Seit 2008 befindet sich im ehemaligen Paulikloster in der Neustädtischen Heidestraße 28 das Archäologische Landesmuseum Brandenburg und bewahrt mit etwa 10.000 Exponaten einen bedeutenden Schatz der kulturhistorischen Geschichte des Landes Brandenburg. Ein Jahr lang lüften besondere Exponate in dieser Serie ihr Geheimnis, wollen mitnehmen auf eine Zeitreise und auch einladen, das Landesmuseum in der Stadt Brandenburg zu besuchen.

Die Spuren slawischer Besiedlung in Potsdam sind zahlreich. Sie beginnen im Poztupimi des 8. Jahrhunderts und ziehen sich durch die gesamte mittel- und spätslawische Zeit.
Ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhundert lassen sich unzählige Neu- und Umbauten nachweisen. Zu dieser Zeit zogen deutsche Einwanderer in das Gebiet und prägten das Siedlungsbild nachhaltig.

Grab eines slawischen Mädchens

Aus eben dieser Umbruchszeit stammt das Grab eines slawischen Mädchens, das auf einem von Deutschen und Slawen genutzten Friedhof nahe der späteren Stadtpfarrkirche seine letzte Ruhe fand. Der Verstorbenen wurden reiche Beigaben in das Grab gelegt. Sie trug eine Halskette aus 62 Glas- und drei Bernsteinperlen sowie zwei Schläfenringe unterschiedlicher Machart. Zu diesem Schmuckensemble gesellt sich ein rundgeschliffener Bergkristall, der auf der Brust der Toten lag.
Bergkristall ist weltweit verbreitet. Für den mittelalterlichen Abbau werden Vorkommen in den Alpen oder im Schwarzmeergebiet vermutet.

Bergkristalle zu Schmuck verarbeitet

Wir wissen, dass Bergkristalle in jener Zeit zu Schmuck verarbeitet wurden. So glänzten sie beispielsweise als Perlen oder Fibeleinlagen. Auch als Zierde von liturgischem Gerät fanden sie Verwendung. Aus dem wikingerzeitlichen Skandinavien stammen konvex geschliffene Bergkristalle, die ihren Verbreitungsschwerpunkt auf der Insel Gotland haben. Dass diese Objekte zum Teil Schmuckcharakter hatten, belegen die Silbereinfassungen einiger Bergkristalle. Andere hingegen sind ohne Einfassung aufgefunden worden.

Vorform der Brille

Vor allem für diese Stücke wird eine Funktion als Vergrößerungs- oder Brennglas oder als Lesestein diskutiert. Letztere kamen besonders im klösterlichen Umfeld zum Einsatz, wo sie als Vorform der Brille sehschwachen Brüdern und Schwestern zugute kamen.
Ob der in Potsdam gefundene Bergkristall als Vergrößerungsglas oder gar Lesestein diente oder ob er schlicht ein schönes Zeugnis weitreichender Beziehungen ist, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Sicher scheint: Er war der wertvolle Besitz einer jungen Slawin aus der gesellschaftlichen Oberschicht.