Corona-Krise
: Drei Spielpläne des Brandenburger Theaters gegen Kultur-Flaute in Arbeit

Das Brandenburger Theater strickt an gleich drei Spielplänen. Auch ein Online-Spielplan gegen Langeweile zu Hause ist dabei.
Von
Th. Messerschmidt
Brandenburg
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  • Das Erfolgsstück der Spielzeit 2019/20: "Mein Freund Bunbury", in Regie von Frank Martin Widmaier,  erlebte sieben ausverkaufte Vorstellungen.

    Das Erfolgsstück der Spielzeit 2019/20: "Mein Freund Bunbury", in Regie von Frank Martin Widmaier,  erlebte sieben ausverkaufte Vorstellungen.

    Th. Messerschmidt
  • Frank Martin Widmaier

    Frank Martin Widmaier

    privat
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In seinem ersten Jahr als künstlerischer Leiter sei das Theater seit März 2019 gut vorangekommen – der Theaterchor wurde gegründet, Jugendtheater und Bürgerbühne sind verstärkt, der Marienberg wurde mit Schauspiel gefüllt und das Theaterhaus mit viel mehr Eigenem belebt. Allein „Mein Freund Bunbury“ erlebte sieben ausverkaufte Vorstellungen. „Der Weg, mehr Eigenproduktionen zu machen, darstellendes Spiel zu realisieren, ist absolut richtig und wichtig und wir hoffen, bald wieder richtig durchstarten zu können.“

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Spätestens nach der Sommerpause. Derweilen wird an drei Spielplänen gestrickt: „Alles, was zwischen dem 13. März und 30. Juni auf der Strecke geblieben ist, wird so weit wie möglich in den Spielplan 2020/21 implantiert, der ja eigentlich schon fertig geplant war, wovon nun manches in den Plan 21/22 verschoben wird“, schildert Wiedmaier. „So ein Projekt wie ‚Cinderella‘, was im Juni gekommen wäre, hat viel Kraft und Zeit gekostet, auch der ‚Faust‘ ist eine fertige Produktion – so etwas fällt nicht vom Himmel, sondern wird lange vorbereitet, und deswegen wird es das geben, wenn wieder viele Leute auf der Bühne und im Publikum zusammen kommen können.“

Parallel werde seit Ostern Woche für Woche ein Online-Spielplan erarbeitet, „sozusagen eine kulturelle Hilfskonstruktion. Wichtig ist uns, dass eine Art von Theaterpräsenz in der Stadt bleibt und Kultur erlebt werden kann, auch wenn es nicht Theater in dem Sinne ist, wie wir Theater verstehen. Denn eigentlich soll Theater Menschen zusammenbringen. Auch wird es die einmalige Atmosphäre einer Theateratmosphäre online nicht geben können. Ein Livekonzert ist nicht zu vergleichen mit einem indirekten Erlebnis im Wohnzimmer. Aber: Wir tun alles dafür, unserem Publikum etwas bieten zu können.“

Und da gibt es eine ganze Menge zu tun. Vorrangig geht es um Rechte-Fragen, da Verlage, Verleger, Autoren,…, Schauspieler dem Online-Vorhaben zustimmen müssen. Eigenproduktionen sind leichter zu handhaben, aber bislang selten. Mitgeschnitten werden sie immer – als Arbeitsmaterial, um bei Wiederaufführungen oder im Falle von Erkrankung eines Schauspielers den Status Quo zu haben. Deswegen seien sie nicht mit 3sat-Aufzeichnungen zu vergleichen, sind aber dennoch eine gute Möglichkeit, für Theater auf heimischen Bildschirmen zu sorgen.

Inzwischen sei für den BT-Online-Spielplan  ein gewisses Raster entstanden – mit Märchenlesungen, BT-Rundgängen und der Hauptaufführung am Wochenende. Widmaier: „Der Plan ist, in den nächsten Wochen noch verschiedene Formate wie Lesungen oder Kammermusik im Foyer oder Puppentheater einzuspielen, wofür aber noch entsprechende Regelungen im Haus zu treffen sind. Wir achten von Seiten der Geschäftsleitung penibel aufs Einhalten der Abstandsregelungen und Hygienevorschriften.“

Der Online-Spielplan dieser Tage: Am Sonntag (03.05.) ist auf dem BT-YouTube-Kanal zwischen 16-21 Uhr „Tropfen ­ – ein Konzert der neuen Musik“ zu erleben, am Montag (04.05.) und Mittwoch von 9 bis 16 Uhr Steffan Drotleffs Märchenlesung „Aschenputtel“. Am Dienstag (05.05.) und Donnerstag (07.05.) gibt es ab 14 Uhr wieder einen virtuellen „Rundgang im BT“, diesmal mit Kurzlesung von Kurt-Tucholsky-Texten und kurzer Musik. Am 8. und 9. Mai (Fr/Sa) wird zwischen 18 und 24 Uhr Moliéres „Tartuffe“ gezeigt  – als Schauspiel in drei Akten in der BT-Inszenierung von Rolf Hochhuth (2012). Am Sonntag, 10. Mai, gibt‘s von 16 bis 21 Uhr „Gepinselte Geschichten“ für Kinder – mit Harald Arnold als Märchenerzähler, für dessen magisches Bild Katha Seyffert die Lesung im Polylux-Rückprojektions-Verfahren begleitet.

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