Demonstration
: Für Erhalt der Linden an der Spandauer Straße in Falkensee

Am 20. Juni hatte das Bürgerbündnis „100 Linden retten“ zu einer Demonstration an der Spandauer Straße in Falkensee aufgerufen - rund 60 Menschen folgten.
Von
Silvia Passow
Falkensee
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  • Demo zur Rettung der 100 Linden an der Spandauer Straße in Falkensee: Sie wollen weiter kämpfen, für die Linden und gegen die Säge.

    Demo zur Rettung der 100 Linden an der Spandauer Straße in Falkensee: Sie wollen weiter kämpfen, für die Linden und gegen die Säge.

    Silvia Passow
  • Teil der Lindenallee in der Spandauer Straße in Falkensee. Für ihren Erhalt wurde am 20. Juni demonstriert.

    Teil der Lindenallee in der Spandauer Straße in Falkensee. Für ihren Erhalt wurde am 20. Juni demonstriert.

    Silvia Passow
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Von den ehemals 100 Linden, die die Spandauer Straße säumten, stehen inzwischen noch 91 Vertreter. Weitere 58 Linden sollen im Rahmen der anstehenden Baumaßnahmen auf der Straße gefällt werden. Von der Hegelallee bis zur Stadtgrenze würden alle Bäume fallen, das einst grüne Tor zur Stadt wäre damit Geschichte.

Das die Straße einer generellen Überholung bedarf, ist unstrittig. Der Knackpunkt sind die unterschiedlichen Interessen, die bedient werden wollen. Denn die Spandauer Straße ist hochfrequentiert, sie führt direkt nach Berlin-Spandau. Schon längst staut es sich hier nicht nur im Berufsverkehr. Dennoch, der Wunsch, in jeder Richtung zwei Spuren für den motorisierten Verkehr zu bekommen wird wohl Wunsch bleiben. Das hat weniger etwas mit einer Verkehrswende, als mit dem Umstand zu tun, dass man von Spandauer Seite keinen Willen zum Beseitigen des Nadelöhres an der Falkenseer Chaussee zeigt.

In der derzeitigen Planung des Landesbetriebs Straßenwesen - die Spandauer Straße ist eine Landesstraße - sind komfortable Radwege vorgesehen und das wird vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) Falkensee auch grundsätzlich begrüßt. „Eigentlich müssten wir Radfahrer frohlocken“, sagt Uwe Kaufmann, Sprecher der ADFC Falkensee. „Aber die Sache hat hier, an dieser Straße, ihre Kehrseite“, fügt er hinzu. Und erklärt, dass auch Radfahrer gern im Schatten führen.

Fast drei Jahre ist es her als die erste Demonstration für den Erhalt der Linden stattfand. Sie seien nicht weniger wichtig geworden, sagen die Veranstalter unisono. Günter Chodzinski, B’90/Die Grünen, Stadtverordneter und Vorsitzender der BISF, sagt: „Wir wollen das grüne Tor zum Havelland weiterhin retten.“ Chodzinski weist auf die Widerstandsfähigkeit der Bäume hin, die zwei Dürrejahre in Folge überstehen mussten. Während die Eichen in den Wäldern zu kämpfen haben, sagt er, erfreuen sich die Linden guter Gesundheit. Man müsse sie sachgemäß pflegen, dann bleibe das auch so. Chodzinski fügt hinzu, dass es Alternativen zur gegenwärtigen Planung gebe, bei der die Linden Teil der Straße bleiben.

Gabriele Brückner spricht für die Tierschutz-Bürgerinitiative „Aktion Fair Play“. Sie macht auf die Wichtigkeit der Bäume für den Klimaschutz aufmerksam und beschreibt die Bäume als Heimat für viele Tiere. „Jede einzelne dieser Linden ist wertvoll“, sagt sie. Und fragt: „Haben die Verantwortlichen etwas von Natur- und Tierschutz gehört?“

Juliane Kühnemund setzt sich seit Beginn der Planung für die Rettung der ehemals 100 Linden ein. Die Stadtverordnete und Bündnisgrüne steht für die Baumschutzgruppe Finkenkrug am Mikrophon. „Die Mentalität, einfach weghauen, geht heute nicht mehr“, sagt sie. Sie erteilt jenen, die glauben, ohne Bäume schneller an der Straße voranzukommen, eine Absage. „Wir werden an dieser Straße auch weiterhin im Stau stehen. Nur dann eben ohne Bäume.“

Ingrid Kaufmann, aktiv in der Baumschutzgruppe Finkenkrug und der BISF sagt, sie versuche es mal poetisch: „Brandenburg ist berühmt für seine Alleen. Die Alleen gehören zu unserem Erbe. Reichtümer dieser Art, gibt man nicht so ohne weiteres auf.“

Nicht aufgeben, das hat sich auch Chodzinski auf die Fahne geschrieben. Die Fällung der Linden stehe im Widerspruch zum Falkenseer Leitbild und Entwicklungskonzept im integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEK), sagt er. Wirtschaftliche Interessen dürften nicht zu Lasten der geschützten Allee gehen und die geplante Fällung stehe im Konflikt zur Falkenseer Baumschutzsatzung. Inzwischen, sagt er, habe der BISF einen Anwalt eingeschaltet. Chodzinski fordert: „Eine Umweltverträglichkeitsprüfung und eine ordentliche Öffentlichkeitsbeteiligung.“

Ein Teil der Öffentlichkeit ist anwesend und hält Plakate mit Botschaften in die Höhe. Etwas abseits sitzt eine ältere Dame. Sie stellt sich als Irmtraud vor und sagt sie sei Ur-Falkenseerin. Wohnt sie hier? Sie nickt und streckt den Arm aus. „Da oben, seit 25 Jahren. Es war mal so schön grün hier“, sagt sie und fügt hinzu: „Es ist mir ein Bedürfnis heute hier zu sein. Die schönen alten Bäume sind sehr wichtig.“

Martina und Frank wohnen auch schon immer hier, wie sie sagen. „Bäume sind uns insgesamt wichtig. Es ist traurig, wie viele Bäume hier fallen sollen. Alternativen werden leider gar nicht in Betracht gezogen. Dabei sind auch Bäume lebende und soziale Wesen“, sagt Martina. Für Anita sind die Linden Wohlfühlfaktor. „Wenn ich nach Falkensee reinfahre und das Grün sehe, fühle ich mich gleich wohl. Sie lebt seit 17 Jahren in Falkensee und gibt zu bedenken, dass so alte Bäume nicht zu ersetzen sind.

Jürgen und Sylvia leben seit 20 Jahren in Falkensee. Für Jürgen ist das lange Stehen beschwerlich. Er wohnt in der Nähe und hat sich einen Hocker mitgebracht. Naja und dann ist da noch Corona. Egal, sagt er, die Rettung der Bäume ist wichtiger. Sylvia sagt: „Selbst wenn die Linden gefällt werden, der Verkehr wird damit nicht besser abfließen.“