Es ist eines der heiß diskutiertesten Themen der Stadt: die Frage nach einem Schwimmbad in Bernau. Ist es realisierbar? Oder finanziell ein Fass ohne Boden?
Seit Dienstag gibt es für die Diskussion darüber eine neue Grundlage, denn am Dienstag ist die Machbarkeitsstudie darüber, die von der Stadt zu Jahresbeginn in Auftrag gegeben wurde, öffentlich geworden. 46 Seiten ist sie lang, erstellt von einer Tourismus GmbH in Berlin und einer Unternehmensberatung in Hamburg. Das Fazit der beiden Gutachter ist eindeutig, es lautet: „Verzicht auf ein Schwimmbad in Bernau bei Berlin!“

Zwei Varianten für Sportbad geprüft

Zu dieser Empfehlung sind die Gutachter gekommen, in dem sie eine umfangreiche Standort- und Marktbetrachtung durchgeführt haben, wie es in der Studie heißt. Laut Marktanalyse bestehe ein harter Wettbewerb im Umfeld von Bernau, womit wohl die Bäder in Oranienburg und Eberswalde gemeint sind. Für ein weiteres „besteht kein Marktpotenzial“. Was die Wirtschaftlichkeit angeht, wurden konkret zwei Varianten untersucht: erstens ein reines Sportbad und ein Sport- und Erlebnisbad mit Sauna. Variante eins wäre mit Kosten von rund 6,84 Millionen Euro verbunden, bei Variante zwei wären es nach Schätzung 11,91 Millionen Euro.

Negatives Ergebnis bei Kostendeckungsgrad

Bei beiden Varianten führt die Prognose laut den Gutachtern zu einem „negativen Ergebnis“. Bei der Variante mit dem Sportbad liege der Kostendeckungsgrad bei „nur 35 Prozent“, bei Variante zwei, also der Idee mit Erlebnischarakter, wären es „immerhin 68 Prozent“. Unter Berücksichtigung der Kapitalkosten sei das Gesamtdefizit in Variante zwei dennoch höher als bei Variante eins, heißt es. Das Bad wird als „dauerdefizitäre Einrichtung“ einen jährlichen Zuschuss von mehr als einer Millionen Euro erfordern.
Die Gutachter empfehlen deshalb für den Fall, dass trotzdem der politische Wunsch nach einem Schwimmbad bestehe, dann „sollte dringend mit dem bestehenden Sportforum über eine gemeinsame Projektrealisierung gesprochen werden“.

Bürgermeister führt Gespräche mit Hallen-Betreiber

Dies ist offenbar bereits im Gange. In einer Pressemitteilung der Stadt wird Bürgermeister André Stahl (Linke) wie folgt zitiert: „Aktuell finden ergebnisoffene Gespräche mit dem Betreiber des Sportforums statt, der Überlegungen tätigt, sein vorhandenes Schwimmangebot zu erweitern.“ Die Stadt Bernau favorisiere „eine private Investition ausdrücklich“, so Stahl. Eine solche Variante werde auch nicht kostenlos für die Kommune sein, betont er. Ziel sei es, langfristig Lösungsansätze zusammen mit dem Investor „zur Absicherung des Schul- und Kitaschwimmens sowie des Vereins-schwimmsportes zu erarbeiten“.
Beim Sportforum bestätigt man, dass es Kontakt mit dem Rathaus gibt. „Wenn der politische Wille für ein Sportbad besteht, dann würden wir uns den Gesprächen nicht verschließen“, sagt Matthias Paul, einer der beiden Geschäftsführer des Sportforums, gegenüber der MOZ.

CDU hat Thema Schwimmbad befeuert

Bürgermeister Andre Stahl betonte laut Mitteilung, man sei bestrebt, „das Thema gemeinsam mit den Stadtverordneten und den Nachbarkommunen zu lösen“.
Das Thema Schwimmhalle war Ende 2019 – nach längerer Ruhezeit – wieder hochgekocht, nachdem sich die CDU-Fraktionen von Wandlitz, Bernau und Panketal zusammengeschlossen hatten und gemeinsam eine Schwimmhalle für die Region forderten. Die Bernauer Stadtverwaltung griff es schließlich auch auf.
Bei der CDU freut man sich, dass die Machbarkeitsstudie nun vorliegt. Erst kürzlich hatten die Christdemokraten dazu beim Bürgermeister den aktuellen Erledigungsstand erfragt. Nicht glücklich ist man allerdings über den Weg, wie die Studie nun bekannt geworden ist. „Eigentlich bekommen die Stadtverordneten diese Information aus erster Hand und nicht über die Medien oder als Pressemitteilung“, sagt Fraktionschef Daniel Sauer.

Daniel Sauer: Auch neue Sporthalle „mit Zuschüssen“ verbunden

Die Studie selbst wollte er noch nicht kommentieren, er wolle sie erst im Detail lesen. Sauer betonte allerdings: „Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken zeigen, dass es der Wunsch viele Bernauer ist, dass es ein Schwimmbad gibt.“ Man müsse deshalb überlegen, ob so ein Projekt eine Chance bekommen könne. Er verweist dabei auf den geplanten Bau der Sporthalle an der Ladeburger Chaussee. „Dort sind wir bereit, eine Halle für 17 Millionen Euro zu bauen, die ebenfalls mit hohen Zuschüssen verbunden ist. Und dabei liegen wir über den Kosten für den Schwimmhallenbau.“