50 Jahre Ketziner Eisenbahner: Franz Swirkowski feierte seinen 100. Geburtstag

Franz Swirkowski an seinem 100. Geburtstag. Der Ur-Ketziner war lange Jahre bei der Eisenbahn beschäftigt.
Wolfgang BalzerNoch heute sei er stolz auf seinen Beruf als Eisenbahner, betonte er in der fröhlichen Runde. Schon sein Vater wäre Eisenbahner gewesen und er selbst habe auf dem Ketziner Bahnhof vier Jahre Maschinenschlosser gelernt. Bis zu seinem 66. Lebensjahr sei die Eisenbahn beruflich seine Leidenschaft gewesen. Klar, dass in seinen Erinnerungen die lebhaften Episoden nur so sprudeln. So habe er auch im Mai 1966 die letzten Personenzüge vom Ketziner Bahnhof abfahren sehen und freue sich jetzt, dass die Ketziner Bahn wiederbelebt werden soll.
Am 28. August 1939 wäre für ihn erstmal Schluss auf dem Ketziner Bahnhof gewesen. Er sei zu einer „kurzfristigen Übung“ eingezogen worden, wie es damals hieß. „Die hat zehn Jahre gedauert“, blickt er leicht verbittert auf diese Lebensperiode zurück. Rumänien, Griechenland, Frankreich und die Ukraine waren einige Stationen. Sogar eine Tropenuniform habe er schon gehabt und musste sich auf einen Einsatz im Iran und im Irak vorbereiten. „So ein Wahnsinn“, meint er heute. „Ich habe immer Glück gehabt, dass ich diese Zeit überlebt habe“, resümierte er an seinem Jubiläumstag und zog seine Kriegsgefangenschaft mit ein.
Nach seiner Entlassung wäre er selbstverständlich wieder zur Ketziner Eisenbahn gegangen, betonte er. „ Das war 1949“, erzählte Franz Swirkowski, als ob es gestern war. Und er habe wieder Glück gehabt, bekam im Ketziner Ortsbereich Brückenkopf eine Wohnung und kaufte später die Doppelhaushälfte. Endlich, nunmehr in seinem 30. Lebensjahr, begann wieder das normale Leben.
Franz sah Hildegard wieder, die er schon von früher kannte, am 27. Mai 1950 wurde geheiratet und er wurde stolzer Vater zweier Söhne. Da er auch ein Wassergrundstück sein Eigen nannte, ging es oft im Kahn mit der Familie nach Deetz, Pilze sammeln. Auf der Rückfahrt wurden sie schon geputzt. Angeln und Gartenarbeit waren gleichfalls geliebte Freizeitbeschäftigungen. So sei er noch mit 90 auf den Birnbaum geklettert. Natürlich immer mit der gutgemeinten Aufforderung, nicht herunterzufallen. „Warum soll ich, muss ich ja wieder raufklettern“, habe er auf die besorgten Wünsche reagiert, erzählte der stolze Jubilar.
Damals wie heute ist er zu derlei Scherzen aufgelegt. Dazu gehören auch die Episoden, die bei Tante Anna erzählt wurden. Tante Anna war die Kneipenwirtin im Ketziner Bahnhofsgebäude, Eingang am Giebel rechts. „Ein Klarer oder ein Kräuter und ´n Bier waren nach Feierabend üblich. Aber immer in Maßen“, betonte er. Auch wenn Franz Swirkowski nach einem häuslichen Unfall jetzt das Laufen schwerfällt, ist er noch gerne in seiner Heimatstadt unterwegs. „Es ist hier alles schön geworden, die Häuser, die Straßen und besonders die Havelpromenade“, schwärmte er an seinem Jubiläumstag.