Badespaß mit Tradition
: Freibäder sind in Brandenburg an der Havel keine Erfindung des 20. Jahrhunderts

In Brandenburg an der Havel hat der Badespaß im Freibad Tradition – seit mehr als 150 Jahren.
Von
Th. Messerschmidt
Brandenburg
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  • Eine typische Draufsicht aufs Freibad am Marienberg kurz nach der Fertigstellung. Fotos: Sammlung Th. Messerschmidt

    Eine typische Draufsicht aufs Freibad am Marienberg kurz nach der Fertigstellung. Fotos: Sammlung Th. Messerschmidt

    Sammlung T. Messerschmidt
  • Der Eingangsbereich vom Brandenburger "Volksbad".

    Der Eingangsbereich vom Brandenburger "Volksbad".

    Sammlung Th. Messerschmidt
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Feierlich wurde am 19. Januar 1968 der erste Spaten in den Boden gerammt und die Planierraupe gestartet. In der „Chronik der Stadt Brandenburg von Dezember 1965 bis Januar 1970“ ist nachzulesen: „Genosse Gerhard Pannhausen fordert die Brandenburger auf, ihren Beitrag für dieses große Gemeinschaftswerk zu leisten, das nach seiner Fertigstellung einen Wert von 3,5 Millionen haben wird.“ Kaum zwei Wochen später lagen 102 Verpflichtungen von Kollektiven und Einzelpersonen vor, die sowohl Arbeitseinsätze als auch finanzielle Unterstützung zusicherten. Auch Schüler machten mit, sammelten Altstoffe und halfen somit das Spendenkonto zu füllen – auf schließlich 478.000 Mark! Am hilfreichsten aber war unentgeltliche Muskelkraft, wozu u.a. die Nationale Volksarmee und Sowjetarmisten beitrugen.  Hochgerechnet sollen am Ende 30.000 BrandenburgerInnen mindestens 45.000 Arbeitsstunden im Wert von 1,6 Millionen Mark geleistet haben.

Indes stand auch schon der Name fest, ermittelt via Zeitungsumfrage. Der Rat der Stadt entschied für den meistgenannten Vorschlag: „Volksbad Brandenburg“. Eröffnet wurde es am 21. Juni 1969. Die Bauarbeiten waren trotz Materialengpässen flott vorangekommen und eine Freibad-Eröffnung im Sommer schien allemal sinnvoller als zum Tag der Republik am 7. Oktober. Brandenburgs Oberbürgermeister Reinhold Kietz zeigte sich restlos stolz – inmitten ungezählter HavelstädterInnen – und bekam von Bauleiter Günter Block den symbolischen Schlüssel überreicht. Nach dem Startschuss wagten acht Bauarbeiter den ersten Sprung in das 50-Meter-Becken, woran sich ein Schwimmvergleichskampf zwischen Mannschaften aus Opole (VR Polen), Berlin, Magdeburg, Luckenwalde und Brandenburg anschloss.

Wenig später, am 5. Juli 1969, war auch das gekachelte Nichtschwimmerbecken einsatzbereit und das „Volksbad“ somit vollständig nutzbar. Samt Umkleiden, Liegewiese und Kiosk sowie  Sportzone mit Ballspielflächen, Tischtennisplatten, Turn- und Klettergeräten. Fortan strömten bis zu 6.000 Tagesgäste ins Bad, badeten und vergnügten sich dort, lernten schwimmen, übten sich in Rettungseinsätzen und im Tauchen oder maßen sich im Wettkampf. Auch traf man sich hier gern zum Saisonbeginn zur Freizeit- und Campingausstellung.

Bis 1998 blieb fast alles beim Alten. Doch der 30. Geburtstag war dem Volksbad nicht mehr vergönnt. In Vorbereitung des großen Brandenburg-Tages am 05. September 1998 setzte man wieder einen „ersten Spatenstich“ in Szene. Diesmal, um den Abriss des Volksbades einzuläuten und an dessen Stelle das „Marienbad“ zu bauen.