Neue Pläne: Liebäugeln mit einem Spaßbad

Im Winter die einzige Möglichkeit zum Schwimmen: das Becken im Sport-Forum Bernau. Es ist gut besucht, wie hier am Freitagvormittag beim Aquafitness-Kurs. Leiterin Sophie Häcker zeigt den Teilnehmern Übungen.
Sergej ScheibeDer Vorstoß der Christdemokraten aus Bernau, Panketal und Wandlitz zum Bau einer Schwimmhalle in der Regionhat am Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung für Diskussionen gesorgt. Bürgermeister André Stahl (Linke) brachte sogar ein Spaßbad ins Spiel.
Als „erste Schlaglichter des Wahlkampfes“ bezeichnete André Stahl am Donnerstagabend die CDU-Forderung nach einer Schwimmhalle für Bernau. „Sie sind als CDU gesprungen, bloß in die falsche Richtung“, bemerkte er. „Was die Bernauer suchen und wollen, ist keine Schwimmhalle, sondern ein Spaßbad“, glaubt das Stadtoberhaupt. „Das kann dann auch ein Schwimmbecken haben.“
Ablehnend steht er einem solchen Projekt offenbar nicht gegenüber. „Wir werden unsere Suche nach einem Investor für ein Spaßbad intensiv voranbringen“, erklärte Stahl. Doch die Investition an sich sei nicht das größte Problem. Jeder im Saal wisse, dass der Betrieb von Spaßbädern und auch Schwimmhallen eine defizitäre Angelegenheit sind. „Wir werden gutachterliche Kostenrechnungen einholen, und es ist dann die politische Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung, ob die Defizite getragen werden und möglicherweise mit wem gemeinsam“, kündigte Stahl an. „Was es aber nicht geben wird, ist eine finanzielle Beteiligung des Landkreises, wie Sie sich vorstellen“, wandte er sich direkt an die CDU-Fraktion. Die Stadt Eberswalde würde sich auf die Schenkel klopfen. Sie gebe das Baff an den Kreis ab und Bernau würde über die Kreisumlage die Defizite mit bezahlen, schilderte der Linke das zu erwartende Szenario.
„Wir reden nicht vom Spaßbad, sondern von einem Schwimmbad!“, erklärte CDU-Vize-Fraktionsvorsitzender Daniel Sauer. Und in Bezug auf das kleine Schwimmbecken im Sportforum, das Stahl gemeinsam mit dem Freibad Waldfrieden und der Plansche als Möglichkeiten für Kita- und Schulschwimmen aufgezählt hatte, erwiderte Sauer: „Das ist ein Bewegungsbecken und noch dazu stark frequentiert.“
Der Bündnisgrüne Klaus Labod unterstützte den CDU-Vorstoß. „Das zu erwartende Defizit ist wohl richtig, aber nur ein Teil der Argumentation, Herr Bürgermeister“, bemerkte er. „Die demografische Entwicklung und der Zuzug schreien förmlich nach einer Schwimmhalle in unserer Stadt.“
Bernau brauche eine Schwimmhalle – für die Gesunderhaltung der Bevölkerung, für Breitensport und fürs Schulschwimmen. „Ja, das kostet Geld, aber das müssen wir uns leisten“, findet Klaus Labod. Die Kosten mindern könne die Stadt, wenn sie sich mit anderen Gemeinden zusammentue. Immerhin handele es sich bei Bernau–Panketal–Wandlitz um einen Siedlungsraum mit 80 000 bis 100 000 Menschen. „Jeder Siedlungsraum von dieser Größe hat mindestens eine Schwimmhalle“, weiß er.
„Ein weiteres, sehr anspruchsvolles Projekt“ sei der Bau einer Schwimmhalle, stellte Detlef Maleuda, Fraktionschef des Bündnis für Bernau, vorsichtig fest. Noch wenige Tage vor der Stadtverordnetenversammlung hatte er seine Zweifel, ob nicht andere Infrastrukturprojekte zum jetzigen Zeitpunkt wichtiger seien. Nun kann er einem solchen Vorhaben wohl aber doch etwas abgewinnen. „Bernau hat schon des öfteren anspruchsvolle Projekte umgesetzt“, sagte er.
