Zehn Jahre länger als die Deutsche Demokratische Republik hat die Brücke „20. Jahrestag der DDR“ durchgehalten. Ihren 52. Geburtstag wird sie nicht mehr feiern können. Das binnen anderthalb Jahren für 16,7 Millionen Mark entstandene und am 4. Oktober 1969 für den Verkehr freigegebene Bauwerk wird in der ersten Hälfte des Jahres 2021 abgerissen. Außer Dienst gestellt ist die Brücke bereits seit dem 6. Dezember 2019, seit bei der turnusgemäßen Brückenprüfung gravierende Mängel festgestellt worden sind.

Brandenburg

So gravierend, dass die Vollsperrung innerhalb 24 Stunden erfolgte. Seitdem wird beraten und geplant, wie die Überführung der Gleisanlagen am Altstädtischen Bahnhof zukünftig erfolgen soll; die Realisierungsphase beginnt allerdings erst im zweiten Halbjahr 2022. Das Vorjahr wird den Vorarbeiten gewidmet, die nicht minder spektakulär sein werden und bereits in der ersten Jahreshälfte 2021 einige Millionen Euro verschlingen.

Bypass zur Spittastraße

Los geht es mit dem 1,1 Millionen teuren Bypass zur Spittastraße, die künftig anstelle der Europakurve an die Umgehungsstraße anschließt. Die Bauarbeiten beginnen Ende Januar und müssen spätestens im Mai enden. Zeitgleich entsteht für 1,2 Millionen Euro zwischen Einsteinstraße und Altstädtischem Bahnhof eine Fußgängerbrücke, die insbesondere BewohnerInnen der östlichen Magdeburger Landstraße sowie BesucherInnen des DRK-Kinderdorfes allzu große Umwege ersparen soll.

Der große Brückenabriss kann beginnen

Sind Fußgängerbrücke und der Neuanschluss der Spittastraße vollbracht, kann der große Brückenabriss beginnen und soll bis Ende Juni gelingen, wobei die Sperrzeit für den Verkehr auf der Umgehungsstraße (B1/B102) maximal drei Wochen dauern soll. Mit etwa sechs Millionen Euro wird der Abriss zu Buche schlagen und eine Sprengung beinhalten. So werden die Pfeiler zum Einknicken und somit die Brücke samt Europakurve zum Fallen gebracht – und zwar auf ein unebenes Sandbett, wodurch die Spannbetonkonstruktion zerlegt wird.

45 Millionen Euro teurer Neubau

Sodann wird der Abtransport zur logistischen Herausforderung und der frühestens ein Jahr später beginnende, etwa 45 Millionen Euro teure Neubau vorbereitet. Dabei wird auf die monumentale Stützweite von annähernd 200 Meter verzichtet und stattdessen auf sechs Brückensegmente gesetzt – samt großem Trägerbauwerk zwischen Gleisanlagen und Zanderstraße. Letztere wird im Zuge des Neubaus leicht in Richtung Nicolaiplatz verschwenkt. Erneuert und verlängert wird der Zubringer zur Magdeburger Straße und direkt gegenüber (nördlich) die neue Europakurve gebaut, die dann vis-à-vis der neu trassierten Spittastraße an die Zanderstraße anbindet (siehe Plan).

Teilfreigabe in der zweiten Jahreshälfte 2023

Eine Teilfreigabe der neuen Brücke ist in der zweiten Jahreshälfte 2023 denkbar und die vollständige Verkehrsfreigabe ein Jahr später vorgesehen. Restarbeiten an Grün- und Nebenanlagen können sich bis 2025 ziehen.
Wie die Brücke fortan heißen wird? Der für den Bau zuständige Landesbetrieb Straßenwesen (LS) wird es vorgeben, wobei auch genügend Zeit wäre, die BrandenburgerInnen bei der Namensfindung einzubinden. Auch das könnte ein Thema sein, wenn LS-Vertreter am 13. Januar im Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr ihre genauen Pläne für den Brückenbau sowie auch für die gesamte Westtangente vorstellen.