Tierquälerei bei Schwedt
: Verbotene Falle reißt Katze Checky die Pfote ab

In Pinnow bei Schwedt ist eine junge Katze durch eine illegale Totschlagfalle qualvoll verstümmelt worden. Tierschützer fordern seit Jahren für ein Verbot von Fallen. Wie es um Kater Checky steht.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Kater Checky aus Pinnow bei Schwedt: Ein Bild des drolligen Freigängers aus glücklichen Tagen.

Uwe Huß

Den Anblick werden Uwe und Andrea Huß aus Pinnow bei Schwedt nie mehr vergessen, als ihr Kater Checky völlig verstört und mit blutiger, zerfleischter, fast abgerissener Vorderpfote an ihrem Küchenfenster vorbei humpelte. Checky ist eine kastrierte Freigänger-Katze und stromert tagsüber gern durchs Dorf und die angrenzende Natur, wie es viele andere Katzen auf dem Lande auch tun. Jeden Morgen pünktlich um 8 Uhr und nachmittags um 16 Uhr sitzt er vor der Haustür und wartet auf sein Futter.

Katze Checky lebt seit einem Jahr in der Familie

Der etwa dreijährige Kater ist der Familie im Sommer 2022 zugelaufen und seitdem gehört er zur Familie, in der noch weitere zwei Katzen und ein Hund leben. Doch an jenem Morgen des 21. Oktober 2023 kam Checky nicht wie gewohnt zum Futternapf. „Wir haben uns noch nichts dabei gedacht, er wird schon irgendwann auftauchen“, erinnert sich Uwe Huß.

Doch wie er tatsächlich mittags wiederkam, das hätten sich Andrea und Uwe Huß in ihren schlimmsten Fantasien nicht ausmalen wollen. „So eine Wunde habe ich noch nie gesehen. Das Tier muss qualvolle Schmerzen gelitten haben.“

Die Odyssee zur Rettung von Katze Checky

„Wir haben sofort herumtelefoniert, um den tierärztlichen Notdienst ausfindig zu machen. Allein das war schon eine Odyssee. Doch als wir den diensthabenden Bereitschaftstierarzt endlich fanden, ging niemand ans Telefon. In Prenzlau wurde uns endlich geholfen. Die Tierärztin Sabine Reichner war sofort bereit, unseren Checky zu retten.“

Uwe Huß fuhr sofort mit dem schwerverletzten Tier fast 50 Kilometer weit von Pinnow nach Prenzlau zur Kleintierpraxis von Sabine Reichner. Selbst für die erfahrene Tierärztin war so eine grausame Verletzung nicht alltäglich.

Katze Checkys schreckliches Schicksal nach Schlagfallen-Unfall

Checkys Vorderlauf war schlimm zugerichtet und hing nur noch in Fetzen am Körper. Der Kater wurde notoperiert, aber die Pfote war nicht mehr zu retten. Das Bein musste bis zum Schultergelenk amputiert werden.

Anhand der Verletzung vermutete die Tierärztin sofort, dass der Kater in eine sogenannte Schlagfalle geraten sein muss. Da er sich daraus eigentlich nicht allein befreien kann, vermuten die Tierbesitzer, dass der Fallensteller die gefangene Katze gefunden haben und freigelassen haben muss und sie trotz der schweren Verletzung einfach sich selbst überließ.

Kater Checky aus Pinnow bei Schwedt ist nach der Not-OP wieder zu Hause. Er verlor durch eine illegale Schlagfalle ein Bein.

Daniela Windolff

Totschlagfallen – grausame Praxis trotz Verbot

Schlagfallen, wie zum Beispiel Tellereisen, sind laut Jagdgesetz Paragraf 19 (BJagdG) verboten. Denn bei ihrem Einsatz sei eine augenblickliche Tötung des Tieres nicht immer sicherzustellen, da der jeweilige Mechanismus der Fallen das Tier an unterschiedlichen Körperstellen treffen könne, heißt es in der Begründung. Allein das Aufstellen einer solchen Falle ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 50.000 Euro Bußgeld geahndet werden.

In einigen Bundesländern sind bestimmte Arten von Schlagfallen jedoch noch erlaubt. Auch in Brandenburg gibt es Ausnahmen, die unter bestimmten Voraussetzungen und nur von Jagdausübungsberechtigten verwendet werden dürfen.

Peta kämpft um deutschlandweites Verbot solcher Tierquälerei

Die Tierschutzorganisation Peta kämpft deshalb seit Jahren für ein grundsätzliches deutschlandweites Verbot von Fallen, insbesondere Totschlagfallen. Sie sollen theoretisch zwar sofort töten, tun dies aber häufig nicht. Viele Tiere sterben in diesen Fallen einen langsamen und qualvollen Tod oder werden grausam verstümmelt, argumentieren die Tierschützer.

In Berlin, Sachsen, Thüringen, Hessen, Saarland, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sind Totschlagfallen bereits generell verboten.

Tierquälerei auch durch Lebendfallen

Doch auch Lebendfallen, wie Kastenfallen oder Betonröhrenfallen bedeuten viel Leid für gefangene Tiere. PETA hat eine Petition für ein Fallenjagdverbot gestartet. Uwe und Andrea Huß können das nur unterstützen. „Es ist grausam und gefährlich. Was, wenn spielende Kinder in so eine Falle geraten?“, warnen sie.

Nach fünf Tagen konnte Checky wieder nach Hause. „Dank der schnellen OP und liebevollen Fürsorge des Tierarzt-Teams geht es ihm den Umständen entsprechend gut. Mit weiterer tierärztlicher Nachsorge, der Gabe von Antibiotika, Schmerzmitteln sowie köstlichen Schlemmerhappen versuchen wir unserem ‚Dreibein‘ den Start in sein neues Leben geduldig zu ebnen“, berichtet Uwe Huß.

Gelingt die Inklusion für Dreibein Checky?

Kater Checky ist zwar gerade so mit dem Leben davongekommen, doch das ist nie mehr wie früher. „Er ist zwar sehr zutraulich und kuschelig, aber nicht an die Wohnung gewöhnt, zumal hier die beiden anderen beiden Katzen und der Hund dominieren. Doch als Dreibein kann er sich nun noch schwerer behaupten und nicht mehr schnell flüchten“, gibt Andrea Huß zu bedenken und macht sich Sorgen, ob die „Inklusion“ gelingt. Vielleicht gibt es Tierfreunde, die Checkys Schicksal rührt und die ihm nach seiner Genesung ein neues Zuhause geben können, wo er viel Zuwendung und Pflege bekommt, auch wenn er jetzt durchs Leben humpeln muss.

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