Wohltätigkeit: Rumänische Kinder: Von der Straße in die Wohngruppe

Chance für Kinder: Bei einem Besuch vor mehreren Jahren entstand diese Aufnahme im Caritas-Sozialzentrum in Saniob. Die Kinder können dort in die Kita und später in die Schule gehen.
Alfons PauseEin Brief hat die Mitglieder der Herz-Jesu-Kirchengemeinde in Bernau in den zurückliegenden Wochen besonders erfreut. Unterzeichnet ist er von Ingrid Polgar-Tamas und einmal mehr drückt er die Freude der Direktion des „Caritas Centru Social St. Stefan“ in dem rumänischen Ort Saniob über die Unterstützung aus Bernau aus. Es ist der Dank für eine Spende in Höhe von 2620 Euro. Der Erlös kam insbesondere bei dem gemeinsamen Martinsumzug der katholischen Herz-Jesu- und der evangelischen St. Marien-Gemeinde in diesem Jahr zusammen. Und weil sich an der Spendensammlung nicht nur Mitglieder der beiden Kirchengemeinden, sondern auch konfessionell nicht gebundene Familien beteiligt haben, reicht Alfons Pause den Dank aus Rumänien an sie alle zusammen weiter. Wie beliebt die gemeinsamen Martinsumzüge sind, zeigen die Teilnehmerzahlen. Rund 500 Menschen kommen bei ihnen zusammen.
Alfons Pause von der Herz-Jesu-Gemeinde ist nun schon seit Jahrzehnten in Bernau der Kontaktmann für die internationale Stiftung, die das Sozialzentrum für Kinder im gut 1200 Kilomter entfernten Saniob kurz hinter der westlichen Grenze Rumäniens betreibt. Die Stiftung befindet sich zugleich unter der Obhut des Benediktinerklosters Stift Melk in Österreich. Für Alfons Pause standen private Kontakte am Anfang des Engagements für die seit 1992 aktive Rumänien-Hilfe.
Benachteiligte Kinder und Jugendliche werden von Sozialarbeiterinnen und Erzieherinnen in Wohngruppen betreut. Sie besuchen den Kindergarten und die Schule. Neben den rund 50 Übernachtungsplätzen in Mehrbettzimmern gibt es auch Bildungsangebote für auswärtige Jugendliche und Erwachsene. Jugendliche werden auf die berufliche Selbstständigkeit vorbereitet, die meisten besuchen nach Angaben der Stiftung Fachschulen oder das Gymnasium in der nicht weit entfernten Stadt Oradea.
Zu dem Sozialzentrum gehören eine Tischlerei und ein Laden. Die dort hergestellten Möbel werden selbst genutzt oder verkauft. Auf rund 52 Hektar werden vorrangig Futtermittel angebaut oder dienen Schafen als Weide. Nach dem Verständnis der Einrichtung wird ein Teil der hergestellten und angebauten Produkte im Sozialzentrum selbst genutzt.
Hilfe mit dem Kleintransporter
Viele Male hat sich Alfons Pause selbst ein Bild von der Arbeit des Sozialzentrums machen können, wenn er, zusammen mit anderen Gemeindemitgliedern, Sachspenden in Kleintransportern nach Saniob gefahren hat. Dort lernten die Helfer auch die Lebensgeschichten einiger Kinder kennen. So wurde ihnen von Pit berichtet, der vor rund zehn Jahren als Vierjähriger in Saniob aufgenommen wurde. Die Behörden waren auf ihn „aufmerksam“ geworden, nachdem er fast ein Jahr lang als Straßenkind gelebt, Mülltonnen durchsucht und unter Brücken oder in Scheunen geschlafen hatte. Er wird als „scheu und unnahbar“ beschrieben. Als er sich beim Spielen ein Bein brach, ist er im Krankenhaus geröntgt worden. Dabei seien gleich mehrere alte Knochenbrüche festgestellt worden, die von früheren Misshandlungen stammten. Als es dann später sein gesundheitlicher Zustand erlaubte, ist er in die Schule gekommen.
Ein weiterer Bericht beschreibt das Schicksal der Geschwister Katie und Ron. Ihre Mutter war verlassen worden und schließlich obdachlos. Zuerst hatten wiederum die Behörden die Unterbringung des jüngeren Ron in Saniob veranlasst. Überzeugt von der guten Versorgung und Förderung, brachte die Mutter auch ihre bereits elfjährige Tochter Katie in die Einrichtung. Trotz der bereits versäumten Schuljahre begann sie mit dem Lernen.