Wintersport: Am Anfang wurden die Wandlitzer belächelt
Herr Zurawski, derzeit sieht es überhaupt nicht nach Winter aus. Wie gehen Sie und Ihr Verein damit um.
Robert Zurawski: Das ist ja nicht nur hier, sondern auch in den deutschen Mittelgebirgen so. Es ist deshalb tatsächlich eine schwierige Situation. Bis gut tausend Meter ist überall Schneemangel. Zuletzt sollten beispielsweise vier Kinder aus unserem Verein nach Oberhof zum deutschen Biathlon-Schülercup fahren, doch der Wettkampf ist abgesagt worden. Es liegt einfach kein Schnee. Deshalb ist der Cup ersatzlos gestrichen worden, weil es keine Ausweichmöglichkeiten gibt. Es ist dieses Jahr wirklich extrem. So habe ich das in den vergangenen Jahren nicht erlebt.
Ein Sportler arbeitet genau auf solche Wettkämpfe gezielt hin. Wie groß ist die Enttäuschung, dass derzeit vieles auf der Kippe steht?
In Brandenburg sind wir es gewohnt, dass wenig bis kein Schnee liegt. Insofern sind die Bedingungen diesmal für alle ähnlich. Dass nun aber Saisonhöhepunkte abgesagt oder verschoben werden, ist aber natürlich schade. Die Kinder arbeiten genau darauf hin.
Sie sprechen es an: Schnee im Barnim gab es zuletzt selten. Fahren Sie denn regelmäßig mit den jungen Sportlern in Ski-Gebiete zum Training, um sich auf die Wettkämpfe vorzubereiten?
Wir trainieren zu Hause montags und mittwochs – wenn Wettkämpfe anstehen, sogar noch häufiger. Dann fahren wir relativ oft nach Thüringen. Wie bei uns sind wir auch dort viel mit Rollskiern unterwegs. Dabei geht es darum, einen weiteren Nachteil auszugleichen, denn in der Heimat haben wir nicht nur keinen Schnee, sondern auch keine Berge. Auf Skiern trainieren wir meistens in der Skihalle in Oberhof. Diese steht uns zur Verfügung.
Ist die Verbindung nach Thüringen auch ein Grund dafür, weshalb viele Nachwuchs-Biathleten aus Ihrem Verein für dieses Bundesland bei Wettkämpfen starten?
Diese Kinder kommen zwar von hier, sind aber auch Mitglied beim WSV Oberhof und starten für Thüringen. Der Landesskiverband Brandenburg ist einfach nicht ganz so stark und deshalb war es für uns einfacher, die leistungsstarken Kinder nach Thüringen zu delegieren. Dadurch haben sie auch noch einen Trainer in Oberhof.
Macht genau das die Nachwuchsarbeit noch professioneller?
Absolut. Ich muss aber auch sagen, dass wir uns hier in Wandlitz überhaupt nicht verstecken müssen. Gerade bei den Sommerwettkämpfen haben wir viele gute Platzierungen geholt.
Werden Sie als Wintersportverein aus Brandenburg oft belächelt?
Das war am Anfang tatsächlich so. Jetzt hat sich die Wahrnehmung aber geändert. Weil andere auch gesehen haben, dass bei uns etwas passiert. Alle fragen sich zwar immer, wie wir das ohne Berge und ohne Schnee machen. Doch was wir haben, sind mit dem Schießplatz in Groß Schönebeck und vielen tollen Radwegen trotzdem gute Trainingsbedingungen. Die Schießanlage gehört auch dem SV Schorfheide, mit dem wir eng zusammenarbeiten und eine Trainingsgruppe bilden. Das zahlt sich aus.
Die Leistungen der Wandlitzer Junioren können sich immer wieder sehen lassen. Rücken denn auch jüngere Jahrgänge nach, oder haben Sie Probleme, Nachwuchs für den WSV zu finden?
Im Training haben wir im Moment 18 Kinder. Wir suchen aber tatsächlich Nachwuchs, vor allem für den unteren Bereich. Diesen würden wir gerne wieder aufbauen.
Wie werden die Kinder an den Biathlon-Sport herangeführt?
Wir nehmen Kinder etwa ab der ersten Klasse auf. Am Anfang werfen sie Tennisbälle in einen Reifen. Alles passiert natürlich in Kombination mit dem Laufen und im Sommer-Inline-Skating. Wenn die Kinder dann neun, zehn Jahre sind, kommt ein Lasergewehr dazu. Danach fangen sie an, mit einem Luftgewehr zu schießen. Dieses sich schnell Bewegen und dann auf den Punkt konzentriert sein, macht den Reiz aus. Jeder muss eine schnelle Leistung bringen, aber trotzdem so kontrolliert laufen, dass danach eine ordentliche Schießleistung abgeliefert werden kann. Das bringen wir den Kindern bei.
Hat denn die Biathlon-Euphorie etwas nachgelassen, weil auch die ganz großen internationalen Erfolge der Deutschen nicht mehr in der Häufigkeit vorkommen, wie es noch vor Jahren der Fall war?
Biathlon ist immer noch die Wintersportart Nummer eins der Deutschen. Eben auch durch die Spannung, die sie im Fernsehen erzeugt. Es ist eine etwas durchwachsene Saison aus Sicht der deutschen Biathleten, aber ich bin mir sicher, dass sich das wieder ändern wird. Es ist immer so, dass, wenn Treppchenplätze ausbleiben, der Hype etwas verloren geht. Wenn man das aber in Ruhpolding oder Oberhof bei einem Weltcup selbst erlebt, ist das schon verrückt, was dort für Begeisterung herrscht. Ich fand auch das deutsche Abschneiden bei der Weltmeisterschaft nicht so schlecht. Die Spitze ist einfach eng zusammen.



