Verkehr: Baumängel an der A10: Neue Autobahn wieder kaputt

Mit seiner sieben Tonnen schweren Stahlplatte zertrümmert der "GOGO-Hammer" die Betonfahrbahn.
Werner SchößlerPlötzlich war es da, dieses Rumsen. Alle paar Sekunden: Rums. „Das war wie kleine Erdbeben, der ganze Boden hat gezittert“, betont Werner Schößler. Er hatte sich schon gewundert. Von der Autobahn könnten die Geräusche ja eigentlich gar nicht kommen, war sein erster Gedanke. Ist ja fertig, der Abschnitt auf der A10 vom Dreieck Barnim bis zur Landesgrenze Berlin.
Doch als er vor wenigen Tagen von seinem Haus in Panketal in Richtung Autobahn lief, folgte die Überraschung. „Auf der nördlichen Fahrbahn stand eine tonnenschwere Maschine, die die neue Fahrbahndecke wieder aufgebrochen hat,“ berichtet Schößler. Meter für Meter, Rums für Rums. Ein Arbeiter soll Schößler gesagt haben, es handle sich um Pfusch am Bau. Alles müsse neu gemacht werden. Und so ganz falsch war die Info des Arbeiters offenbar nicht.
Das ergab eine Nachfrage beim Landesbetrieb Straßenwesen. Die Sprecherin der Behörde, Cornelia Mitschka, bestätigte, dass seit Mitte Oktober auf dem eigentlich fertig gestellten Abschnitt die Deckschicht der Fahrbahn erneuert werden muss, die eigentlich 2018 fertig gestellt wurde. Das geschehe im „Rahmen einer Gewährleistung“, nachdem bei einer Qualitätskontrolle Mängel im Fahrbahn-Beton festgestellt worden sind. „Bei den Baumängeln geht es um Beschaffenheit und Zusammensetzung des Betons“, so Mitschka.
Der konkrete Abschnitt, auf dem jetzt die Fahrbahndecke wieder runter muss und eine neu drauf, ist 1,7 Kilometer lang. Er beginnt direkt am Dreieck Barnim und verläuft in Fahrtrichtung Hamburg zum Dreieck Pankow. Tausende Autofahrer sind hier täglich unterwegs. Für sie heißt es: wieder eine Baustelle. Wieder nur zwei statt drei Spuren pro Richtung. Wieder nur Tempo 80. Und für die Anwohner im direkt neben der A10 gelegenen Panketal heißt es: wieder Lärm.
Spezialmaschine mit „Fallbeil“
Seite Mitte Oktober laufen die Arbeiten bereits. Und sie werden noch einige Zeit andauern, wohl bis Ende des Jahres, heißt es beim Landesbetrieb Straßenwesen.
Immerhin, ein Lichtblick gibt es aus Anwohnersicht: Die Spezialmaschine, die den Beton aufgerissen hat, ist weg. Dabei handelte es sich um einen sogenannten GOGO-Hammer. Er steht auf vier Rädern und hat an seiner Front eine sieben Tonne schwere Stahlplatte montiert, die wie ein Fallbeil funktioniert. Aus drei Metern Höhe kracht sie mehrfach pro Minute auf den Beton. „Wie bei einer Guillotine“, sagt Anwohner Schößler.
Er hofft nun, dass Ende des Jahres wirklich alles fertig ist. Auch der Lärmschutz fehle noch. Seine Bedenken, der Steuerzahler müsse am Ende für die neue Fahrbahndecke aufkommen, sind aber wohl nicht gerechtfertigt. Das muss die Firma aufbringen, die für die Mängel verantwortlich ist.
„Da die Nachbesserung vor Abnahme erfolgt, bedeutet das, dass für den Auftraggeber keine zusätzlichen Kosten entstehen“, sagt Cornelia Mitschka. Wie hoch die Kosten sind, ist nicht bekannt.
Der sechsspurige Ausbau der A10 auf dem nördlichen Berliner Ring zwischen Dreieck Barnim und Berliner Landesgrenze wurde vor zwei Jahren gestartet. Er ist erforderlich, weil auf diesem Abschnitt bis 2025 eine tägliche Belastung von 75 000 Fahrzeugen erwartet wird. Die gesamten Baukosten wurden mit 18 Millionen Euro angegeben.
