Die Dominsel war Standort einer slawischen Niederungsburg und sie ist die „Wiege der Mark Brandenburg“. Denn: „Hier gründete König Otto I. im Jahr 948 das Bistum Brandenburg“, ist auf www.dom-brandenburg.de nachzulesen. Die Gründungsurkunde wird im Dom aufbewahrt, wie so viele Schätze. BRAWO hat die „Schatzkiste Dom“ geöffnet.
Diese Kanzeluhr gehört zu den typischen Gegenständen in barocken Kirchen. Sie besteht aus vier Sanduhren in einem hölzernen, drehbaren Gestell. Dreht man es, beginnt die erste Uhr zu laufen, dann die zweite, bis nach einer Stunde auch das letzte Sandkorn durch die vierte Uhr gerieselt ist. Jede Uhr brauchte also 15 Minuten.

Segen und Fluch für die Prediger

So konnte der Geistliche sehen, wie lange seine Predigt dauerte. Kanzeluhren sind bereits im Mittelalter überliefert, kamen aber vor allem nach der Reformation in Mode, um die Predigt zu beschränken. Man dürfe über alles predigen, aber nicht über 40 Minuten. Mit diesem Wortspiel soll Martin Luther die Pfarrer ermahnt haben, sich kurz zu fassen.
Aber auch der umgekehrte Fall ist denkbar, nämlich, dass der Pfarrer etwa bei Leichenpredigten, für die zu bezahlen war, nicht zu kurz sprach. Bisweilen empfanden die Pfarrer solche Uhren als unbotmäßige Einmischung. So musste Kurfürst Friedrich III., der im Jahre 1692 eine solche Uhr im Berliner Dom hatte anbringen lassen, diese Maßnahme zurücknehmen. Der öffentliche Protest des Hofpredigers Anton Brunsen hatte Wirkung gezeigt.

Erinnerung an den Memento Mori

Über ihren praktischen Zweck hinaus hatte die ablaufende Eieruhr auch noch eine andere Bewandtnis. Sie sollte als ein Memento Mori (Erinnerung an den bevorstehenden Tod) daran erinnern, dass für jeden einmal die Zeit ablaufen würde. Dieses Symbol begegnet häufiger im Dom, besonders an den Denkmälern des Schlabrendorff und Pappenheim. Auch bei Gericht kamen solche Uhren zum Einsatz. Sie leisten überall dort gute Dienste, wo die Redezeit eine Rolle spielte.

Kanzeluhr seit 1725 im Dom zu Brandenburg

Das Stück aus dem Dom stammt einer Inschrift auf seiner Oberseite zufolge aus dem Jahr 1725. Die Initialen CK sind allerdings nur schwer zuzuweisen, da es in diesem Jahr weder einen Dompfarrer noch einen Domherrn mit diesen Anfangsbuchstaben gegeben hat. Zwei der vier Sanduhren sind verloren, die anderen beiden funktionieren aber noch tadellos. Die Uhr war wohl ursprünglich direkt auf der Kanzelbrüstung angeschraubt. Ihr hölzerner Ständer stammt aus einer späteren Zeit und dient eher der musealen Präsentation.

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