Rohbau
: Neues Rathaus bereits zu klein

Stadt hält sich mit einem Teil des Laubenganghauses eine Option für mehr Büroflächen offen
Von
Sabine Rakitin
Bernau
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Nimmt weiter Gestalt an: das Neue Rathaus Bernau. Der Rohbau an der Bürgermeisterstraße/Ecke Grünstraße steht. Jetzt geht es an den Innenausbau. In dieser Woche setzte Tischler Martin Weiß die ersten Fenster in den Neubau ein.

Wolfgang Rakitin

Noch befindet sich das Neue Rathaus Bernau im Bau. Doch schon jetzt gibt es Zweifel, ob der Platz ausreichen wird, um — wie geplant — alle Bereiche der Stadtverwaltung in dem neuen Gebäude unterzubringen. Ein Teil des benachbarten Laubenganghauses könnte das Problem lösen.

Wenn die Stadtverordneten heute um 18 Uhr in der Rotunde an der Zepernicker Chaussee zusammenkommen, um ihre vor 14 Tagen unterbrochene Sitzung fortzusetzen, wird es auch um das Neue Rathaus gehen. BVB/Freie Wähler hatte dazu eine umfangreiche Anfrage an die Verwaltung gestellt. Eine Frage lautete: „Inwiefern ist es beabsichtigt, weitere umliegende Räumlichkeiten/Flächen für die Nutzung als Rathausnbeubau heranzuziehen?“. In seiner Antwort darauf verwies Bürgermeister André Stahl auf einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 6. Juli 2017, wonach ein Übergang vom Neuen Rathaus zum Laubenganghaus hergestellt werden soll, „um die Option zur Nutzung von Teilen des Laubenganghauses in den Rathausbetrieb zu eröffnen“. „Gegenwärtig erfolgt durch den Eigentümer eine Prüfung zur Umsetzung dieses Gedankens in technischer und rechtlicher Hinsicht“, erklärte Stahl.

Auch CDU–Fraktionsvize Daniel Sauer hebt in einer Anfrage auf das Thema ab. Es gebe in der Stadt Spekulationen darüber, ob der Einzug des Bauamtes in die Bürgermeisterstraße 5 der Anfang von extra Büros im Laubenganghaus sein soll. „Wir wollen wissen, ob ins Laubenganghaus zusätzliche Büros reinkommen und wenn ja, warum und wie viele“, informierte er die Mieter des Laubenganghauses in einem Brief. Sauer befürchtet, dass zu Gunsten von mehr Platz für die Verwaltung Mieter aus dem Haus rausgedrängt und Wohnungen gekündigt werden. „Müssen einzelne Hausaufgänge umziehen? Was passiert, wenn Mieter in den nächsten Monaten ausziehen? Werden weitere Geschäfte geschlossen? Bleibt der Edeka?“, macht der Ladeburger einen ganzen Fragenkatalog auf. Seine Fraktion dränge auf „Transparenz und Klarheit“, versichert er in dem Schreiben an die Mieter, das mit CDU–Mitglied Sascha Rebbin auch ein „Nachbar aus der Mühlenstraße und Vater von zwei kleinen Kindern, die ganzjährigen den Baulärm im Kinderzimmer haben“, unterzeichnet hat.

Bürgermeister Stahl ist sauer über „diese Art von Wahlkampf“. Ja, es sei richtig, mit dem Beschluss der Stadtverordneten aus dem Jahre 2017 habe sich die Stadt die Option eröffnet, Räume des Laubenganghaus für Büros zu nutzen, sollte Not am Mann sein, sagt er. Der Rathaus–Chef verweist auf 24 neue Stellen, die 2019 in der Verwaltung besetzt werden. Diese Mitarbeiter seien bei Planung des Raumbedarfs im Neuen Rathaus nicht berücksichtigt worden. „Damit fehlen allein zwölf Büros“, stellt er fest.

Zurzeit prüfe die städtische Wobau, Eigentümerin des Laubenganghauses, die Voraussetzungen dafür, ob und wie ein Teil des Gebäudes für Rathauszwecke genutzt werden könne. „Aber ich sage klipp und klar: Kein Mieter muss Angst haben, seine Wohnung zu verlieren. Es wird niemandem der Mietvertrag gekündigt“, legt sich Stahl fest. Wenn es dazu komme, dass im Laubenganghaus Büros eingerichtet würden, dann nur in solchen Wohnungen, die durch „natürliche Fluktuation“ frei geworden seien. Völlig ausgenommen von solchen Überlegungen seien die Ladengeschäfte.