Tourismus
: Warme Worte zum Wandlitzer Tourismus

Der Tourismus in der Gemeinde besitze das Potenzial, um Zugkraft für den gesamten Landkreis zu entwickeln. Zu dieser Meinung kommen Berliner Tourismus-Experten.
Von
Hans Still
Wandlitz
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Experten-Rat: Matthias Beyer referierte in Wandlitz zum Thema Nachhaltigkeit.

Hans Still

Großer Anspruch, zukunftsweisende Visionen, darunter macht er es nicht: Die Funktion einer „Lokomotive für den Landkreis Barnim“ traut der Berliner Tourismus-Experte Peter Becker der Gemeinde Wandlitz im Landkreis Barnim zu. Wandlitz habe mit seinen touristischen und den kulturellen Möglichkeiten, besonders aber mit der üppigen Naturausstattung das Potenzial, um als „würdiges Eingangstor“ die Gäste verstärkt in den Barnim zu locken.

Warme Worte, die am Mittwochabend den Teilnehmern bei Tourismus-Workshop mit der Überschrift „Natürlich und nachhaltig“ sichtlich gefallen. Auch der scheidenden Bürgermeisterin Jana Radant, die in den zurückliegenden acht Jahren ein ums andere Mal versucht hatte, starke touristische Akzente zu setzen. Nicht immer fand das den gewünschten Anklang, wie sie im Workshop launisch bemerkte. „Hier muss man mit den Gemeindevertretern noch kämpfen, damit sie die Bedeutung des Tourismus begreifen. Die Kenntnisse darüber sind einfach zu gering“, erklärte sie dem Auditorium. Gleich im Anschluss stellte sie aber Erfolge in den Mittelpunkt. 2020 werden schließlich fünf Radwanderwege und der Rundweg eröffnet, heißt es beispielsweise. Becker hingegen brachte frische Zahlen aus der jüngsten Saison mit. Demnach lag bei den erfassten 17 Wandlitzer Übernachtungsbetrieben mit 959 Betten im August die Auslastung bei 50,5 Prozent. Ein Minus zum Vorjahr von 1,2 Prozent und möglicherweise eine Auswirkung der Strandbad-Schließung.

Geschickt moderierte Becker durch den Abend und brachte immer wieder Matthias Beyer ins Spiel. Der Berliner Gast befasst sich ebenfalls mit Tourismusthemen und plauderte munter über seine Erfahrungen, über Trends und zusätzliche Chancen auf Mehrwert, die in Wandlitz womöglich saisonverlängernd wirken könnten. Denn über den Zuspruch in der Saison, darüber waren  sich alle Anwesenden einig, müssen sich die Touristiker nicht sorgen. „Da wird eher schon eine Überforderung signalisiert“, wusste nicht nur Becker.

Referent Beyer rückte unter anderem das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus. Demnach traut er diesem Thema ein ungeheure Bedeutung zu, wenngleich zwischen Anspruch und Wirklichkeit derzeit noch eine Lücke klaffe. „Nur sechs Prozent der Reisenden entscheiden wirklich nach Kriterien der Nachhaltigkeit, der verbale Anspruch ist natürlich viel höher“, sagte Beyer.

Er regte auch an, über den Wandlitzer Slogan „Echt schön hier“ hinaus zu denken. „Das werden andere Regionen auch von sich behaupten. Sinnvoll wäre, diese Behauptung zu unterfüttern und konkret zu sagen, worin in Wandlitz der Unterschied liegt.“

Kreis ohne Tourismuskonzept

Eine weitere Idee der Zukunft: Gerade unter jüngeren Reisenden gewinnt der sogenannte Selfie-Faktor an Gewicht. Besonders bei Instagram-Nutzern sei dies ein wichtiger Trend. „Wer mit tollen Perspektiven für Selfies locken kann, wird morgen die Gäste haben“, gab Beyer seinen Zuhörern an die Hand.

In der offenen Diskussion offenbarten sich diverse Probleme, die teilweise nur angerissen wurden. So gebe es im Landkreis seit 2003 keine Tourismuskonzeption, beklagte die Bürgermeisterin.