Vorwurf der Verwahrlosung
: Prendener Tierhalter von Schwarzwild angezeigt

Eine MOZ-Leserin berichtet von „katastrophalen Zuständen“ bei einem Prendener Tierzüchter.
Von
Hans Still
Prenden
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  • Zuviel Niederschlag: Keiler Fridolin passt genau auf, wer sich dem Gehege nähert. Er nimmt auch den Schlamm in Kauf. Eine MOZ-Leserin berichtet von "katastrophalen Zuständen" bei seinem Halter, weil das Schwarzwild zum Teil im Schlamm stehe.

    Zuviel Niederschlag: Keiler Fridolin passt genau auf, wer sich dem Gehege nähert. Er nimmt auch den Schlamm in Kauf. Eine MOZ-Leserin berichtet von "katastrophalen Zuständen" bei seinem Halter, weil das Schwarzwild zum Teil im Schlamm stehe.

    Hans Still
  • Deutlich nachgebessert: Der Prendener Hobbyzüchter André Beckmann nutzt das Wochenende, um den Anteil der trockenen Flächen in seinem Wildschwein-Gehege deutlich zu erhöhen. Der Stall war jedoch immer trocken, so wie es für die Tierhaltung vorgeschrieben ist.

    Deutlich nachgebessert: Der Prendener Hobbyzüchter André Beckmann nutzt das Wochenende, um den Anteil der trockenen Flächen in seinem Wildschwein-Gehege deutlich zu erhöhen. Der Stall war jedoch immer trocken, so wie es für die Tierhaltung vorgeschrieben ist.

    Hans Still
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Die Bache und der Keiler sind derzeit von Nachkommen umgeben, im gut einhundert Quadratmeter großen Gatter herrscht ein reges Treiben. Aber das ist natürlich nicht der Grund, der unsere Leserin Gea B.* dazu bewegte, sich an die MOZ und gleichzeitig an das Veterinäramt des Landkreises zu wenden. Eine „katastrophale Tierhaltung von Schwarzwild“ bringt die Tierfreundin zur Sprache und fordert unverzüglich Besserung. Demnach sei das gesamte Gehege „ein einziges Schlammloch“, der Moder reiche den Tieren bis an den Bauch. „Die einzig trockene Stelle ist der zirka fünf Quadratmeter große Unterstand für mehrere große Tiere und zeitweise auch Frischlinge“, hat die Leserin beobachtet. „Dass Schwarzwild Suhlen für das Wohlbefinden benötigt, steht außer Frage. Aber man kann die Tiere nicht im Schlamm halten“, urteilt die Tierfreundin.

Der Besuch vor Ort bestätigt die beschriebenen Zustände teilweise. Am Sonnabendnachmittag ist Tierhalter André Beckmann gerade dabei, frisches Häckselmaterial vor dem Grundstück in seine Karre zu schippen, um  die Fuhren dann im Gehege auszubreiten. Ein Bekannter stellt ihm das Biomaterial in größeren Mengen zur Verfügung. "Ich breite das Material zusammen mit Stroh im Gehege großflächig aus und kann damit die nassen Stellen deutlich reduzieren“, erklärt der gelernte Tischler und bekennende Tierfreund dazu. Vor zehn Jahren schaffte er sich seinen „Dicken“ an. Gemeint ist der kräftige Keiler, der auf den Namen Fridolin hört. Die Bache Frieda kam vor sechs Jahren dazu – seitdem besitzt Fridolin seine eigene Familie.

Für die zahlreichen Gäste am Strehlesee gehört der Blick auf das Gehege zum Ritual. Kanadagänse, Hühner, Ziegen und Diamanttauben gibt es zu entdecken. Und eben das Schwarzwild, das je nach Lust und Laune mal im Schlamm rumstapft oder eben auf dem festen Boden bleibt. „Ich kenne das Problem natürlich und bin dabei, die nassen Flächen zu reduzieren“, räumt Tierhalter Beckmann während der Arbeit ein.

Tiere leben gesund

Das Veterinäramt war schließlich ebenfalls zur Kontrolle vor Ort. Beckmanns Problem sind die anhaltenden Niederschläge, die das Geviert nach und nach unter Wasser setzten. "Der Halter hat aufgrund der Topographie ein Problem mit dem Wasserabfluss im Gehege“, heißt es dazu einem Antwortschreiben des Veterinäramtes auf die Anfrage der MOZ. „Die Aussage, dass das gesamte Gehege der Tiere ein einziges Schlammloch ist, kann so nicht bestätigt werden. Bei unserer letzten Kontrolle waren etwa zwei Drittel des Geheges verschlammt“, gibt Pressesprecher Oliver Köhler die Informationen aus dem Veterinäramt weiter.

Zudem entspreche die Größe des Geheges den Bestimmungen des Tierschutzgesetzes Es seien ausreichend trockene Liegeflächen für die Tiere vorhanden, sodass die Gesundheit des Schwarzwildes durch den Schlamm in keiner Weise beeinträchtigt sei. „Das Veterinäramt führt hier ein Verwaltungsverfahren, um die Zustände zu ändern“, heißt es dennoch. Dass Beckmann beim Veterinäramt angezeigt wurde, wundert ihn nicht, es bringt ihn auch nicht aus der Ruhe. „Ich bin Jäger und sehr wohl für das Tierwohl. Und ich tue etwas gegen den Schlamm, aber der Dauerregen macht es mitunter schwer, hinterher zu kommen.“ Und er ergänzt: „Hier kommen ganz unterschiedliche Menschen vorbei. Einige finden die Tierhaltung gut, weil eben klar wird, woher unser Fleisch und unsere Wurst kommen. Andere verurteilen das Schlachten für die eigene Versorgung. Ich bin schon froh, wenn Fremde die Tiere nicht füttern.“ *Name geändert