Brandenburg/Havel vor 75 Jahren
: Wilhelm Leow wurde erster Bürgermeister der Nachkriegszeit

Vor 75 Jahren in Brandenburg an der Havel: Von Sowjets eingesetzte Zivilverwaltung leitete den schweren Neubeginn ein
Von
Manfred Lutzens
Brandenburg
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Tüchtige Brandenburger Frauen beim Enttrümmern im Stadtzentrum.

Archiv Manfred Lutzens

In all dem Wirrwarr und trotz desolater Versorgungslage gelang es, peu à peu provisorische Dienststellen einzurichten. Sie waren die Vorläufer eines Magistrats. Zudem trafen sich während der ersten Mai–Tage einige Kommunisten in der Neustädtischen Heidestraße 71/73 (später Pionierhaus, heute Caritas) sowie etliche Sozialdemokraten im Volkshaus, Steinstraße 42. Unabhängig voneinander legten sie erste Maßnahmen gegen Hunger, Obdachlosigkeit und für die „Säuberung“ der öffentlichen Ämter von Nationalsozialisten fest. Außerdem sorgten diese Aktivisten der ersten Stunde dafür, dass die Verwaltungsorgane personell besetzt wurden. Zugleich orientierte man darauf, die Arbeit in den Betrieben, ­ soweit halbwegs erhalten geblieben, ­ wieder in Gang zu bringen. Am 5. Mai begann der Aufbau einer Polizeiverwaltung, bestehend aus zwei Hundertschaften in ziviler Kleidung. Als äußeres Kennzeichen dieser „Stadtwacht“ galten Armbinden. Besonders wichtig war es fortan, ungeachtet aller Wirren möglichst umgehend für öffentliche Ordnung zu sorgen. Litten doch die allermeisten Brandenburger enorme Not, sodass vornehmlich Diebstähle und ähnlich geartete Delikte leider zum Alltag gehörten.

Die innerhalb unserer erheblich zerstörten alten Chur– und Hauptstadt nun beauftragten Polizisten gaben vielerorts auch Anweisungen zum schrittweisen Beseitigen der Trümmer. Zudem war es dringend notwendig, die zahlreichen Leichen (sowohl Soldaten als auch Zivilisten) und Tierkadaver — zumeist Pferde — zu bergen. Machte sich doch inzwischen neben dem Brand– auch immer stärker ein typischer Verwesungsgeruch bemerkbar; Trümmerstaub tat sein Übriges. Zerstörte Panzer und anderes Kampfgerät wurden mittlerweile soweit wie möglich zerlegt. Inzwischen hatten Kinder und Jugendliche darin gar ihr „ideales“ Spielgerät entdeckt. Besonders gefährlich blieb, da oft noch unter Schuttbergen oder Ruinen verborgen, diverse Munition; inklusive Granaten und Bomben, vor allem viele Blindgänger.

Selbst wenn die Zahl der Kraftfahrzeuge vorläufig eher gering blieb, musste auch der Straßenverkehr irgendwie geregelt werden. Denn etliche Straßen und Plätze — insbesondere in der Neustadt — waren durch die Schuttmassen von zerstörten Häusern und anderen Bauten deutlich „schmaler“ geworden. Vielfach leisteten da Pferdefuhrwerke oder Gespanne Marke Eigenbau beste Dienste — vor allem beim Abtransport von Trümmern. Zum anderen sicherte die Stadtwacht lebenswichtige Warenbestände, kümmerte sich um das Unterbringen bzw. Betreuen der zahlreicher Obdachlosen und organisierte in engem Zusammenwirken mit der Sowjetarmee die strikt angeordneten Arbeitseinsätze. Allen voran müssen hier die tüchtigen „Trümmerfrauen“ genannt werden, die zumeist Menschenketten bildend, Eimer für Eimer mit Schutt weiterreichten. Als vorteilhaft erwiesen sich auf den großen Enttrümmerungsflächen eingesetzte Loren. Darüber hatten sich weisungsgemäß immer wieder weitere Havelstädter mit ihrer Hände Kraft einzubringen. Die hiesige Bevölkerung war von annähernd 100.000 Einwohnern im Jahr 1939 trotz der noch immer zahlreich aus den deutschen Ostgebieten (später dann Polen gemäß Potsdamer Abkommen) hereinströmenden Flüchtlingen auf fast 70.000 zurückgegangen.

Unsere Stadt wies nach Kriegsende schätzungsweise 300.000 Kubikmeter Trümmermassen auf. Für deren Abtransport wären 25 Eisenbahnzüge mit je 40 Waggons erforderlich gewesen. Bald zeigten sich erste Erfolge beim schweren Neubeginn. So nahmen am 7. Mai 1945 im Elektrizitätswerk (Bauhofstraße) immerhin 107 Arbeiter ihre Tätigkeit auf und brachten das Versorgungsnetz provisorisch in Gange. Beschäftigte der Straßenbahn indes reparierten etappenweise Oberleitungen, Masten, Gleisanlagen, setzten mit Improvisationstalent beschädigte Wagen der „Elektrischen“ instand.

Unterdessen sorgte die sowjetische Besatzungsmacht dafür, dass ihre bei der Schlacht um Brandenburg in den letzten Kriegstagen gefallenen Soldaten beerdigt wurden. Diese brachte man ohne Särge auf offenen Militär–Fahrzeugen zur Grabenpromenade, wo dann befehlsgemäß alsbald gegenüber dem Steintorturm der Friedhof mit dem Ehrenmal angelegt werden musste. Teil II am 17. Mai