Projekt: Stadtspaziergang mit dem Handy
„Vor zwei Jahren haben wir uns überlegt, wie wir den Handel in die digitale Welt bekommen“, blickte die Geschäftsführerin der Bernauer Stadtmarketing GmbH (BeSt), Franziska Hausding, bei der Präsentation zurück. Das Ergebnis war zunächst ein digitaler Einkaufsführer, inzwischen vielerorts Standard. Der nächste logische Schritt wäre die Entwicklung einer gemeinsamen Online-Plattform gewesen. „Doch dazu reicht das Sortiment einfach nicht aus, um gegen Amazon und Co. bestehen zu können“, so Franziska Hausding. Schließlich entschied man sich für ein Pilotprojekt: den 360°-Stadtspaziergang.
In 102 Panoramen der Bernauer Innenstadt, aufgenommen im Mai 2018, kann sich jeder in den Straßen und auf den Plätzen umsehen sowie Galerien, Museen und weitere Sehenswürdigkeiten entdecken. Aber auch Händler und Gastronomen sind dort zu finden. So können sich Gäste mithilfe virtueller Realität (VR) bereits vor einem Besuch mit Handy, Tablet, Computer oder eben VR-Brille einen guten Überblick über die Stadt verschaffen. Zusätzliche Fotos, Webseiten-Links und Info-Boxen vervollständigen das Angebot.
„Wir haben auch den Veranstaltungskalender eingebunden“, berichtet die BeSt-Geschäftsführerin. So sei bei einem virtuellen Besuch der St. Marien-Kirche ersichtlich, welche Konzerte demnächst stattfinden. Auch die fast 20 Mitglieder der Werbegemeinschaft sind vertreten. Mit einem „Kachel-System“, das sechs bis achtmal im Jahr aktualisiert wird, kann man in ihre Läden schauen. Jeder Händler entscheidet dabei selbst, was er zeigen möchte. Das kann ein Rundgang sein, eine Homepage oder auch ein Image-Video. „Unsere Stärken sind die Menschen vor Ort und ihr Service“, betonte Franziska Hausding. Sie rief zugleich die Partner auf, das Vorhaben weiter zu begleiten. Es werde umso besser, je mehr jeder Arbeit und Zeit investiere.
Monika Müller, die Leiterin der Tourist-Information Bernau, sprach von einem „Start in die virtuelle Welt“. Man werde das Projekt in den kommenden Monaten und Jahren fortsetzen. Dann sollen sich dort auch alle Ortsteile von Bernau wiederfinden. Darüber hinaus werde man weitere Sehenswürdigkeiten wie das Bauhaus oder die Naturschönheiten rund um den Liepnitzsee einbeziehen.
Entwickler und Anbieter des 360° Stadtspaziergangs ist die VR-Easy GmbH aus dem uckermärkischen Angermünde. Das Unternehmen bietet eine Cloud-Plattform zur Verwaltung virtueller Rundgänge mit einer Bearbeitungsfunktion in Echtzeit an. Nach eigenen Angaben nutzen bereits mehr als 500 Unternehmen und Privatpersonen den Service. Zu den Kosten machte Franziska Hausding, da es sich in Bernau um ein Pilotprojekt, handelt, keine Angaben. Laut VR-Easy-Geschäftsführer Waldemar Wegner ist ein „Standard-Paket“ bereits für knapp 10 000 Euro zu bekommen. Die monatliche Gebühr für die Cloud-Nutzung liegt bei neun Euro.
Die weitere Pflege des Systems werden Mitarbeiter der Bernauer Stadtmarketing GmbH übernehmen. Denkbar wäre es, dass Partner später ein Login erhalten. Koordinator bleibe aber weiterhin die Stadt Bernau und ihr Tochterunternehmen.
Die VR-Brillen, sie können die Handys aufnehmen, gibt es für drei Euro im BeSt-Online-Shop und in der Tourist-Information.

