Weihnachten 2024 in Wandlitz: Einsame Senioren – diese Angebote gibt es

Elf Prozent der über 65-jährigen Menschen werden Weihnachten alleine verbringen. Für viele wird es ein trauriges Fest.
Frank Molter/dpa- Elf Prozent der Senioren über 65 verbringen Weihnachten allein; Ursachen sind Isolation und Distanz.
- Verein "Bürger helfen Bürgern" in Wandlitz bringt Senioren mit Helfern zusammen, es entstehen Freundschaften.
- Initiativen wie der "Lebendige Adventskalender" fördern Gemeinschaft und bekämpfen Einsamkeit.
- Kerstin Lietz empfiehlt, Zeit statt Geschenke zu schenken, um Senioren Freude zu bereiten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Werbespot war der Renner: Nachdem ihn wieder keines seiner Kinder zu Weihnachten besuchen kommt, täuscht ein Senior seinen eigenen Tod vor, damit die Familie anlässlich der Beerdigung endlich mal wieder zusammen trifft. Rund 70 Millionen mal wurde der von einer Supermarkt-Kette 2020 in Auftrag gegebene Spot angeschaut.
Dahinter steckt eine traurige Wahrheit: Viele Menschen sind an Weihnachten einsam. Besonders häufig trifft es Senioren.
Laut einer repräsentativen Studie im Auftrag der Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen, die am Donnerstag (19. Dezember) veröffentlicht wird, werden sieben Prozent der Deutschen Weihnachten alleine zu Hause verbringen. Bei den über 65-Jährigen sind es sogar elf Prozent. Räumliche Distanz, gesundheitliche Einschränkungen oder soziale Isolation seien die Gründe, weshalb die Menschen das Fest nicht im Kreise ihrer Familie verbringen.
Seniorin beschreibt ihre Erfahrungen auf Social Media
Auf einer Wandlitzer Internetplattform schrieb Anfang Dezember eine Seniorin von ihren Erfahrungen. Sie verstehe ihre Kinder nicht, die lieber auf den Weihnachtsmarkt gingen, statt ihrer Einladung zu Kaffee und Kuchen zu folgen.
Auch zuvor habe sie die Kinder und Enkel ein paarmal eingeladen, aber da es keinen wirklichen Anlass gegeben habe und sie nicht krank war, seien diese nicht erschienen. Sie wette, zu ihrer Beerdigung würde dann aber jeder kommen, um ihr die letzte Ehre zu erweisen, schrieb die Seniorin in ihrem Post.
Was die Post-Erstellerin berichte, sei kein Einzelfall, sagt Kerstin Lietz. Sie ist unter anderem im Verein Bürger helfen Bürgern aktiv, der sich ganz besonders um ältere Menschen in der Gemeinde kümmert.
Älteren Menschen fehlt jemand zum Reden
Der Ursprungsgedanke des Vereins war, ältere und junge Wandlitzer zusammenzubringen. In Wandlitz leben viele Senioren in den eigenen Einfamilienhäusern. Die Arbeiten, die damit verbunden sind, schaffen viele nicht mehr. Die Jüngeren sollten die Senioren bei Arbeiten unterstützen, beispielsweise bei den Einkäufen oder kleineren Arbeiten im Garten.
„Wir haben aber sehr schnell gemerkt, dass das nicht das Hauptproblem ist“, sagt Kerstin Lietz. „Das, was den älteren Menschen viel eher fehlt, ist jemand zum Reden. Jemand, der Zeit für sie hat, vielleicht mit ihnen spazieren geht. Viele sind einfach einsam.“
Vor allem in der dunklen Jahreszeit, in der sich niemand so gerne im Freien aufhalte, sei es für die Senioren schwer, mit anderen in Kontakt zu kommen. Viele säßen dann besonders viel alleine zu Hause.
30 feste Paare von Senioren und Helfern haben sich gefunden
„Die meisten haben schon Familie in der Nähe, aber die Kinder müssen meist arbeiten, haben so kurz vor Weihnachten selbst sehr viel zu tun und die Enkel haben auch nicht immer Lust, Oma und Opa zu besuchen“, weiß Kerstin Lietz.
Der Verein versucht, genau dort anzusetzen. Über 30 feste „Paare“, also Senioren und Helfer, sind inzwischen entstanden. „Die sind inzwischen so eingespielt, dass die sich selbst koordinieren“, weiß Kerstin Lietz. Die Helfer würden die Senioren unterstützen, wo Hilfe gebraucht wird – und oftmals einfach nur ihre Zeit zur Verfügung stellen. Derzeit habe man sogar mehr Helfer als Senioren, freut sich Kerstin Lietz über den großen Zuspruch.
Aus Sozialstunden entstand eine Freundschaft
So seien auch Freundschaften entstanden. Oftmals auf ungewöhnlichen Wegen. „Ich hatte einen jungen Mann, der Sozialstunden leisten musste. Den habe ich an eine Seniorin vermittelt, die der Familie wegen von Kiel in das Seniorenheim nach Basdorf gezogen ist. Sie hatte sich bereits im Vorfeld bei uns gemeldet, weil sie etwas Sorgen hatte, da sie außer ihrer Familie ja hier niemand kannte.“
Die Paarung erwies sich als Volltreffer. Der junge Mann ging mit der Seniorin spazieren und es entstand eine Freundschaft. „Das ist jetzt zwei Jahre her. Mittlerweile studiert der junge Mann. Aber soweit ich weiß, machen sie ihre Spaziergänge immer noch“, sagt Kerstin Lietz.
„Lebendiger Adventskalender“ bringt Menschen zusammen
Eine junge Frau aus Berlin, die sich sozial engagieren wollte, habe sie vermittelt an eine Seniorin mit ADHS. „Wir hatten erst Bedenken, ob das funktioniert, weil das schon eine besondere Herausforderung war, aber es hat super geklappt. Die Seniorin interessiert sich sehr für Computer. Die junge Frau hat ihr geholfen, den Rechner einzurichten und ihr gezeigt, wie sie sicher im Internet surfen kann. Da hatten auch beide was von.“
Eine der Helfer-Familien lade „ihre“ Seniorin auch zu Weihnachten ein, weiß Kerstin Lietz zu berichten.
In Wandlitz gibt es noch mehr Unternehmungen gegen die Einsamkeit. So zum Beispiel den „Lebendigen Adventskalender“. Fast an jedem Tag im Dezember treffen sich dazu an verschiedenen Orten der Gemeinde Menschen vor Fenstern und Türen, im Garten oder auch mal unter Carports. Die Gestaltung des Abends übernehmen die Gastgeber. Hier kann man gemeinsam Tee trinken, Plätzchen verkosten, Lieder singen, Geschichten hören und die eine oder andere Überraschung erleben.
Die nächsten Termine:
- Am 20. Dezember lädt Andrea Schneider um 17 Uhr an die Straße An der Kehlheide 10 nach Wandlitz ein.
- Einen Tag später trifft man sich um 15 Uhr am Lanker Weg in Lanke bei Familie Kempa.
- Am 23. Dezember ist Sabine Beyersdorff die Gastgeberin um 17 Uhr an der Prenzlauer Chaussee 131 in Wandlitz.
- Eingeladen ist jeder, der Lust auf ein oder zwei Stunden Gemeinschaft hat.
Weihnachten 2024: Zeit schenken statt Pralinen
Kerstin Lietz weiß, dass es für viele Angehörige schwer ist, im straffen Terminkalender aus Arbeit und vielen Terminen den Besuch bei den Eltern unterzubringen. Ihr Rat: „Der Oma mal nicht Pralinen zu Weihnachten schenken, sondern gemeinsame Unternehmungen“.
Das müssten gar keine großen, zeitaufwendigen Sachen sein. „Aber ein Besuch im Barnim Panorama, ein gemeinsamer Spaziergang oder eine Einladung zum Essen, das ist für die Senioren schon eine tolle Sache“, weiß Kerstin Lietz. „Dann fühlen sie sich gebraucht und haben nicht das Gefühl, nur der 'Geschenkeschenker' zu sein an Weihnachten.“
Der Verein Bürger helfen Bürgern in Wandlitz hat seinen Sitz im Café Stall, gegenüber der evangelischen Dorfkirche in Wandlitz. Sprechzeiten sind Dienstag und Donnerstag von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr. Telefonisch ist der Verein erreichbar unter: 0151 70503393.




