlitz: Wie die Lichterfahrt trotz Verbot weiterleben soll

Kommt bei den Wandlitzern gut an: Den „Lichterzauber“, hier mit den Engeln Laura und Melissa aus Basdorf, soll es auch 2025 wieder geben. Allerdings mit kreativen Abweichungen.
Tilman Trebs- Der „Lichterzauber“ in Wandlitz soll auch 2025 trotz Beleuchtungsverbot für Fahrzeuge stattfinden.
- Brandenburgs Innenministerium erlaubt Adventskolonnen mit Einschränkungen bei Fahrzeugbeleuchtung.
- Veranstalter nutzen Schlupflöcher: Beleuchtung von Ladung und Personen ist weiterhin gestattet.
- Besucher werden aufgerufen, sich selbst mit Lichtern zu schmücken und den Umzug zu begleiten.
- Am Strandbad Wandlitz dürfen Fahrzeuge ihre Lichter anschalten, begleitet von einem Fest mit Verpflegung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Für viele Menschen ist der Lichterzauber in Wandlitz zu einer beliebten Tradition geworden. Korsos mit beleuchteten Fahrzeugen fahren in den verschiedenen Ortsteilen der Gemeinde los und treffen am Ende der Sternfahrt am Ziel Strandbad Wandlitz zusammen. Für viele Wandlitzer ist der Lichterzauber ein Highlight in der Adventszeit. Doch jetzt gibt es Ärger. Das brandenburgische Innenministerium verbietet die Zusatzbeleuchtung an den Fahrzeugen. Droht jetzt der Lichterzauber ohne Licht?
Rund 6000 Menschen waren im vergangenen Jahr beim Umzug dabei, schätzen die Veranstalter – entweder an der Strecke oder später am Strandbad. Der Abend bietet reichlich Gelegenheit, Freunde und Nachbarn zu treffen beim Warten auf den Zug und nachher zum netten Beisammensein am Strandbad. Kein Wunder, dass der Lichterzauber zur beliebten Tradition geworden ist.
Zusätzliche Lichtanlagen müssen abgeschaltet sein
Es klang zunächst wie eine gute Nachricht aus dem brandenburgischen Innenministerium. „Innen- und Infrastrukturministerium schaffen Rechtssicherheit für festliche Kolonnenfahrten im Advent“, so die Überschrift einer Pressemitteilung. Man habe sich darauf verständigt, die beliebten Lichterfahrten in Brandenburg als Brauchtum anzuerkennen und einen klaren Rahmen für die Durchführung zu schaffen. In einem gemeinsamen Schreiben habe man die zuständigen Behörden entsprechend informiert.
Der Pferdefuß lauert jedoch am Ende der Mitteilung. „Für die An- und Abfahrten der festlich beleuchteten Fahrzeuge gilt: Solange die zusätzlichen Lichtanlagen abgeschaltet bleiben und keine sicherheitsrelevanten Bedenken bestehen, können Teilnehmer ohne Einzelgenehmigung auf direktem Weg zwischen Veranstaltungsort und Heimatstandort fahren“, heißt es dort. Bedeutet: Eine Beleuchtung der Fahrzeuge ist nicht gestattet. Dabei macht das ja gerade eine Lichterfahrt aus.
Nur auf abgesperrten Straßen mit Weihnachtsbeleuchtung
Den Wandlitzer Lichterzauber veranstalten die Vereine „Wir für Wandlitz“ sowie der FSV Basdorf. In diesem Jahr soll er am 13. Dezember stattfinden. Mitveranstalter Marcus Bock erklärt, man habe sich bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde erkundigt und dort die Auskunft erhalten, dass eine zusätzliche Beleuchtung der Fahrzeuge tatsächlich verboten sei.
„Der Grund ist, dass wir nicht auf abgesperrten Straßen fahren, sondern teilweise auf Hauptverkehrsstraßen“, erklärt Marcus Bock. „Die Feuerwehr-Parade in Zepernick beispielsweise darf wie immer stattfinden, weil die den ganzen Straßenzug absperren. Aber bei uns geht das natürlich nicht, dass wir die komplette L 100 sperren.“ Auf dem Parkplatz des Strandbades sei die Beleuchtung dann wieder erlaubt. „Diese Anordnung, mit der sich die Landesregierung jetzt selber feiert, ist absolute Augenwischerei“, kritisiert Marcus Bock. „Denn die Versammlungsfreiheit gab es ja vorher auch schon.“
So sieht das auch Panketals Bürgermeister Maximilian Wonke (SPD), der froh ist, dass die Zepernicker Parade ganz normal stattfinden kann. Er hat kein Verständnis für die Aktion der Landesregierung. „Man hat hier ganz viel Papier beschrieben, um am Ende dasselbe zu machen wie vorher. Und das, ohne dass es einen Anlass, beispielsweise erhöhte Unfallzahlen durch solche Umzüge, gegeben hat. Typisch für das, was gerade in der Regierung falsch läuft. Das kann man keinem Bürger mehr erklären“, findet er.
Veranstalter nutzen rechtliche Schlupflöcher
Marcus Bock und sein Team aus Wanditz lassen sich von den Neuerungen aus Potsdam nicht abhalten. Damit es trotzdem hell und strahlend wird, wollen die Veranstalter kleine Schlupflöcher in der Anordnung nutzen. „Es ist nur festgelegt, dass keine am Fahrzeug befestigte zusätzliche Beleuchtung erlaubt ist. Das gilt allerdings nicht für die Ladung“, hat Marcus Bock herausgefunden.
„Sprich, ein Traktor dürfte keine Lichterkette um seine Schaufel wickeln. Aber wenn er in die Schaufel einen Heuballen oder einen Weihnachtsbaum stellt – den darf er dann mit der Lichterketten umwickeln.“ Ausgenommen vom Beleuchtungsverbot seien auch die Fahrer und Insassen der Fahrzeuge sowie die Personen, die sich auf den Ladeflächen der Anhänger befinden. Sie dürfen sich mit allen Leuchtmitteln behängen, die das Weihnachts-Sortiment hergebe.
Besucher sollen sich Lichterketten umhängen
Inzwischen wandten sich Marcus Bock und Mitorganisatorin Nadine Nauen auch via Social Media mit einem Video an die Wandlitzer. Dort erklären sie die Lage und fordern die Wandlitzer auf: „Kommt mit uns auf die Straße, selbst beleuchtet mit euren eigenen Lichterketten, Lampen und leuchtenden Ideen. Wenn wir gemeinsam strahlen, halten wir unseren Lichterzauber am Leben.“
In den Kommentaren zum Video hagelt es Kritik an der Landesregierung. „Nun wollen sie uns auch noch den Weihnachtszauber nehmen“ und „Alle Traditionen werden zerstört“, heißt es dort. Aber eine Userin schreibt auch: „Aber wenn wir uns alle schmücken und am Wegesrand stehen, sieht's ja auch toll aus.“
Am Strandbad schalten die Fahrzeuge die Lichter an
So wollen es die Organisatoren jetzt auch halten. „Wir machen einfach das Beste daraus“, verspricht Marcus Bock. Zwischen 19.30 und 20 Uhr werden am 13. Dezember alle Fahrzeug-Kolonnen am Strandbad Wandlitz zusammentreffen. Dort dürfen die Fahrzeuge dann alle ihre Lichter anschalten. „Und das werden die tun – dann wird es richtig hell“, kündigt Nadine Nauen an.
Die Besucher erwarten am Strandbad Bratwurst, Kinderpunsch, Glühwein, Waffeln und Crêpes. „Wir wollen keine Preise wie auf den großen Weihnachtsmärkten in Berlin nehmen. Bei uns gibt es Essen und Getränke gegen eine Spende“, betont Marcus Bock. Dafür bekommen die Vereine Gelder aus dem Fördertopf der Ortsbeirates Wandlitz.
Entstanden ist der Brauch in der Corona-Zeit
Entstanden ist der „Lichterzauber“ in der Corona-Zeit. 2020 musste der Weihnachtsmarkt in Basdorf aufgrund der Corona-Einschränkungen abgesagt werden. Damals wollten die beiden Vereine dafür sorgen, dass die Menschen dennoch zusammenkommen können. Dort, wo es erlaubt ist – im Freien. „Angefangen haben wir mit jeweils einigen Traktoren, die auf der Südroute aus Schönerlinde und auf der Nordroute aus Zerpenschleuse in Wandlitz zusammenkamen“, erinnert sich Marcus Bock. Damals seien es noch weniger als zehn Fahrzeuge gewesen, die sich beleuchtet auf den Weg machten.
Inzwischen ist die Fangemeinde gewachsen. Rund 30 Fahrzeuge waren im vergangenen Jahr dabei, die inzwischen alle Ortsteile abfahren, auch auf West- und Ost-Routen. „In manchen Orten ist besonders viel los, beispielsweise in Klosterfelde“, schildert Marcus Bock. In einigen Ortsteilen stellten Menschen Feuertonnen an der Straße auf und vertreiben sich die Zeit bis zur Ankunft des Zuges mit Glühwein mit den Nachbarn. Und in diesem Jahr werden vermutlich besonders viele ganz, ganz viel Licht in die Dunkelheit bringen.



